25.08.16: Biergarten & Schriftspaziergang

ZLB-Berliner_Ansichten-Augustcutout_1200Unser Termin im August ist mal wieder ein Stammtisch-Stammtisch, also ohne Vortrag. Zum dritten Mal in diesem Jahr kehren wir damit zur Grundidee zurück, sich fachlich mit netten Menschen auszutauschen.

Wir treffen uns zum Quatschen, zum Bücher und Fundstücke zeigen, und unterhalten uns über typografische Neuigkeiten. Wir freuen uns über spontan mitgebrachte Arbeiten, die noch im Prozess, vielleicht nur eine vage Idee oder auch schon kurz vor der Fertigstellung sind. Bringt einfach mit, was ihr zeigen möchtet!

Und weil wir so optimistisch sind stellen wir die Tische nach draußen: Wir treffen uns ausnahmsweise nicht im Café Bilderbuch, sondern im auch typografisch besonders wertvollen Prater Biergarten im Prenzlauer Berg.

Bei schlechtem Wetter kann es eine kurzfristige Umplanung geben. Bitte checkt an diesem Tag sicherheitshalber noch mal eure Mails. Falls wir verlegen müssen, schicken wir einen weiteren Newsletter!

Schriftspaziergang in Mitte
Der Spielbus für im Sommer unterforderte Typokinder lädt im Vorgang unseres Stammtischs zu einem kleinen Stadtspaziergang: Florian Hardwig und Fritz Grögel führen auf einem Rundgang durch Berlin-Mitte, vorbei an Perlen und Säuen der Schrift-, Bau- und Begräbniskultur.

Der Schriftspaziergang startet um 16 Uhr und endet zwischen 18 und 19 Uhr. Kosten tut es nix, aber ihr könnt dem Typostammtisch gerne etwas spenden. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 limitiert, die Plätze werden nach dem Prinzip „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ vergeben. Der genaue Treffpunkt wird dann per Mail bekannt gegeben.

Wann? Am Donnerstag, den 25. August um 19 Uhr.
Wo? Prater Biergarten, Kastanienallee 7 – 9, 10435 Berlin

U-Bahn: Linie U2 bis Eberswalder Straße
Tram: M1/M10/12 bis Eberswalder Straße

Bis dahin euch allen eine gute Zeit,
euer Typostammtisch-Team

Typografische Empfehlung des Hauses:
Noch bis 29. August zeigt das Museum der Dinge in Berlin-Kreuzberg die Ausstellung Masse und Klasse. Gebrauchsgrafik in der DDR mit vielen Plakaten, Büchern, Verpackungen, Zeitschriften, und Buchstaben von Gert Wunderlich und Axel Bertram.

Die Titelzeile ist in der Triplex Italic von A.V. Hershey gesetzt. Diese frühe digitale (kurvenlose) Schrift wird derzeit von Frank Grießhammer gemeinsam mit den anderen „Hershey Fonts“ als OpenType-Schriften wiederbelebt.
Das Titelbild zeigt einen Ausschnitt einer Karte Berlins vom August 1908, die sich in Besitz der Zentral- und Landesbibliothek Berlin befindet.

28.07.2016: Viktoriya Grabowska

58_ViktoriyaLetzen Monat war mit Henning Krause ein alter Bekannter der Berliner Typo-Szene bei uns zu Gast; diesmal freuen wir uns, ein noch recht neues Gesicht präsentieren zu dürfen.

Viktoriya Grabowska ist aber bei weitem keine Unbekannte. Aufgewachsen auf der Halbinsel Krim in der Ukraine, lebt und arbeitet sie als freischaffende Grafikdesignerin und Schriftgestalterin in der Nähe von Poznań in Polen. Neben ihrer Arbeit mit unterschiedlichen Designern und Schriftherstellern wie Sorkin Type, Darden Studio, Lineto und Rosetta Type unterrichtet sie in Poznań an der University of Arts und an der School of Form. In ihren Projekten lotet sie die Grenzen von Lesbarkeit aus und spielt mit verschiedenen ideologischen und historischen Ursprüngen.

Neben expressiven Display-Schriften mit starkem Schreibschriftcharakter – Paradebeispiele sind die von gebrochener Schrift inspirierte Fruktur und die kopflastige Kavoon – gilt ihr Hauptinteresse nicht-lateinischen Schriftsystemen. Erst kürzlich erarbeitete sie die kyrillische Version für die von Cornel Windlin gestaltete Alpha Headline für das Corporate Design des Fernsehsenders »Eurosport«.

