Nachbericht 70. Berliner Typostammtisch: Tools zum Teilen

Mit 14 Präsentationen – einer Dichte an Vortragenden, die wir sie sonst nur von Pecha-Kucha-Abenden kennen – war die 70. Ausgabe des Typostammtischs einer unserer bisher längsten und informationsreichsten Abende. Und mit über 100 Gästen wissen wir, dass wir nächstes Jahr das Format Typotechnikstammtisch wiederholen wollen. Ihr könnt schon mal über euren Beitrag nachdenken.

Bar, WC und rlig, Ulrike stellt required ligatures in Frage. Foto: Sonja Knecht

Den Anfang machte Ulrike Rausch von LiebeFonts. Sie erklärte auf klare Weise, wie sie ihre Schriften lebendig hält. Dass man doppelte Buchstaben (die beide in einem Wort oder im Text kurz hintereinander erscheinen) rotierend durch Varianten ersetzen kann, ist schon toll – aber, dass man Konsonanten und Vokale getrennt behandelt, und Gruppen von Buchstaben vertikal verschieben kann, ohne doppelte Glyphen einzubauen, hat auch die Programmierer-Nerds an den Stuhl gefesselt. Wir hoffen mit Ulrike, dass das Bewusstsein für diese Feinheiten bei den Anwendern weiterwächst, da selbst automatische OpenType-Feature-Funktionalitäten auf dem Weg zum Endprodukt oft auf magische Weise verloren gehen.

Andreas „Eigi“ Eigendorf zeigte sein weiterentwickeltes Sprachentool (Character Set Tool) von Alphabet Type. Es hilft, die Sprachunterstützung und Encodingabdeckung von Schriften zu überprüfen, sprich: Es analysiert eine beliebige Schrift und spuckt lange Listen aus, in denen niedergeschrieben ist, welche Sprachen unterstützt werden. Die beiden Onlinetools Character Set Checker und Builder wurden bereits auf der ATYPI-Konferenz in Warschau von Eigis Kollegen präsentiert; diesmal lag der Fokus auf der zusätzlichen Funktionalität, dass die Sprachdatenbank auch aus eigenen Skripten per API angesprochen werden kann.

Ferdinand Ulrich beglückte uns mit wunderschönen Bildern von Hilfsmitteln, die man in einer Blei- und Holzdruckerei braucht. Insbesondere erklärte er und das Wie und Warum des Walzengreifs; der wird benötigt, um die Höhe der Walze genau auf die Höhe des Druckmaterials zu bringen. Das hübsche Gerät, das er in antiker Originalverpackung dabei hatte, gibt es zu bewundern bei p98a. Auch hat Ferdinand seinen Vortrag nun als Artikel veröffentlicht.

Frank Rausch hat ein Tool namens Typographizer entwickelt, mit dem auf Taschenlesegeräten (wie schlauen Telefonen) falsche An- und Abführungszeichen in typografisch korrekte Formen umgesetzt werden. Seinen Code (programmierte Zeilen) darf jeder in seine eigene App (Progrämmchen) ein- und umbauen; anhand einer Demo-App verdeutlichte uns Frank wie schnell seine Programmbibliothek in unsere eigenen Apps hineinkommen. Endlich automatische Mikrotypografiekorrektur auf MacOS.

Friedrich Forssman erklärte uns per Videobotschaft, gemütlich Pfeife rauchend vor einer enormen Bücherwand ein InDesign Plugin, womit Ligaturen für die deutsche Sprache korrekt aufgelöst werden. Sicherlich neu für viele der zugewanderten Gäste war, dass man sogar laut Duden im Deutsch nicht über Wortfugen ligieren (Buchstaben verbinden) darf. In seinen zwei sehr kurzweiligen filmischen Darreichungen führte Friedrich das Plugin vor, und zeigte, wie man mittels einfachem Suchen und Ersetzen den aufgelösten Ligaturen noch ein wenig extra Luft einhauchen kann, so dass sie nicht wie misslungene Verklebungen daherkommen. Weitere Informationen zu dem Skript gibt es im unteren Bereich seiner Website.

Georg Seifert führte zunächst das von Friedrich Forssman erdachte Durchschein-Skript für InDesign vor: „Durchscheinen“ simuliert, wie Seiten aussehen, wenn sie auf dünnem Papier gedruckt werden. Dies und auch der famose Bundschattenfilter sind auf der oben genannten Seite von Friedrich herunterzuladen. Anschließend erklärte Georg, wie er Github selbst fuer die Programmierung von seiner weltberühmten Glyphs App verwendet, und stellte ein Tool namens CommitGlyphs vor, mit dem SchriftgestalterInnen genau dieses Git-Plattform auch für die Verwaltung von Glyphs-Dateien nutzen können, speziell wenn man mit mehreren Leuten an einer Schriftentwicklung arbeitet. Interessant ist so ein System aber auch, wenn man einen klar strukturierten Überblick über die eigene Arbeit haben will.

In einem spontanen Einschub erklärte uns Nadezda Kuzmina, was Git überhaupt ist und wie sie Github als Gestalterin nutzt. Sie zeigte uns eine feine Pixelschrift, die nur aus PNG-Bildern aufgebaut ist (die sie für das Spiel Mogee entwarf), und Logos Logos als OpenSource-Dateien, an dem mehrere Personen arbeiten können: womöglich ein kleiner Ausblick in die Zukunft der gestalterischen Berufe.

In der halbstündigen Pause wurden die letzten Reste aus den enormen Suppentöpfen geleert. Nur die besten Zutaten wurden hierfür verwendet: die letzten drei Kiezkürbisse aus Hof 3 der Eisenacher 56, direkt hinter dem Vortragsraum.

Jens Kutílek hat ein wahrhaftes Programm für MacOS und Windows gebaut, mit dem sich Namen für die unterschiedlichsten Dinge, zum Beispiel Schriftfamilien, erfinden lassen. Man gibt zuerst seine Lieblingsbuchstaben ein, bestimmt die minimale, optimale und maximale Länge des Wortes und sucht sich eine Sprache oder ein Themengebiet aus, in dem der Name verwurzelt sein soll. Aus dem Publikum kam die Frage, ob man auch Babynamen zum Beispiel deutsch mit bulgarischem Touch suchen lassen kann. Der WoLiBaFoNaGen ist derzeit in der Version 0.1.0 erhältlich, Wünsche und Anregungen könnt ihr auf der Github-Seite des Projekts hinterlassen.

Klaas zaubert mit Grep und Unterlängen in InDesign. Foto: Sonja Knecht

Klaas Posselt von der InDesign User Group Berlin zeigte uns mehrere beeindruckende typografische Möglichkeiten der in InDesign eingebauten GREP-Funktionalität, was enorme Zeitersparnisse bei der Formatierung von Texten erlaubt. Er erklärte, wie man feinste Spationierungsanpassungen automatisch machen kann, wenn die in der Schrift eingebauten Unterschneidungstabellen nicht ausreichen (zum Beispiel bei Tabellenzahlen), oder bei unterschiedlichen Schriften und Formatierungen. Zum Schluss zeigte Klaas das Aufräumen von typografischen Sünden wie falschen Minus- und Multiplikationszeichen und sogar Hurenkindern vor, alles mit sehr kurzen GREP-Zeilen. Alle gezeigten Dateien inklusive der dazugehörigen GREP-Stile stellt Klaas hier zum Download bereit.

Lasse Fister, speziell aus Nürnberg angereist, zeigt seine Arbeit an FontBakery, den Schrifttestwerkzeugen von Google für Google Fonts. Es analysiert die komplexesten Schriften und meldet alles, was daran (technisch) nicht in Ordnung sein könnte. Dies funktioniert sowohl mit einzelnen Schriften, aber auch mit ganzen Schriftbibliotheken. (Danach zeigte er noch mehr, aber da konnte ich nicht aufpassen, weil die Batterien des Mikrofons ausgetauscht werden mussten, und ich selbst gleich dran war. Danke Olli fürs Ergänzen!) Derzeit arbeitet Lasse an einer Version der Schrifttestwerkzeuge, bei der alle Tests in der Cloud ablaufen. Als Bonus stellte Lasse außerdem mdlFontSpecimen vor, eine Website, die automatisch ausführliche Schriftmuster für Fonts erzeugt.