Der Vortrag ist auf Englisch.

Wann? Am Donnerstag, den 28. Juli um 19 Uhr.
Wo? Im Café Bilderbuch, Akazienstraße 28, 10823 Berlin

U-Bahn: Linie U7 bis Eisenacher Straße
S-Bahn: Linie S1 bis Julius-Leber-Brücke
Bus: M48/M85/106/187/204 bis Kaiser-Wilhelm-Platz

Bis dahin euch allen eine gute Zeit,
euer Typostammtisch-Team

Noch ein paar aktuelle Schrift-Events in Berlin:
Vom 21. bis 24. Juli findet der alljährliche Rundgang der UdK Berlin statt, am 22. und 23. Juli werden auch an der FH Potsdam die Arbeiten der Studierenden gezeigt. Eine Woche später öffnet die HTW Berlin für ihre Werkschau die Türen. Gleichzeitig starten am 29. Juli – erstmalig und kostenlos! – die Berlin Type School Away-Days. Unter dem Titel „Gerade – Design und soziale Verantwortung“ finden Anfang September die 17. Tage der Typografie in Berlin-Wannsee statt.

Die Titelzeile wurde in der Rymex von Viktoria Grabowska gesetzt, die demnächst bei Rosetta Type erscheint und ihre Ursprünge in der Workshop-Reihe Ala has a pen hat. Das Titelbild zeigt Skizzen des Projekts.

Nachbericht Typostammtisch #57: Localize it, Henning Krause

Die meisten Menschen wundern sich darüber, dass es wiederum andere Menschen gibt, die sich ausschließlich mit Schrift beschäftigen. Vermutlich wundern sich manche noch mehr, dass es sogar Menschen gibt, die Schriften produzieren – denn schließlich ist Schrift doch einfach da.

Lokale Unterschiede in der Schreibweise von Buchstaben sind auch einfach da. Soweit kein Thema, wenn die entsprechenden regionalen Unterschiede ausschließlich mit Hand aufs Papier gebracht werden. Doch wie sieht es aus, wenn man einen Computer benutzen möchte? Was passiert, wenn dieser auch noch Zugang zum Internet hat und ich damit einen elektronischen Brief verfassen will? Was passiert, wenn ich eine Textdatei verschicke, die jemand tausende Kilometer weiter auf einem anderen Kontinent mit einer anderen Schrift öffnet? Wie verhält sich der Text in der Mail? Andere Region? Andere Spachen? Anderes Encoding?

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Stammtischbesucher Gunnar Bittersmann im Gespräch mit Henning Krause

Henning sprach hierbei nicht über die unterschiedliche Gestaltung von Buchstaben (das sei eine weitere Präsentation) – heute wolle er sich auf die Technik konzentrieren. Wer die Vorträge vom Amelie Bonet und Jan Charvát auf den TypoLabs verpasst hat, wird sich nun doppelt über die Zusammenfassung von Henning gefreut haben. In seinem Vortrag ist wunderbar deutlich geworden, dass er mit seinem Team die großartige Chance hat, „das richtige zu tun“, um es in seinen Worten zu sagen. Mit der Avenir Next will er mit seinem Team ein Belegexemplar entwickeln, wie in Zukunft mit lokalen Alternativen technisch umgegangen werden kann. Hierzu soll es ein Whitepaper geben, das nicht in den Tiefen Monotypes versteckt bleibt, sondern öffenltich gemacht werden und damit uns allen zugute kommen soll.

Besonders faszinierend fanden wir die enorme Energie und Leidenschaft, die – in Hennings Fall – hinter dem Thema steckt: Diverse berufliche und private Reisen. Gelder für regionale Spezialisten freigegeben. Linguisten befragen. Umfangreiche Recherchen, die dazu führen, dass in enger Zusammenarbeit mit dem Unicode-Konsortium bisherige regionale Standards überdacht und gegebenenfalls erweitert werden.