Luc(as) de Groot zeigte, wie man mit Hilfe von einer Fotokopie oder eines Laserausdrucks, halbkaltem Kaffee (kein Espresso!) und Scotch Magic Tape (oder irgendeinem anderen transparenten Klebeband) Typografie auf praktisch allen Oberflächen anbringen kann, die nicht in einen Laserdrucker passen. Man klebt das Tape auf das Gedruckte, tunkt es in den Kaffee und reibt dann an der Rückseite mit kreisenden Bewegungen das Papier weg. Der Toner bleibt sauber auf dem Tape zurück und kann nach Trocknung ohne weiteres auf Objekte geklebt werden, oder mittels Hitze (Feuer, Föhn) zuerst noch verformt und verzerrt werden. Erfunden hat Luc(as) den Luc-Truc in den ’80er-Jahren während seines Studiums.

Mark Frömberg, freier Schriftgestalter aus Berlin, präsentierte seine selbstgemachten Skripte für Glyphs. Das neueste dieser Helferchen hört auf den Namen Skedge und erleichtert das Entwickeln von Glyphs-Reporter-Plugins mit einer Live-Vorschau in Glyphs. Alle anderen frei zugänglichen Skripte von Mark findet man auch im hauseigenen Plugin-Manager von Glyphs. (Ich hatte die Details vergessen, weil Glyphs nicht auf meinem PC läuft, danke nochmal, Olli!)

Anschließend zeigte unser Typostammtischorganisationsteammitglied Olli Meier mittels Live-Skype-Übertragung von der anderen Seite Deutschlands, welche Hilfsmittel er alle schon für Glyphs bereitgestellt hat. Mehrere Ebenen auf einmal löschen, kein Problem mehr. Er zeigte auch wie man mit DrawBot (Just van Rossum, Erik van Blokland, Frederik Berlaen) aus kompatiblen Glyphen ganz schnell tolle Animationen produzieren kann. Seine Scripte findet man demnächst hier.

Zum Schluss zeigte uns Sergey Rasskazov aus St. Petersburg, wie er einfach selbst eine Schriftgestaltungsschule gegründet hat, und mit tollen Lehrern in Kürze die Studenten zu tollen Ergebnissen bringt. Er führte ähnlich professionelle Unterrichtsabläufe vor, wie sie an den gefestigten Schriftgestaltungsinstitutionen gehandhabt werden.

Vielen Dank nochmal an alle Vortragenden für ihre Beiträge und eure tollen Tools! Und danke an Jens Kutílek für Ergänzungen und Rechtschreibkorrektur 🙂

Timelapse Typostammtisch #70, von Floris de Groot

Nachbericht 69. Typostammtisch: Jan Middendorp aka Fust & Friends

Ein schöner Abend in Kreuzberg (dieses Mal ohne sintflutartigen Regen)! Für uns, die wir Jan schon kannten, boten sich erhellende und durchaus ungeahnte Einblicke in die berufliche Entwicklung eines Freundes und Kollegen; für die Jüngeren im Publikum war es umso spannender zu sehen, wie jemand, der heute ganz selbstverständlich als Autor und Grafik-Designer agiert, dessen Bücher über Typografie, Schrift- und Textgestaltung legendär und zum Teil vergriffen sind, seinen Weg gefunden hat.

So sagte zum Beispiel Daria Petrova (Team LucasFonts, wo Jan einige Jahre mitgearbeitet hat) nach dem Vortrag und Gesprächen mit Jan, sie fände es „toll, was ihr alles schon gemacht habt“ – das Vielfältige, Verschiedene. Während sie, ihre Generation oder jedenfalls viele, die sie kennt, eben einfach Grafik-Design und Schriftgestaltung studieren und „das dann halt machen“. Wenn ihr wüsstet! Wenn ihr wüsstet, wie unsereins, die Ausprobierer und Herumtasterinnen, diejenigen beneidet haben, deren Talente schon früh offenkundig waren und sie direkt in eine bestimmte Ausbildung oder ein praktisches, in einen Beruf mündendes Studium führten … Passend dazu zeigte Jan die Installation des riesenhaften Schriftzuges ZWEIFEL auf dem Palast der Republik; Verena Gerlach (Karbid) wiederum konnte Hintergrundwissen dazu (und ein Buch aus ihrem Studio nebenan) beisteuern. Juli Gudehus (Lesikon, Ehrenpreis) und andere Gäste betonten wie ungeheuer ermutigend Jans Vortrag war und dass er ihn unbedingt auch vor Schülerinnen und Studenten halten solle, Leuten, die unter dem Druck der Berufswahl stehen und in den Creative Industries ihren Platz suchen.

Jan Middendorp bewegt die Gemüter mit seinem Vortrag.
Er wurde sogar ins Koreanische übersetzt; so erfuhr Jan, wie berühmt er dort ist.

Jan Middendorp hat zwar im zarten Alter von sechs Jahren sein erstes Buch gebastelt, sich dann aber auch in diversen anderen Gefilden und künstlerischen Konstellationen erprobt – ausgestattet mit einem gesunden Selbstvertrauen, einer gewissen Pragmatik („selbst in einer Band spielen konnte ich halt nicht“), Mut zum Ausprobieren und dem klaren Bewusstsein für die Möglichkeit des Scheiterns: eine Haltung, die heute gern propagiert, aber selten ausgelebt wird. Sehr spannend, wie Jan sich durch die Wirren seiner weitgefächerten künstlerisch-kulturell-literarischen Interessen seinen Weg gebahnt und mit einigen erfolgreichen Zwischenstationen – Kommunikation für und Beteiligung an Tanz- und Theaterprojekten etwa – schließlich gefunden, oder letztlich, wiedergefunden und professionalisiert hat, was ihm am meisten Spaß macht: mit Schrift und Sprache umgehen. Bücher machen. Im Nachhinein wirkt es wie ein roter Faden.

Profis wissen: Die besten Gespräche finden in der Küche statt. Hier Benedikt Bramböck (@arialcrime), Tilmann Hielscher (@tillepalle), Dan Reynolds (Typeoff) und Inga Plönnings (@innnigs).

Vor allem Jans Engagement in diversen Schriftfirmen führten ihn schließlich dazu, seine eigene Foundry zu gründen, als Lieblingsprojekt für Lieblingsprojekte: Mit Fust & Friends fördert und veröffentlicht Jan heute besondere Schriften, die einen Bezug zur (Schrift-)Geschichte haben. Minjoo Hams 1950er-Jahre-Reminiszenz und Ernst-Bentele-Hommage Teddy und (demnächst) das Remake der Alarm von Heinz König von 1928 (herzlichen Dank an Florian Hardwig/@hardwig für den Hinweis), beide gezeigt in unserer Ankündigung für diesen Abend, gehören dazu.

Der Name Fust übrigens spricht sich keineswegs Englisch aus; Johannes Fust war Deutscher und „the first Bad Guy in type history“, wie Jan ihn auf seiner Foundry-Website sogar mit Versalien betitelt, der erste schlimme Finger der Schriftgeschichte – wirklich, der erste?

Jan Middendorp erklärt die Gründung und Namensgebung von Fust & Friends. Beides logisch.

Jedenfalls war jener Fust eine wohl latent zwielichtige, weniger bekannte, aber sehr relevante Gestalt im Druckbusiness zu Zeiten Gutenbergs. Er war dessen geschäftlicher Wegbegleiter und -bereiter. Eine Rolle, mit der sich unser Vortragender offenbar identifizieren kann.

Jan jedenfalls ist und bleibt eine ziemlich gute Type. Wir sind gespannt auf seine nächsten Publikationen. Netterweise hatte er einen ganzen Koffer voller Bücher zum Anschauen dabei, was von den Gästen gern genutzt wurde.

Jan Middendorp verblüfft Jürgen Huber (HTW, SuperType).
Reges Plaudern, vertieftes Blättern. …

Schön war das und schön war’s im Sonnenstudio in Kreuzberg! Mit unseren Gastgebern vor Ort – Riesendank nochmal an Sol Matas und Eike Dingler – hoffen wir, dass Lause bleibt und sich die Gelegenheit vielleicht wieder ergibt. Einstweilen könnt ihr den Fortgang von Fust & Friends auf Twitter verfolgen. Jan, Sol, Eike, Daria, Verena, Juli, Minjoo und uns alle trefft ihr sicher bei dem einen oder anderen der nächsten Typostammtische. Bis dann!

Tolle Gastgeber: Sol Matas und Eike Dingler (Mauve Type) von der Bürogemeinschaft Sonnenstudio in der Lausitzer Straße. Die Lause bleibt ganz sicher einer unserer liebsten Veranstaltungsorte und allen Besuchern in bester Erinnerung.

Nachbericht 66. Berliner Typostammtisch: Pecha Kucha

Erneut geht ein wundervoller Abend mit wundervollen Menschen zu Ende. Die letzten Gäste gehen, die Stühle werden zusammengeklappt und beiseite geräumt, die freundschaftliche Enge eines gemütlichen Wohnzimmers wandelt sich zurück in ein geräumiges Büro. Aufräumen, wischen, durchatmen.

An dieser Stelle wollen wir allen Sprechern und Sprecherinnen recht herzlich dafür danken, dass sie den Berliner Typostammtisch mit ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und ihrer Leidenschaft mitgestaltet haben.

Ein weiterer großer Dank gilt Luc(as) de Groot und seinen Leuten. Danke, dass wir erneut bei euch sein durften und dass ihr uns so sehr beim Auf- und Abbau geholfen habt.

Publikum Pecha Kucha, Foto von Olli Meier

 

Typobau

Sprecher: Prof. Rayan Abdullah, Foto von Sibylle Schlaich

Professor Rayan Abdullah begann den Berliner Typostammtisch mit der Vorstellung zahlreicher arabischer Schrift-Projekte, die in Leipzig und Berlin in Zusammenarbeit mit dem Büro Dalton Maag in London in den letzten Jahren entstanden sind. Er gab kurze Einblicke in die Schriften McDonalds Arabic, Transport Dubai Arabic, Cordale Arabic, Ubuntu Arabic, Barclaycard Co Arabic, Aktiv Grotesk Arabic und die gesamte Schriftfamilie der arabischen Nokia.

 

In Memoriam

Folie aus dem Pecha Kucha von Daria Petrova

Daria Petrova überraschte mit einer in der Schriftszene weniger befremdlichen Liebe, welche aber außerhalb des Typostammtisches vielleicht zu Augenrollen führen könnte. Sie sprach über die Rolle der Schrift in der Denkmalkultur – oder anders: viele schöne Fotos von Grabsteinen; mal ernüchternd pragmatische Lösungen, mal skurrile Individualanfertigungen. Folgenden Satz aus dem Pecha Kucha von Daria wollen wir unkommentiert wirken lassen: „Du lebst wie eine Systemschrift und du stirbst wie eine Systemschrift.“

 

Schriftmuster/Schriftproben

Sprecher: Felix Walser, Foto von Constanze Hein

Felix Walser ging auf seine kürzlich abgeschlossene Diplomarbeit ein (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Fachklasse Schrift, Februar 2017), in der er mit Hilfe der Programmiersprache Python und der App Drawbot eine Sammlung experimenteller Schriftmuster automatisiert erstellte.

 

Ästhetisch Ökonomisch Überall

Sprecher: Florian Hardwig, Foto von Bernd Volmer

Florian Hardwig brachte uns sehr zum Lachen mit zahlreichen Fotos und ungewöhnlichen Lösungen für Umlaute, die über Ä, Ö und Ü weit hinausgingen – oder in die jeweiligen Buchstabenformen hineinragten. Mit seinem Überblick schuf er eine tolle Inspirationsquelle nicht nur für ungewöhnliche Umlaute.

 

Duftdrucker

Sprecher: Jürgen Siebert, Foto von Bernd Volmer

Unfassbar, aber wahr: Jürgen Siebert hat 1999 einen Artikel verfasst, der auf den 11. Mai 2017 datiert war, also genau auf den Tag, an dem der 66. Berliner Typostammtisch stattfinden sollte und er über sein Thema sprechen durfte – Duftdrucker für den Heimgebrauch. In einem fiktiven Zeitungsartikel beschreibt er genau diese neue Erfindung.
Wie kam es dazu? 1999 bat das Frankfurter Designbüro Xplicit fünfzig Freunde, für ihren Taschenkalender 2000 einen Blick in die Zukunft zu werfen. Jedem Teilnehmer wurde eine Jahreszahl zugeordnet. Jürgen bekam die 2017.

 

Classic French Stencil Lettering

Folie aus dem Pecha Kucha von Andreas Seidel

Andreas Seidel nahm uns mit auf eine typografische Reise durch die Normandie und Bretagne und gab Einblicke in Vorlieben für Mülleimer- oder Bootsbeschriftungen: Überall verfolgten ihn die offenbar landestypischen oder zumindest regional extrem beliebten Schablonenschriften.

 

Love and Peace Font: Moontype

Folie aus dem Pecha Kucha von Olli Meier

Mit seiner Schrift „Moontype“ startet Olli Meier den Versuch, mehr Liebe und Frieden zu verbreiten. Was wäre, wenn wir das Wort „Krieg“ gar nicht erst kennen würden? Schrifttechnisch kein Problem, zumindest nicht für Olli: Er hat seine Moontype so programmiert, dass sie das Wort Krieg quasi verweigert und automatisch durch „Frieden“ ersetzt. Und das in allen 24 Sprachen der (noch) 28 EU-Mitgliedsstaaten. Es gibt also quasi keinen Krieg mehr in Europa; und ausbrechen geht auch nicht: Das Wort „Brexit“ selber wird nämlich zerhackt.

Che

Sprecherin: Sol Matas, Foto von Marianna Paszkowska

Sol Matas zeigte uns die typografische Verbindung der Länder Deutschland und Argentinien anhand der Ligatur „ch“, die eine ausgesprochen große Wichtigkeit in der argentinischen Sprache hat (und wie ein deutsches „tsche“ ausgesprochen wird).

 

Am Korrektorat gespat

Folie aus dem Pecha Kucha von Sonja Knecht

Sonja Knecht hob den Zeigefinder auf eine wirklich sehr witzige und sympathische Art und zeigte uns, welche Wirkung Rechtschreibfehler haben. Finde den Fehler oder er findet dich! Vor allem da, wo man ihn gar nicht vermutet: in den eigenen Texten. Ob print, online oder handgeschrieben, ob Großkonzern oder Kiosk, der Teufel sitzt im Detail – manchmal im typografischen. Eine Hommage an der Texterin liebste Kollegen, die Korrektoren.

 

Mathematical Letters

Sprecherin: Petra Rüth, Foto von Sina

Petra Rüth machte einen Ausflug mit uns in die komplexe Welt von C.G. Roßberg und zu seinem Versuch, die Ästhetik von Buchstaben mit mathematischen Konstruktionen zu beschreiben (Systematische Anweisung zum Schön- und Geschwindschreiben von 1793). Fraktur, Kanzlei und Kurrent werden dekonstruiert, wieder zusammengesetzt, geschrieben, verziert – und gipfeln in faszinierenden Gesamtkompositionen.

 

41

Folie aus dem Pecha Kucha von Andreas Frohloff

Die eindrucksvolle Zahl von 41 Praktikantinnen und Praktikanten brachte Andreas Frohloff auf die Idee, die „wunderbaren Mitarbeiter auf Zeit“ der letzten 12 Jahre des FonFont Type Departments in Form eines Pecha Kuchas zu würdigen. Um so schöner, dass einige der ehemaligen PraktikantInnen sowohl im Publikum (Georg, Ivo, Jens, Alex, Sven, Jan Steven, Benedikt, Norman, Inga, Gergő, Sophie) als auch als Sprecher (Olli, Viktor) auf diesem Typostammtisch vertreten waren.

 

FontDrop! – Schau in Deine Fonts

Folie aus dem Pecha Kucha von Viktor Nübel

Viktor Nübel (auch er einer der ehemaligen Praktikanten aus Andreas Frohloffs Team) zeigte uns seine Web-App „FontDrop!“, mit der die Inhalte von OTF, TTF und WOFF Dateien schnell und übersichtlich angezeigt werden – und wie es dazu kam!

Alles in allem ein sehr gelungener, vielfältiger Abend mit über 100 glücklichen Gästen, die sich noch weit nach den Vorträgen intensiv austauschten. Danke an euch alle für die rege Teilnahme!

Recap Typostammtisch #65: David Březina

At the evening before Typo Labs, David Březina spoke for an audience of around 150 visitors, our biggest Stammtisch yet! We moved from a regular bar to the LucasFonts office because we expected many visitors, but not that many! The office was flanked by two courtyards with flowering Narcissus, Tulips, and even a few Hyacinths, so that even the people standing outside had something nice to look at, yes, not everyone could get inside.