In der anschließenden Diskussion (die dieses Mal ausgesprchen lange und intensiv geführt wurde) ging es dann noch über die lokalen Gegebenheiten hinaus. Der Wechsel von alten Font-Standards, „combing marks“ und Unicode-Anträge kamen zur Sprache, ebenso Ängste und Notwendigkeiten im Zusammenhang mit den aktuellen Entwicklungen und neuen Standards, aber auch, wie wünschenswert eine gute Kommunikation zwischen Font- und Software-Herstellern wäre.

Vielen Dank an Henning Kause! Wir freuen uns auf die angekündigte Dokumentation, das Whitepaper von Monotype zum Thema Localisation.

30.06.2016: Henning Krause

57_HenningKrause TitelDiesen Monat möchten wir euch zu einem weiteren speziellen Vortrag begrüßen. Es geht um lokalisierte, regionalisierte Versionen von Fonts – um die komplexe Technik dahinter, aber auch um Märkte und um die kulturelle Tragweite.

Henning Krause: Localize it & Capital Change RMX

Lokalisierte Formen von Sprachen und deren schriftlicher Darstellung erfahren weltweit wachsendes Interesse. Für diese Entwicklung erarbeitet Henning Krauses Team bei Monotype „lokalisierte“ Glyphenvarianten im Kyrillischen (zum Bespiel Bulgarisch oder Serbisch), im Georgischen und sogar in indischen Skripten. In Abstimmung mit Type Designern aus den jeweiligen Ländern überarbeitet Monotype kontinuierlich die Produktionsstandards.

Zur Einstimmung möchten wir kurz vom Typofest in Bulgarien berichten, wo auch Henning zu den geladenen Sprechern zählte. Mit seiner Präsentation bietet er eine Art Remix der Talks von Amélie BonetJan Charvát und Akaki Razmadze, die im Mai 2016 auf den ersten TYPO Labs vorgetragen wurden. Ursprünglich Kommunikationsdesigner, hat er bei FontShop viele Custom-Type-Projekte betreut und ist seit 2013 unter dem Monotype-Dach weiter für die Font Production verantwortlich (eurasische Custom Fonts und Library Production, ohne FontFonts). Privat entspannt sich Henning auf dem Rennrad und zwischen Plattentellern. Wir freuen uns auf anregende Gespräche mit ihm und euch!

Wann? Am Donnerstag, den 30. Juni um 19 Uhr.
Wo? Im Café Bilderbuch, Akazienstraße 28, 10823 Berlin (Beletage, 1. OG)

U-Bahn: Linie U7 bis Eisenacher Straße
S-Bahn: Linie S1 bis Julius-Leber-Brücke
Bus: M48/M85/106/187/204 bis Kaiser-Wilhelm-Platz

Bis dahin euch allen eine gute Zeit,
euer Typostammtisch-Team

Noch ein paar Schrift-Events, die zur Zeit stattfinden:

Bis 26. Juni ist im Kulturforum am Potsdamer Platz die Ausstellung 100 beste Plakate 15 Deutschland Österreich Schweiz zu sehen. Schon am 25. und 26. Juni findet in Berlin-Neukölln das E-Book-Festival statt. Es folgen die Berlin Type School Away-Days 2016: Am 29. und 30. Juli stellt die Berlin Type School zusammen mit dem UdK TypoLabor ein freies Festival für Typografie und Schriftgestaltung auf die Beine – Details und Sprecherankündigungen via Twitter! Am kommenden Dienstag, den 5. Juli präsentiert in der Reihe zur „Materialität von Schriftlichkeit“ an der HU Uwe Warnke (Uwe Warnke Verlag) seinen legendären „ENTWERTER/ODER und die Folgen: vom ,Zeitschriftenunwesen‘ zur Buchkunst im DDR-Untergrund“. Wärmste Empfehlung! Anmeldung und Adresse hier.

Die Titelzeile wurde in der Gimlet von David Jonathan Ross, die auf  Georg Trumps Schadow basiert, gesetzt. Das Titelbild (aus Sofia, Bulgarien) stammt von Sonja Knecht.

 

26.05.16: Stammtisch-Stammtisch

TST-20160225-Sonja-Knecht-3-59836Wir haben zwar erst Mitte Mai, doch kann man schon jetzt mit Sicherheit sagen, dass dies so ziemlich der aufregendste Monat des Jahres ist.