Pixel perfection: do you find the LucasFonts logo?
Crowded house! The KREM de la créme of type design coming together. 🙂

David held an inspiring talk structured in two lectures: first he introduced the Rosetta team, talked about recent work, their workflow, and about their approach to multi-script design and harmonisation. The second part was about his ongoing PhD research on coherence in typeface design. If relations between character shapes are formalised the outcome might lead to something reusable to design and teach type more effectively. He showed some interesting examples of neuronal networks completing typefaces, that were close to what a designer would have done.

David Březina was so generous as to provide a very long and mannifold talk – to a very attentive audience.
Typostammtisch host Luc(as) de Groot with two of so many lovely visitors: Marina Chaccur (based in The Hague) and Maria Doreuli (from Moscow).

We were joined by many international guests and the atmosphere after the lecture was joyful. To still the hunger and thirst of the visitors, more drinks had to be bought, and when all food was gone, Glyphs’ creator Georg Seifert sponsored a pile of pizzas. They disappeared in no time. Many thanks to Georg!

The evening was accompanied by a small Rosetta exhibition (left side in the follwing picture) featuring Skolar Sans, a collaboration of David Březina and Sláva Jevčinová, and Gitan by Florian Runge.

Success took us all by surprise, we must say. We were super happy to hear our first and fulminant “pre-Labs” Typostammtisch and, most of all, David’s talk being referred to quite some times during the following conference days – thank you, everyone! After these full-packed days, once again, it very much felt like living at the heart of were type and typography are being discussed, designed, produced, engineered, in short: loved madly by many.

The evening in a time lapse (video by Floris de Groot, 17):

 

Some more pictures:

Weiterlesen „Recap Typostammtisch #65: David Březina“

Auftakt 2017: Ausstellung der Masterarbeiten 2016

Als zweite „Mastering Type“-Ausstellung und 63. Typostammtisch unserer Zeitrechnung konnten wir am Donnerstagabend im Haus der UdK Grunewaldstraße über 100 Gäste begrüßen, die sich freudig über die ausgestellten Schriftentwürfe – in Plakat- und Begleitbuchform – und andere Erfreulichkeiten aus der Branche austauschten.

Insbesondere diese Begleitbücher („Process Books“) der Studierenden aus Den Haag boten spannende Einblicke in die konzeptionelle und handwerkliche Herleitung der einzelnen Schriftprojekte, und sie sind toll gestaltet, geheftet, gebunden, alle verschieden.

Rododendron von Jitka Janečková, Ritual von Daria Petrova, TroisMille von Marc Rouault, Kaligari von Franziska Weitgruber

Sehr schön, dass wir die Prozessbücher wieder mit ausstellen konnten! (Sie werden sonst nur schulintern gezeigt und kaum aus der Hand gegeben.) Hier gibt es weitere Fotos der diesjährigen Den Haager Druckerzeugnisse.

Großer Andrang in der UdK-Galerie im Haus Grunewaldstraße: im Publikum unter anderem Simone Werger, Aleksandra Samuļenkova (Type and Media 2012), Georg Seifert, Andreas Frohloff, Daniel Perraudin (Type and Media 2012), Luc(as) de Groot, Gabby Lord (TYPO Berlin Editorial Team) und Philipp X. Neumeyer (Type and Media 2015), dessen Abschlussarbeit aus Den Haag wir im letzten Jahr ausstellen konnten.

Es freut uns sehr, dass wir einige der Studierenden vom Jahrgang 2015/16 aus Den Haag (Daria Petrova, Inga Plönnigs, Paul Troppmair) und Reading (Katharina Seidl, Manuel von Gebhardi) bei unserer Ausstellungseröffnung begrüßen durften; sie stellten ihr Studium, ihre Schule und die jeweilige Ausrichtung kurz vor.

Paul Troppmair (Type and Media 2016), flankiert von seinen Kursgenossinnnen Inga Plönnigs und Daria Petrova, erklärt Grundzüge des Schriftstudiums in Den Haag (Foto Jens Kutílek).

Die Schriftgestaltungsstudiengänge in Den Haag und Reading sind derzeit die wohl bekanntesten und etabliertesten. So widmet sich ein Artikel in der aktuellen Ausgabe der PAGE (03.17, Seite 106 ff) diesen beiden Schulen, ihrer Lehre und den Alumni. Das allerdings sind bei weitem nicht die einzigen Möglichkeiten, Schrift zu studieren: 2016 ergänzten wir die Ausstellung mit Arbeiten aus dem Moskauer Type Design Workshop von Alexander Tarbeev, dieses Jahr zeigten Studierende aus Frankreich und Tschechien ihre Schriftprojekte.

Frankreich
Im rund eine Stunde von Paris entfernten Amiens unterrichten an der École supérieure d’art et de design unter anderem Alice Savoie, Patrick Doan, Frederik Berlaen und Jean-Baptiste Levée. Der von Sébastien Morlighem geleitete Kurs „Typography & Language“ dauert 16 Monate, die Auseinandersetzung mit einem nichtlateinischen Schriftsystem ist erwünscht, aber nicht verbindlich gefordert. Die Klassengröße beträgt meist fünf Studenten; je nach Bedarf findet der Unterricht auf Französisch oder Englisch statt. Zu den Absolventinnen zählen unter anderem Titus Nemeth, Alisa Nowak und Sandrine Nugue. In den letzen Jahren machten Studenten aus Amiens zum Beispiel beim Typeface Publishing Incentive Program von TypeTogether (aktueller Anmeldeschluss: 31. März 2017) auf sich aufmerksam. 2014 gewann Roxane Gataud mit ihrer inzwischen erschienen Bely, zuletzt setzte sich Quentin Schmerber mit Temeraire gegen die Konkurrenz durch. Neben dem Studium werden in Amiens auch in unregelmäßigen Abständen Ausstellungen und Konferenzen organisiert, wie die Sans Everything im vergangenen Oktober.

Das Atelier National de Recherche Typographique (ANRT) in Nancy leitet seit Oktober 2012 Thomas Huot-Marchand. In dem 18 Monate dauernden Kurs unterrichten zum Beispiel Alice Savoie, Émilie Rigaud, André Baldinger und der Deutsch-Franzose Jérôme Knebusch, der, jetzt steht es fest, zum nächsten Typostammtisch (am 23. Februar) nach Berlin kommen und einen Vortrag bei uns halten wird. Mangelnde Französischkenntnisse stellen auch in Nancy keine Hürden dar, man unterrichtet gern auf Englisch. Die Größe der Jahrgänge ist ähnlich wie in Amiens; eine Vorschau auf aktuelle Projekte, die in den nächsten Monaten abgeschlossen werden (fünf an der Zahl), gibt es hier. Auch kann man, nach erfolgreichem Abschluss des Masterkurses, in Nancy sein Studium mit einem PhD weiterführen. Einer der Forschungsschwerpunkte am ANRT ist aktuell das Thema „Automatic Type Design“: Bereits zum zweiten Mal fand zu diesem Thema 2016 eine mehrtägige und -sprachige Konferenz in Nancy statt.

Tschechien
Aus Prag war Schriftgestalter-Dozent-Tausendsassa Radek Sidun angereist, der die Ergebnisse seines letzten Studienprojekts vorstellte. Nach den preisgekrönten und auf der ATypI 2015 in São Paulo präsentierten Bestsellers (es ging darum, Schriften nach vorher destillierten Verkaufserfolgskriterien zu gestalten, was für einigen Aufruhr sorgte), bekamen die Studierenden nun jeweils eine bekannte, klassische Schrift vorgegeben (!), irgendeine, die sie weiterentwickeln sollten. Diese Evolution ist zu betrachten auf dem Briefcase Foundry Blog, der auch zu anderen Themen fundeirtes zu bieten hat (Lieblingslesetipp aktuell: Czech TV Type).

Warum dies so ausführlich, wenn es doch (noch) keinen reinen Schrift-Master-Studiengang an der Kunstakademie in Prag gibt? Weil es hier viel zu entdecken gibt: Prag ist ein wunderschöner Studienort, nah an Berlin und verhältnismäßig kostengünstig. Die Typo-Szene ist klein und extrem engagiert, originell, bringt exzellente Ergebnisse hervor. Manchen Designern gelten tschechische Schriftentwürfe als Geheimtipp. Mit Radek Sidun setzen sich Tomáš Brousil (Briefcase Foundry) und Karel Haloun als Dozenten für Schriftgestaltung und Typografie ein; maßgeblich in der Szene vor Ort und international sind auch Filip Blažek und die tolle Linda Kudrnovská, Herausgeberin und Chefredakteurin des (mit der ersten Ausgabe 2015) sofort zum Standardwerk avancierten 365typo Yearbook of Type.

Vorschau auf das nächste Studentenprojekt aus Prag (es geht um Bier, soviel sei verraten) …
Radek Sidun mit den Arbeiten seiner Studierenden; das Projektthema war die Weiterentwicklung einer bekannten Schrift: Evolution.

Hervorheben möchten wir die Tatsache, dass die Klasse aus Den Haag gleich mehrere Preisträger/innen beim diesjährigen Morisawa-Wettbewerb hervorbrachte: Bart Vollebregt konnte sich mit seiner Schrift Vonk sowohl den prestigeträchtigen Morisawa Award in Gold als auch den Akashi Award sichern, Jitka Janečková bekam für Rhododendron Silber; eine Lobende Anerkennung – Honorable mention – erhielt Marc Rouault für seine TroisMille; Daria Petrova mit ihrer grabsteininschriftinspirierten Ritual und Inga Plönnigs mit der extremschmalmagerscharf linksgeneigten Magnet gelang der Sprung auf die Shortlist (sprich: in die ganz enge Auswahl). Herzlichen Glückwunsch von unserer Seite!

Philipp Neumeyer vertieft sich in das „Process Book“ seiner LucasFonts-Kollegin Daria Petrova zu ihrer Schrift Ritual (und denkt mutmaßlich über den Sinn des Lebens nach).

Weitere Informationen zu allen präsentierten Abschlussarbeiten:
MA Typeface Design Reading 2016
Type and Media Den Haag 2016
Typographie & Langage Amiens 2014–2016
Atelier National de Recherche Typographique Nancy 2015
Type Design and Typography Prag 2016

Und noch ein paar Fotos vom Ausstellungsabend:

Weiterlesen „Auftakt 2017: Ausstellung der Masterarbeiten 2016“

Nachbericht Typo-Quiz 2016: Mitmachrekord und neue Finalisten!

img_9815-jens-benediktDer 62. Typostammtisch am 24. November 2016 war das neunte „TypoStammQuiz“ (so auch unser offizieller Hashtag) der Geschichte. Großzügige Gaben für den Geschenketisch und ein neuer Mitmachrekord sorgten für einen gelungenen Abend – wir verzeichnen über 50 Ratende (in 15 Gruppen) und mindestens 10 weitere Gäste, die es sich nicht nehmen ließen, später noch vorbeizuschauen.

So wurden sie Zeuge eines ganz besonderen Quizabschlusses: Zwei fast-neue Finalisten, nämlich „our very own“ Typostammtisch-Teammitglied Benedikt Bramböck und Font-Technologie-Legende Jens Kutílek (er war bereits 2009 und 2012 im Finale), lieferten sich ein extrem würdevolles, konzentriertes Duell und hielten fast durchgängig Gleichstand.

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Die Rotharigen rotteten sich versuchsweise zusammen, wurden dann aber per Los in verschiedene Rategruppen getrennt: Dirk Heider mit Barbara Dechant vom Buchstabenmuseum.
Gleich geht es los. Wer ist in welchem Team?
Die Spannung steigt, gleich geht es los. Wer ist in welchem Team? Hier Björn Giesecke mit Inga Plönnigs.
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Nomen est Gewinnnner-Omen! „Team N“ war topp (Foto Jens Kutílek, alle anderen Fotos Sonja Knecht).
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Änne (deren Nachnamen wir gerne nachtragen, wenn sie sich meldet), Gunnar Bittersmann, Jens Kutílek und Verena Gerlach auf der Gewinnerspur.

Beim Spielstand 6:6 mussten sich Quizmaster Florian Hardwig (an der Leinwand) und Assistent Jan Middendorp (an den Tasten) spontan eine Stichfrage für die völlig stoisch wirkenden Finalisten überlegen. Passenderweise betrat just Lucas de Groot die aufgeheizte Szenerie und sorgte wohl für die Eingebung: Wieviele Schnitte hatte seine (die erste so genannte) Superfamilie Thesis bei ihrem ersten Erscheinen?

Wir wissen nicht, ob Jens es wusste oder es sich flux ausgerechnete. Wir wissen nur, er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und lag mit seinen „144“ genau richtig (der ebenso ruhig agierende Benedikt mit „120“ wiederum nur knapp daneben). Herzlichen Glückwunsch unseren beiden großartigen Finalisten und dem frisch gekürten TypoStammQuiz-Sieger 2016, Jens Kutílek! Für die beiden Finalisten bedeutet das übrigens nicht nur, dass sie sich auf ihren Lorbeeren ausruhen dürfen; an ihnen ist es nun, sich die Fragen für das Quiz im nächsten Jahr auszudenken. Viel Vergnügen!

Zitat Bramböck: „Gegen Jens verliert man auf jeden Fall würdevoll“. Team-M-Kollege Hielscher: „Dann mach du mal.“ Benedikt machte, und zwar mit Bravour.
Zitat Bramböck: „Gegen Jens kann eigentlich nur das Ziel sein, würdevoll zu verlieren“. Zitat Hielscher: „Dann mach mal.“ Benedikt machte, und zwar mit Bravour.

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An dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Dank unserem diesjährigen Quizmaster Florian Hardwig: Nicht nur hat er spannende, breit gefächerte Fragenfelder ausgelegt – ein Publikumsrenner waren die Schriften aus dem Berliner Stadtbild, die überwiegend von anwesenden Berliner Schriftgestalterinnen stammten – und die Antwortalternativen liebevollst ausformuliert (Brüller!), sondern in seiner fein austarierten Mischung aus Wohlwollen, Strenge und erhobenem Weizenglas das Ganze kongenial gesteuert.

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Bei aller Aufgeregtheit und 30 anspruchvollen, witzigen, abwechslungsreichen Fragen ging das Quiz in erstaunlich ruhigen Bahnen über die Bühne. Vielen Dank, lieber Florian! Regen Anteil an der Fragenentwicklung nahmen übrigens auch Florians FontsInUse-Partner Stephen Coles und Nick Sherman, aus der Ferne, wie Florian fairerweise berichtete.

Im Vordergrund: mutige Erstbesucher Daniel, Caspar (und das zum Quiz!), im Hintergrund: Paul Troppmeier zwischen Holly Brunn und vielleicht weiteren Österreichern, wir wissen es nicht.
Im Vordergrund mutige Erstbesucher Daniel, Caspar (und das zum Quiz!), im Hintergrund Stammgast Paul Troppmair zwischen Holly und vielleicht weiteren Österreichern, wir wissen es nicht. FHP und UdK jedenfalls.

Eine besondere Erwähnung gebührt TYPO-Berlin-Urgestein Benno Rudolf. Auf Anregung von Ulrike Rausch (die charmant ihren „Heimvorteil“ als Untermieterin bei ihm aka FontShop/Monotype in der Bergmannstraße nutzte) hatte er großherzig ein Ticket für die TYPO Labs 2017 beigesteuert. Diese tolle Last-Minute-Überraschung haben wir als Sonderpreis verlost, glücklicher Gewinner wurde Jannis Riethmüller – was wiederum klasse passt: Jannis setzt sich im TYPO Editorial Team Jahr für Jahr großartig ein und kann nun eine Konferenz mal einfach nur genießen. Viel Spaß dir und Spannung!

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Lucas de Groot, Tilmann Hielscher und Minjoo Ham arbeiten an der Getränkeliste für alle – auch eine Last-Minute-Geschenk-Überraschungsidee, vom lieben Lucas.


Juli Gudehus im Gespräch mit Holly, Spätankömmling Ferdinand lässt sich vom Quizmaster durch die Fragen führen, Alex Nagel bewahrt die Übersicht. Im Hintergrund gönnt sich auch Geschenkefee Jenny nun einen ruhigen Ausklang …[/caption]

Ganz herzlichen Dank allen Mitratenden und allen, die den Gabentisch so reich bestückt haben, dass Jenny Baese fast eine Stunde brauchte, um alles dekorativ zu drapieren, die Liste zu komplettieren und uns Anwesenden vom Sofa aus einen Überblick zu geben. Von Tasse bis T-Shirt war alles dabei, siehe unten (und bitte schreibt uns, falls wir jemanden oder etwas vergessen haben).