Font Engineers, Typo-Techniker, Tool- und Software-Begeisterte aus aller Welt fanden sich erstmalig zu den TYPO Labs zusammen, um sich über den aktuellen Stand in Sachen Schriftproduktion auszutauschen. Hier traf sich alles was Rang und Namen hat in der technischen Entwicklung rund um Schriftgestaltung. Im direkten Anschluss öffneten sich die Türen der weltweit größten Konferenz für Typografie und Design: TYPO time! Inspiriert und motiviert durch die internationalen Besucher, durch zahlreiche Vorträge, Workshops und Abendveranstaltungen freuen wir uns nun auf den gemeinsamen Austausch im Café Bilderbuch: Was waren eure Highlights, was ist euch aufgefallen, was hat euch nicht gefallen?

Mit diesen Fragen kehren wir ein zweites Mal in diesem Jahr zurück zur Grundidee des Typostammtisches: mit netten Menschen sich fachlich austauschen. Wir treffen uns einfach zum Quatschen, Sachen zeigen, und unterhalten uns über Neues aus der Branche. Bernd Volmer bringt seinen Pen Plotter mit (nach seinem Pecha-Kucha-Vortrag „Mensch Maschine“ im März freuen wir uns sehr darüber, die Maschine in Aktion zu sehen). Thomas Maier schließt sich an und wird uns mit seiner Scriber-Sammlung beglücken. Wir freuen uns aber auch über alle spontan mitgebrachten Arbeiten, die noch im Prozess, vielleicht nur eine vage Idee oder vielleicht schon kurz vor der Fertigstellung sind. Bringt einfach mit, was ihr zeigen möchtet!

Bis dahin euch allen eine gute Zeit,
euer Typostammtisch-Team

 

Wann? Am Donnerstag, den 26. Mai um 19 Uhr.
Wo? Im Café Bilderbuch, Akazienstraße 28, 10823 Berlin.

U-Bahn: Linie U7 bis Eisenacher Straße
S-Bahn: Linie S1 bis Julius-Leber-Brücke
Bus: M48/M85/106/187/204 bis Kaiser-Wilhelm-Platz

 

In der nächsten Zeit finden unter anderem diese empfehlenswerten typografischen Veranstaltungen in und um Berlin statt:

Noch bis 3. Juni 2016 zeigt die ver.di MedienGalerie die Ausstellung Bleilettern aus Kreuzberg erobern die Welt, die sich mit der Geschichte der Berliner H. Bertold Schriftgießerei beschäftigt.
Unter dem Titel Transformationen des Buchdrucks findet im Zentrallabor des Exzellenzclusters Bild Wissen Gestaltung am 9. und 10. Juni 2016 eine Konferenz statt.
Beim dritten Walbaum-Wochenende in Weimar widmen sich an zwei Tagen Vorträge und Workshops dem Thema DDR-Alltagsschrift, mit dabei die Typostammgäste Fritz Grögel und Andreas Frohloff.

Die Titelzeile ist in der Azote von Thomas Jockin gesetzt, der in New York City den Type Thursday organisiert.
Das Titelbild stammt von Sonja Knecht.

Nachbericht Typostammtisch #55: Schriften vom Fließband

Ellmer Stefan beim Typostammtisch Berlin

Letzten Donnerstag hatten wir die Ehre, dass Ellmer Stefan extra für unseren Berliner Typostammtisch aus Oslo angereist ist. Sein Vortrag „Typographiegeschichtliches Würgen“ bzw. „Type history’s gag reflex“ war eine sehr intelligente Komposition aus historischem Wissen, systematischem Gestalten und philosophischem Denken, gestützt durch eine angenehme Selbstironie.

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Ellmer Stefan (er nennt sich so herum) auf dem Typostammtisch Berlin, April 2016 (Photo Norman Posselt)
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Ellmer Stefan bannt das Typostammtisch-Publikum mit seinem intensiven Vortrag (Photo Norman Posselt)

Angelehnt an ästhetische Schriftvorbilder und Produktionsverfahren aus dem 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der beginnenden industriellen Revolution, produziert Ellmer Stefan Schriften im Wochentakt: enorm großzügige Produktivität, ein überzeugendes Gesamtkonzept mit tollen Ergebnissen und klugen Gedanken.

Sein Vortag war extrem erfrischend und motivierend; um es in Stefans Worten auszudrücken, es war mannigfaltig. Wir saßen noch lange zusammen und haben weiterdiskutiert. Gespannt verfolgen wir, wie sich sein Projekt im Laufe des Jahres weiterentwickeln wird und welche Erkenntnis/se er erfährt …

Großen Dank an Ellmer Stefan und an die vermutlich kleinste Type Foundry der Welt, die alles in allem in einen Rucksack passt, The Pyte Foundry.

Ellmer Stefan & The Pyte Foundry 3

Tipp: Verfolgt Ellmer Stefans wöchentliche Schrift-Veröffentlichungen auf Twitter und/oder seiner Website. Jeweils ab Erscheinen montags sind sie bis zum Ende der Woche kostenlos herunterzuladen – und dann nicht mehr erhältlich. Aktuell ist dort die 18. Veröffentlichung verfügbar, die passenderweise „Perdu“ heißt. Es gibt bereits leidenschaftliche Sammler wie Nick Sherman und Florian Hardwig … und es wird sicher nicht das letzte Mal sein, dass wir vom „Innovantiquarian Typopoet“ hören!

Ellmer Stefan & The Pyte Foundry 1
Ellmer Stefan kurz vor der Abreise im Garten bei LucasFonts, wo er für seinen Berlin-Besuch eine blumige Bleibe gefunden hatte (vielen Dank noch mal an Lucas für das Gästezimmer!).

Titelfoto und Beitragsbilder in Schwarzweiß von Norman Posselt, Gartenbilder Sonja Knecht

 

28.04.16: Ellmer Stefan

The Pyte FoundryZuletzt durften wir neun abwechslungsreichen Vorträgen lauschen; nächsten Donnerstag haben wir, ganz klassisch, einen einzelnen Sprecher zu Gast: Der Grafikdesigner und Schriftgestalter Ellmer Stefan wird uns einen Einblick in seine Denk- und Arbeitsweise geben. Er selbst bezeichnet sie als „Type history’s gag reflex“.

Mit Johannes Lang arbeitete er an den geschichtlich verankerten Schriftprojekten Brevier Viennese und Stencil-Gothic. Doch auch auf eigene Faust sorgt Ellmer für Aufsehen: 2014 erschien bei TypeTogether seine Essay Text, die zum Dauergast auf Bestenlisten und mehrfach ausgezeichnet wurde. Seit Anfang 2016 betreibt Ellmer The Pyte Foundry. Dort veröffentlich er jeden Montag (!) eine Displayschrift, die dann für eine Woche kostenlos heruntergeladen werden kann. Was für manche nach einem schnöden Free-Font-Abo klingt ist vielmehr eine umfangreich recherchierte Hommage an die typografische Vielfalt des 19. Jahrhunderts.

Wann? Am Donnerstag, den 28. April um 19 Uhr.
Wo? Im 1. OG (Beletage) des Café Bilderbuch, Akazienstraße 28, 10823 Berlin

U-Bahn: Linie U7 bis Eisenacher Straße
S-Bahn: Linie S1 bis Julius-Leber-Brücke
Bus: M48/M85/106/187/204 bis Kaiser-Wilhelm-Platz

Bis dahin,
euer Typostammtisch-Team

 

Auch dieses Mal möchten wir ein paar typografische Köstlichkeiten hervorheben:

Bei den Kalligrafie- und Lettering-Profis von Make Skilled Hands findet im Mai ein Workshop zum Stil von Rudolf Kochs Neuland statt. Nach einem erfolgreich abgeschlossenen Umzug bietet das Buchstabenmuseum immer Freitags  13–17 Uhr Lagerbesichtigungen in den neuen Räumlichkeiten an.
Die von den Gestaltern Fons Hickmann und Sven Lindhorst-Emme kuratierte Ausstellung Anschlag Berlin – Zeitgeistmedium Plakat ist ab 13. Mai im Direktorenhaus zu sehen.

Die Titelzeile ist in der Symptom von Ellmer Stefan (The Pyte Foundry) gesetzt, das Titelbild stammt ebenfalls von ihm.

Nachbericht Typostammtisch #54 oder Ein Abend (wie) aus dem Bilderbuch

Wie schon beim Jahresauftakt im Januar möchten wir auch diesmal die Gelegenheit nutzen und den letzten Typostammtisch Revue passieren lassen.