Bleibt noch, Olli Meiers wunderbare Anmoderation mit Jahresrückblick aufgreifend, uns ganz herzlich zu bedanken für 9 schöne Abende im Café Bilderbuch, für tolle Vorträge, für die Teilnahme an unseren anderen Unternehmungen – der Ausstellung zum Jahresanfang und dem Schriftspaziergang im Sommer – und dafür, dass ihr alle die Berliner „Schriftfamilie“ bereichert.

Wir sehen uns Ende Januar bei der nächsten Mastering Type Ausstellung!

Der TypoStammQuiz-Gabentisch 2016:

Weiterlesen „Nachbericht Typo-Quiz 2016: Mitmachrekord und neue Finalisten!“

Nachbericht Typostammtisch #57: Localize it, Henning Krause

Die meisten Menschen wundern sich darüber, dass es wiederum andere Menschen gibt, die sich ausschließlich mit Schrift beschäftigen. Vermutlich wundern sich manche noch mehr, dass es sogar Menschen gibt, die Schriften produzieren – denn schließlich ist Schrift doch einfach da.

Lokale Unterschiede in der Schreibweise von Buchstaben sind auch einfach da. Soweit kein Thema, wenn die entsprechenden regionalen Unterschiede ausschließlich mit Hand aufs Papier gebracht werden. Doch wie sieht es aus, wenn man einen Computer benutzen möchte? Was passiert, wenn dieser auch noch Zugang zum Internet hat und ich damit einen elektronischen Brief verfassen will? Was passiert, wenn ich eine Textdatei verschicke, die jemand tausende Kilometer weiter auf einem anderen Kontinent mit einer anderen Schrift öffnet? Wie verhält sich der Text in der Mail? Andere Region? Andere Spachen? Anderes Encoding?

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Stammtischbesucher Gunnar Bittersmann im Gespräch mit Henning Krause

Henning sprach hierbei nicht über die unterschiedliche Gestaltung von Buchstaben (das sei eine weitere Präsentation) – heute wolle er sich auf die Technik konzentrieren. Wer die Vorträge vom Amelie Bonet und Jan Charvát auf den TypoLabs verpasst hat, wird sich nun doppelt über die Zusammenfassung von Henning gefreut haben. In seinem Vortrag ist wunderbar deutlich geworden, dass er mit seinem Team die großartige Chance hat, „das richtige zu tun“, um es in seinen Worten zu sagen. Mit der Avenir Next will er mit seinem Team ein Belegexemplar entwickeln, wie in Zukunft mit lokalen Alternativen technisch umgegangen werden kann. Hierzu soll es ein Whitepaper geben, das nicht in den Tiefen Monotypes versteckt bleibt, sondern öffenltich gemacht werden und damit uns allen zugute kommen soll.

Besonders faszinierend fanden wir die enorme Energie und Leidenschaft, die – in Hennings Fall – hinter dem Thema steckt: Diverse berufliche und private Reisen. Gelder für regionale Spezialisten freigegeben. Linguisten befragen. Umfangreiche Recherchen, die dazu führen, dass in enger Zusammenarbeit mit dem Unicode-Konsortium bisherige regionale Standards überdacht und gegebenenfalls erweitert werden.

In der anschließenden Diskussion (die dieses Mal ausgesprochen lange und intensiv geführt wurde) ging es dann noch über die lokalen Gegebenheiten hinaus. Der Wechsel von alten Font-Standards, „combing marks“ und Unicode-Anträge kamen zur Sprache, ebenso Ängste und Notwendigkeiten im Zusammenhang mit den aktuellen Entwicklungen und neuen Standards, aber auch, wie wünschenswert eine gute Kommunikation zwischen Font- und Software-Herstellern wäre.

Vielen Dank an Henning Kause! Wir freuen uns auf die angekündigte Dokumentation, das Whitepaper von Monotype zum Thema Localisation.

Nachbericht Typostammtisch #55: Schriften vom Fließband

Ellmer Stefan beim Typostammtisch Berlin

Letzten Donnerstag hatten wir die Ehre, dass Ellmer Stefan extra für unseren Berliner Typostammtisch aus Oslo angereist ist. Sein Vortrag „Typographiegeschichtliches Würgen“ bzw. „Type history’s gag reflex“ war eine sehr intelligente Komposition aus historischem Wissen, systematischem Gestalten und philosophischem Denken, gestützt durch eine angenehme Selbstironie.

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Ellmer Stefan (er nennt sich so herum) auf dem Typostammtisch Berlin, April 2016 (Photo Norman Posselt)
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Ellmer Stefan bannt das Typostammtisch-Publikum mit seinem intensiven Vortrag (Photo Norman Posselt)

Angelehnt an ästhetische Schriftvorbilder und Produktionsverfahren aus dem 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der beginnenden industriellen Revolution, produziert Ellmer Stefan Schriften im Wochentakt: enorm großzügige Produktivität, ein überzeugendes Gesamtkonzept mit tollen Ergebnissen und klugen Gedanken.

Sein Vortag war extrem erfrischend und motivierend; um es in Stefans Worten auszudrücken, es war mannigfaltig. Wir saßen noch lange zusammen und haben weiterdiskutiert. Gespannt verfolgen wir, wie sich sein Projekt im Laufe des Jahres weiterentwickeln wird und welche Erkenntnis/se er erfährt …

Großen Dank an Ellmer Stefan und an die vermutlich kleinste Type Foundry der Welt, die alles in allem in einen Rucksack passt, The Pyte Foundry.

Ellmer Stefan & The Pyte Foundry 3

Tipp: Verfolgt Ellmer Stefans wöchentliche Schrift-Veröffentlichungen auf Twitter und/oder seiner Website. Jeweils ab Erscheinen montags sind sie bis zum Ende der Woche kostenlos herunterzuladen – und dann nicht mehr erhältlich. Aktuell ist dort die 18. Veröffentlichung verfügbar, die passenderweise „Perdu“ heißt. Es gibt bereits leidenschaftliche Sammler wie Nick Sherman und Florian Hardwig … und es wird sicher nicht das letzte Mal sein, dass wir vom „Innovantiquarian Typopoet“ hören!

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Ellmer Stefan kurz vor der Abreise im Garten bei LucasFonts, wo er für seinen Berlin-Besuch eine blumige Bleibe gefunden hatte (vielen Dank noch mal an Lucas für das Gästezimmer!).

Titelfoto und Beitragsbilder in Schwarzweiß stammen von Norman Posselt, die Gartenbilder von Sonja Knecht.

 

Nachbericht Typostammtisch #54 oder Ein Abend (wie) aus dem Bilderbuch

Wie schon beim Jahresauftakt im Januar möchten wir auch diesmal die Gelegenheit nutzen und den letzten Typostammtisch Revue passieren lassen.

Vergangenen Donnerstag konnten wir ungefähr 84 Gäste im Café Bilderbuch begrüßen, die unserer Einladung zum – Besserwissende mögen mich bitte korrigieren — mittlerweile fünften Pecha-Kucha-Abend gefolgt sind. Für ein abwechslungsreiches Programm sorgten insgesamt zehn neun Vortragende, die uns an ihren Projekten, Arbeiten und Erfahrungen teilhaben ließen. Zu sehen gab es gemalte, handgeschriebene, parametrische, exotische, panische, retrofuturistische oder ornamentale Schrift, gepaart mit wissenswerten Einblicken und Anekdoten von ihren Macherinnen und Entdeckern.

Friedrich Althausen – „Nummer 23“
Friedrich Althausen – Nummer 23
Friedrich Althausen, freischaffender Typograf und Schriftgestalter, nahm uns mit auf eine Reise nach Caputh, wo es neben dem Schloss dank ihm nun auch schöne Hausnummern zu bewundern gibt.

Jenny Baese – „N punkt n punkt“Jenny Baese O.T.
Auch mit Jenny unternahmen wir einen kleinen Spaziergang. Das Ziel lag diesmal etwas weiter südlich, genauer genommen in Äthiopien, wo sie verschiedenste, meistens in Fidel geschriebene Alltagstypografie fotografisch festhielt.

Sonja Knecht – „Mopsdiebstahl oder Text in Not“Sonja Knecht – Mopsdiebstahl oder Text in Not
Schrift ist im urbanen Raum allgegenwärtig. Sonjas Fokus liegt jedoch nicht auf Leuchtbuchstaben oder Leitsystemen, sondern auf schriftlicher Kommunikation, die in der Not entstand. Sie ließ uns an ihrem analytischen Texterinnenblick teilhaben und führte uns unterhaltsam durch ihren Fundus aus textgewordenem Schmerz, Verlust und Hoffnung.