Vergangenen Donnerstag konnten wir ungefähr 84 Gäste im Café Bilderbuch begrüßen, die unserer Einladung zum – Besserwissende mögen mich bitte korrigieren — mittlerweile fünften Pecha-Kucha-Abend gefolgt sind. Für ein abwechslungsreiches Programm sorgten insgesamt zehn neun Vortragende, die uns an ihren Projekten, Arbeiten und Erfahrungen teilhaben ließen. Zu sehen gab es gemalte, handgeschriebene, parametrische, exotische, panische, retrofuturistische oder ornamentale Schrift, gepaart mit wissenswerten Einblicken und Anekdoten von ihren Macherinnen und Entdeckern.

Friedrich Althausen – „Nummer 23“
Friedrich Althausen – Nummer 23
Friedrich Althausen, freischaffender Typograf und Schriftgestalter, nahm uns mit auf eine Reise nach Caputh, wo es neben dem Schloss dank ihm nun auch schöne Hausnummern zu bewundern gibt.

Jenny Baese – „N punkt n punkt“Jenny Baese O.T.
Auch mit Jenny unternahmen wir einen kleinen Spaziergang. Das Ziel lag diesmal etwas weiter südlich, genauer genommen in Äthiopien, wo sie verschiedenste, meistens in Fidel geschriebene Alltagstypografie fotografisch festhielt.

Sonja Knecht – „Mopsdiebstahl oder Text in Not“Sonja Knecht – Mopsdiebstahl oder Text in Not
Schrift ist im urbanen Raum allgegenwärtig. Sonjas Fokus liegt jedoch nicht auf Leuchtbuchstaben oder Leitsystemen, sondern auf schriftlicher Kommunikation, die in der Not entstand. Sie ließ uns an ihrem analytischen Texterinnenblick teilhaben und führte uns unterhaltsam durch ihren Fundus aus textgewordenem Schmerz, Verlust und Hoffnung.

Thomas Maier – „Muster und Ornamente“Thomas Mayer – Muster und Ornamente
Spannende historische Beispiele der unterschiedlichsten Art kramte Thomas aus seiner reichhaltigen Sammlung hervor. Er ging unter anderem auf Muster für Wände, Fußböden, Reklame und Vorsatzpapier und deren Herstellungstechniken ein. Und am Schluss ging es dann doch noch irgendwie um Schrift.

Ulrike Rausch – „Handschriften mit Hand und Fuß“Ulrike Rausch Handschriften mit Hand und Fuß
Digitale Schriften mit handgemachtem Charakter sind Ulrike Rauschs Spezialgebiet. Einen wichtigen Beitrag leisten dabei umfangreiche Opentype-Features, die auch im Beyond Font und in ihrer neuesten Schrift – die Typostammtischbesucher erhielten eine exklusive visuelle Kostprobe – zum Einsatz kommen.

Petra Rüth – „Ansichten – handgeschriebene Schriftenposter“Petra Rüth ANSICHTEN Neudörffer
Einen Einblick in die Entwicklung und Dokumentation der geschriebenen Schrift gab uns Petra Rüth. Eine der Vorlagen war die erste Seite von „Anweysung einer gemeinen Handschrift“ von Johann Neudörffer d. Ä. aus dem Jahr 1538, die gleichzeitig auch ihre Lieblingsseite ist.

Aleksandra Samuļenkova – „Pilot: a narrow typeface for a wide audience“Aleksandra Samulenkova – Pilot
Pilot“ begann als Aleksandras Abschlussprojekt im Type and Media Kurs an der KABK Den Haag. In den letzten Jahren hat sie die Schrift stetig weiterentwickelt und überarbeitet, demnächst erscheint sie bei Bold Monday. Wer nicht so lange warten will, dem seien die Pilot Black Italic Caps in 24pt ans Herz gelegt, die bei Swamp Press erworben werden können.

Ferdinand Ulrich – „20 bemerkenswerte Schriften aus der Werkstatt p98a“Ferdinand Ulrich – 20 bemerkenswerte Schriften aus der Werkstatt p98a
In den zwei Jahren ihres Bestehens hat die Galerie p98a von Erik Spiekermann bereits jede Menge Schriften aus Holz, Blei und Plakadur gesammelt. Ferdinand stellte nun eine Auswahl von 20 der bemerkenswertesten vor. Neben Altbekannten wie der Akzidenz Grotesk und der auf dem 33. Typostammtisch vorgestellten Hunt Roman zeigte er auch eher unbekannte Schatten- und „Würstchenschriften“.