Thomas Maier – „Muster und Ornamente“Thomas Mayer – Muster und Ornamente
Spannende historische Beispiele der unterschiedlichsten Art kramte Thomas aus seiner reichhaltigen Sammlung hervor. Er ging unter anderem auf Muster für Wände, Fußböden, Reklame und Vorsatzpapier und deren Herstellungstechniken ein. Und am Schluss ging es dann doch noch irgendwie um Schrift.

Ulrike Rausch – „Handschriften mit Hand und Fuß“Ulrike Rausch Handschriften mit Hand und Fuß
Digitale Schriften mit handgemachtem Charakter sind Ulrike Rauschs Spezialgebiet. Einen wichtigen Beitrag leisten dabei umfangreiche Opentype-Features, die auch im Beyond Font und in ihrer neuesten Schrift – die Typostammtischbesucher erhielten eine exklusive visuelle Kostprobe – zum Einsatz kommen.

Petra Rüth – „Ansichten – handgeschriebene Schriftenposter“Petra Rüth ANSICHTEN Neudörffer
Einen Einblick in die Entwicklung und Dokumentation der geschriebenen Schrift gab uns Petra Rüth. Eine der Vorlagen war die erste Seite von „Anweysung einer gemeinen Handschrift“ von Johann Neudörffer d. Ä. aus dem Jahr 1538, die gleichzeitig auch ihre Lieblingsseite ist.

Aleksandra Samuļenkova – „Pilot: a narrow typeface for a wide audience“Aleksandra Samulenkova – Pilot
Pilot“ begann als Aleksandras Abschlussprojekt im Type and Media Kurs an der KABK Den Haag. In den letzten Jahren hat sie die Schrift stetig weiterentwickelt und überarbeitet, demnächst erscheint sie bei Bold Monday. Wer nicht so lange warten will, dem seien die Pilot Black Italic Caps in 24pt ans Herz gelegt, die bei Swamp Press erworben werden können.

Ferdinand Ulrich – „20 bemerkenswerte Schriften aus der Werkstatt p98a“Ferdinand Ulrich – 20 bemerkenswerte Schriften aus der Werkstatt p98a
In den zwei Jahren ihres Bestehens hat die Galerie p98a von Erik Spiekermann bereits jede Menge Schriften aus Holz, Blei und Plakadur gesammelt. Ferdinand stellte nun eine Auswahl von 20 der bemerkenswertesten vor. Neben Altbekannten wie der Akzidenz Grotesk und der auf dem 33. Typostammtisch vorgestellten Hunt Roman zeigte er auch eher unbekannte Schatten- und „Würstchenschriften“.

Bernd Volmer – „Mensch Maschine“Bernd Volmer – Mensch Maschine
Bernd zeigte uns seine Penplotter-Sammlung und ließ uns auch an seinen Überlegungen teilhaben, wie ein solches Gerät mithilfe von Robofont-Extensions, maßgeschneiderten Buchstabenskeletten und experimentellen Schreibwerkzeugen benutzt und immer wieder neu entdeckt werden kann. Mit anderen Worten: „Wir sind auf alles programmiert, und was du willst wird ausgeführt.“

Wir bedanken uns bei allen Vortragenden und Gästen für den sehr gelungenen Abend!

Besonders gefreut hat uns auch der Besuch von Leuten außerhalb des Schriftenkosmos’, wie zum Beispiel Michael Schmitz von „Smarter German“, der uns sogar lobend erwähnt in seinem April-Newsletter und von detailverliebten Menschen mit angenehmem Humor spricht, aber hört selbst:

 

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und gerne selbst einmal „aktiv“ an einem zukünftigen Typostammtisch teilnehmen möchte – egal ob 6:40 Minuten oder über die volle Distanz – kann sich jederzeit gerne persönlich oder per Mail mit uns in Verbindung setzen. Wir freuen uns auf spannende Vorschläge.

Der nächste Typostammtisch findet am 28. April 2016 wieder im Café Bilderbuch statt. Diesmal haben wir Ellmer Stefan von The Pyte Foundry aus Oslo bei uns zu Gast.

Auftakt 2016: Ausstellung der Masterarbeiten 2015

Typostammtisch Berlin am 28. Janaur 2016: Absolventen-Ausstellung, bestens besucht!
Typostammtisch Berlin am 28. Januar 2016: Absolventen-Ausstellung, bestens besucht!

Der erste Typostammtisch des Jahres war ein Außentermin, und gleich ein voller Erfolg: Am Donnerstag, den 28. Januar, haben wir (im Medienhaus der UdK) die Abschlussarbeiten der Type Design Master 2015 aus Den Haag (NL), Reading (GB) und Moskau (RU) gezeigt – insgesamt 34 beeindruckende, vielfältige Schriftentwürfe, changierend in Ästhetik, technischer Finesse und Anwendungspotential, alle mit hohem gestalterischen Anspruch und hervorragend präsentiert (aus Den Haag gab es sogar Dokumentationsbücher dazu).

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Studierende der UdK aus den Typografie-Seminaren von Jenny Baese halfen beim Aufbau – vielen Dank! Hier Ismaël Sanou und Johannes Schmoll beim Einsatz an den Pappen. (Fotos Olli Meier)
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Arne Winter, Student der „Burg“ (in der Bildmitte sitzend), kam aus Halle mit Kommilitonen fürs Schriften-Kucken nach Berlin gereist.

Type Design in Den Haag, Reading, Moskau

Flankiert von den anwesenden, mit „H“- und „R“-Aufklebern kenntlich gemachten „Mastern“ gaben frühere Absolventen/-innen der Masterstudiengänge Type and Media (MA) in Den Haag und MA Typeface Design in Reading, Fritz Grögel und Amélie Bonet, den rund 120 (!!!) Gästen einen Überblick, wie und von welchen Dozenten dort unterrichtet wird (leider von deutlich zu wenig Dozentinnen, wie Fritz Grögel in Richtung Den Haag anprangerte). Die Schwerpunkte sind, grob gesagt, in Den Haag Handwerk/Technik und in Reading Forschung/Historie.

In Moskau vermittelt Einzelkämpfer Alexander Tarbeev in seinem Type Design Workshop fundiertes Können und Wissen und gibt seinen Schützlingen Mittel an die Hand, um im internationalen Schriftgeschehen und speziell an der Schnittstelle (am Zusammenwirken) Lateinisch-Kyrillisch tatkräftig mitwirken zu können. Schriftgestalterinnen wie die preisgekrönte Maria Doreuli sind bei Tarbeev (hier sein Profil bei Paratype) in die Lehre gegangen. Die Abschlussarbeiten wurden bereits bei der Typeface Graduation Projects Exhibition 2015 in Moskau gezeigt – die Ausstellung dort haben Maria Doreuli und Katerina Kochkina organisiert  – und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt. So konnten wir unsere Ausstellung Ost-West-grenzübergreifend ergänzen und freuen uns darüber sehr (nicht nur aus Sensibilität für Fragen der Diversität … vor allem ist die Gesamtschau interessanter, und die Arbeiten verdienen ein breites Publikum!).

Schnell noch jemanden einladen … Sonja Knecht mit Alexander Nagel („Typografische Notizen“, Shutterstock 2015), im Hintergrund Philipp Neumeyer, Absolvent „H“ 2015, Schriftentwürfe „Elma + Frederick“ (Foto Luc(as) de Groot)
Schnell noch jemanden einladen: Sonja Knecht mit Alexander Nagel („Typografische Notizen“), im Hintergrund Philipp „zweiter Vorname“ Neumeyer, Absolvent Den Haag 2015 und jetzt bei LucasFonts. Seine Arbeit: „Elma + Frederick“. (Fotos Lucas de Groot)

TStT 20160128 photo Lucas de Groot – Anfang

Type Design und Typografie in Berlin

Auch und gerade hier in Berlin und Umgebung kann man die Grundlagen der Schriftgestaltung und der Typografie (sowie Kalligrafie, Lettering, Interface Design, den Umgang mit Webfonts usw.) erlernen; die Auswahl an Studiengängen, Gasthörmöglichkeiten, Workshops usw. ist groß! Wir haben uns sehr darüber gefreut, wie viele Dozenten und Dozentinnen unserer Einladung gefolgt sind und für alle Interessierten ansprechbar waren (und weiterhin sind), ebenso wie Typostammtischler/innen (Typostammtischlernde? – ihr wisst schon) aus den eigenen Reihen:

Andrea Tinnes (Professorin für Schrift und Typografie „an der Burg“ = Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle),  Jürgen Huber und Martin Wenzel (beide unterrichten an der HTW Berlin, zusammen sind sie Supertype), Wim Westerfeld (Professor für Typografie/Schriftgestaltung und Prorektor an der Kunsthochschule Weissensee), Typostammtisch-Stammgäste Frank Rausch (macht bei Raureif mit Geschäftspartner Timm Kekeritz „was mit Äpps“, berichtet davon zum Beispiel beim TYPO Day und unterrichtet Interface Design an der Fachhochschule Potsdam, die übrigens als einzige bislang auf Twitter präsent ist: @FHPotsdam).

Dann (wie man im Englischen so schön stolz sagt) „our very own“ Verena Gerlach (zusammen mit Fritz Grögel Herausgeberin des schönen, lehrreichen Buches Karbid – Berlin – de la lettre peinte au caractère typographique, beide unterstützen tatkräftig den Typostammtisch; Verena gibt Workshops von Polen bis nach Algerien und Thailand, in Berlin unterrichtet sie semesterweise an diversen Hochschulen) und Jenny Baese, ebenfalls Typostammtisch-Mitorganisatorin; sie unterrichtet an der UdK Berlin Typografie und hat dankenswerterweise den tollen Ausstellungsraum, den Getränkeverkauf vor Ort und helfenden Hände organisiert; auch ihr UdK-Kollege Thomas Lehner kam vorbei. Aus Leipzig (dort gibt es einen Studiengang Buchkunst/Grafik-Design mit einer Klasse Type-Design“ an der  HGB) war jetzt leider niemand da, aber das holen wir nach (und laden die Kolleginnen und Kollegen jetzt schon mal herzlich ein, sich und ihren Schriftunterricht beim Typostammtisch vorzustellen).

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Ein gut besuchter Typoausstellungsstammtisch am 28. Januar 2016: Olli Meier und Jenny Baese eröffnen den Abend.

Sehr gefreut haben wir uns über das Baby und den Besuch von Type-and-Media-Absolventin Martina Flor (Online-Teaching, Lettering-Workshops weltweit, Gastdozentin diverser Hochschulen) und Stargast Just van Rossum (Letterror) aus Den Haag, der zur Zeit mit grafischen Bewegtkunstwerken (via Twitter/FB) Freude verbreitet und dies (die Gestaltung mit DrawBot und die Freude daran) auch als Dozent in den Haag und in Workshops weltweit vermittelt.

„Our very own“ Luc(as) de Groot, der seit rund 20 Jahren an der Fachhochschule in Potsdam die Grundlagen der Schriftgestaltung unterrichtet (auf Anfrage auch für Gasthörer/-innen, immer Mittwoch vormittags Kurs 1 und nachmittags Kurs 2), hatte von dort sein selbstgemachtes Ausstellungsfaltsystem angeschleppt. Das schön-schlichte Konzept – es brachte die Arbeiten bestens zur Geltung – sorgte fast für genauso viel Furore wie die tollen Schriften. Einige haben schon nachgefragt: Bastelanleitung in Arbeit! Lucas hat übrigens auch den Druck der Ausstellungsplakate gesponsert und persönlich betreut – tausend Dank.

Martina Flor, Lettering-Fachfrau und Gründerin der Berlin Summer Type School, hier „at my first type event with baby“ (Foto Jürgen Siebert).
Lettering-Fachfrau Martina Flor hier „at my first type event with baby“ (Foto Jürgen Siebert).

Besonders gefreut haben wir uns über den Besuch und die Begeisterung von Jürgen Siebert (Programmdirektor der TYPO Berlin), der ja immer wieder auf die enorme Schriftgestalter- und Typografinnen-Dichte Berlins verweist … q.e.d. 🙂

Auch Typostammtisch-Gründer Ivo Gabrowitsch hat den Weg auf sich genommen  – super! (Lieben Dank an dich, Ivo, und an deinen Mit-Typostammstammtischler Florian Hardwig, für eure super Supervision und Übergabe! Glaubt ja nicht, dass wir auf euch verzichten wollen …)

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Das Publikum – allen voran (Bildmitte) Klaus Rähm, Typostammtischler der ersten Stunde – lauscht aufmerksam den Einleitungen …
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Fritz Grögel beschreibt den Studiengang in Den Haag; die kleine blonde Dame in Blau ist Andrea Tinnes, Professorin für Typografie an der Burg Halle (sie brachte Studierende mit); der Mann mit der roten Mütze ist Philipp Neumeyer (alle schon weiter oben erwähnt/verlinkt); ganz rechts im Bild Tilmann Hielscher (Link und Erklärung weiter unten).

So, und den Rest und die vielen Details und die vielen netten Begegnungen müsst ihr euch von denen berichten lassen, die dabei waren. Zum Beispiel beim nächsten Stammtisch, der ein „Stammtisch-Stammtisch“ wird: Wir treffen uns einfach zum Plaudern, um uns austauschen, für Neues aus der Branche. Wer mag kann dann – und letztlich bei all unseren Treffen! – eigene Arbeiten mitbringen, uns und alle Anwesenden ansprechen, sich kollegialen Rat holen, sich nach typografischen Lern- und Lehrerfahrungen erkundigen. Einladung folgt, Termin steht schon fest: 25. Februar. Bis dann!

Links zu allen Abschlussarbeiten ganz unten.

Vorsprung durch Hektik: Schriftentwurf „Ronkey“ von Den-Haag-Absolvent Benedikt Bramböck, der leider nicht da sein konnte – aber die Austellung im Vorfeld und aus der Feren entscheidend mitgestaltet hat (danke dir)! (Foto Lucas de Groot)
Hier Ronkey von Den-Haag-Absolvent Benedikt Bramböck (aka @arialcrime), jetzt Mitarbeiter bei Alphabet Type, der leider nicht da sein konnte, aber die Austellung im Vorfeld und aus der Ferne entscheidend mitgestaltet hat (danke dir)! Man beachte bitte auch den großartigen Blindtext. (Foto Lucas de Groot)
Jannis Riethmüller, TYPO Berlin Editorial Team’s managing editor 2015 – and a true Brainchild indeed (foto Lucas de Groot)!
Jannis Riethmüller, TYPO Berlin Editorial Team’s Managing Editor – und yep, ein echtes „Brainchild“! (Foto Lucas de Groot)
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The amusement of photographing a crowded graduate exhibition – Lucas de Groot genießt den erhebenden Moment (Foto Alexander Nagel).
TStT 20160128 by Sonja Knecht – Lorenz Seeger & Harry Keller
Lorenz Seeger und Harry Keller (mit Sonja Knecht), ehemals Edenspiekermann und zusammen mit Lars Krüger Gründer von diesdas.digital, berichten im Wochenrückblick auf ihrem Blog von ihrem fröhlichen Besuch bei uns – danke euch!
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in letzter Minute erwischt: Tilmann Hielscher, Absolvent 2015 (Den Haag) und Kreator der Ligan Display, die wir für unsere Einladung verwenden durften – vielen Dank noch mal! Tilmann trägt (voller Stolz und zu Recht) das „H“ für Den Haag – so haben wir die Absolventen kenntlich gemacht, „R“ stand für Reading (aus Moskau war leider niemand da).
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Olli Meier vom Typostammtisch-Team verstaut die Ausstellungsplakate sorgsam … (Foto Sonja Knecht)

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TStT 20160128 photo Lucas de Groot – als wenn nüscht gewesen wäre
Kaum eine Stunde nach Ausstellungsende: als wenn nichts gewesen wäre!
TStT 20160128 by Sonja Knecht – Lucas de Groot Georg Seifert
Können sich kaum losreißen: Lucas de Groot und Georg Seifert (Vater von Glyphs und der Graublau Sans, die wir aktuell für unsere Website nutzen), der schnell noch vorbeigeradelt kam …
TStT 20160128 by Sonja Knecht – Defender bepackt
… während die gesamte Ausstellung schon wieder im de Groot’schen Defender verpackt und bereit für den Abtransport war.

Hier alle präsentierten  Abschlussarbeiten:

Weiterlesen „Auftakt 2016: Ausstellung der Masterarbeiten 2015“