Bernd Volmer – „Mensch Maschine“Bernd Volmer – Mensch Maschine
Bernd zeigte uns seine Penplotter-Sammlung und ließ uns auch an seinen Überlegungen teilhaben, wie ein solches Gerät mithilfe von Robofont-Extensions, maßgeschneiderten Buchstabenskeletten und experimentellen Schreibwerkzeugen benutzt und immer wieder neu entdeckt werden kann. Mit anderen Worten: „Wir sind auf alles programmiert, und was du willst wird ausgeführt.“

Wir bedanken uns bei allen Vortragenden und Gästen für den sehr gelungenen Abend!

Besonders gefreut hat uns auch der Besuch von Leuten außerhalb des Schriftenkosmos’, wie zum Beispiel Michael Schmitz von „Smarter German“, der uns sogar lobend erwähnt in seinem April-Newsletter und von detailverliebten Menschen mit angenehmem Humor spricht, aber hört selbst:

 

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und gerne selbst einmal „aktiv“ an einem zukünftigen Typostammtisch teilnehmen möchte – egal ob 6:40 Minuten oder über die volle Distanz – kann sich jederzeit gerne persönlich oder per Mail mit uns in Verbindung setzen. Wir freuen uns auf spannende Vorschläge.

Der nächste Typostammtisch findet am 28. April 2016 wieder im Café Bilderbuch statt. Diesmal haben wir Ellmer Stefan von The Pyte Foundry aus Oslo bei uns zu Gast.

31.03.16: Pecha-Kucha-Abend

54. Berliner Typostammtisch

Im März widmen wir uns wieder einem inzwischen schon traditionell gewordenen Typostammtisch-Format: dem Pecha-Kucha-Abend.

In exakt 6 Minuten und 40 Sekunden — wie zuletzt beim Fünfzigsten — stellen uns insgesamt 10 Vortragende leidenschaftlich Themen vor, die sie bewegen. Die inhaltliche Bandbreite reicht dabei von Handgeschriebenem, Maschinellem, Dekorativem und Angewendetem bis hin zu Mysteriösem, es ist auf jeden Fall für jeden etwas dabei. An dieser Stelle auch schon mal ein herzliches Dankeschön an alle, die uns an ihren Ideen, Projekten und Geschichten teilhaben lassen.

Es freut uns ganz besonders, dass sich neben ein paar alten erfahrenen Hasen auch mehrere neue Stimmen und Gesichter der Herausforderung stellen.

In den Ring gegen die erbarmungslosen, nach 20 Sekunden automatisch weiterschaltenden Folien steigen diesmal:

  • Friedrich Althausen „Nummer 23“
  • Jenny Baese „N punkt n punkt“
  • Florian Hardwig „5 Jahre Fonts In Use“
  • Sonja Knecht „Mopsdiebstahl oder Text in Not“
  • Thomas Maier „Muster und Ornamente“
  • Ulrike Rausch „Handschriften mit Hand und Fuß“
  • Petra Rüth „Ansichten – handgeschriebene Schriftenposter“
  • Aleksandra Samuļenkova „Pilot: a narrow typeface for a wide audience“
  • Ferdinand Ulrich „20 bemerkenswerte Schriften aus der Werkstatt p98a“
  • Bernd Volmer „Mensch Maschine“

Wann? Am Donnerstag, den 31. März um 19 Uhr.
Wo? Im 1. OG (Beletage) des Café Bilderbuch, Akazienstraße 28, 10823 Berlin

U-Bahn: Linie U7 bis Eisenacher Straße
S-Bahn: Linie S1 bis Julius-Leber-Brücke
Bus: M48/M85/106/187/204 bis Kaiser-Wilhelm-Platz

Bis dahin,
euer Typostammtisch-Team

Neben dem Stammtisch gibt es viele weitere schriftbezogene Veranstaltungen in und um Berlin, von denen wir euch folgende Auswahl ans Herz legen:
Die 22. Leipziger Typotage werden Ende April vom Museum für Druckkunst in Leipzig veranstaltet. Am jeweils ersten Dienstag im Monat lädt die Staatsbibliothek Berlin zur Reihe „Materialität von Schriftlichkeit“ im Rahmen ihrer Wissenswerkstatt, diesmal dreht sich alles um den frühen Buchdruck im Arabischen Raum. Das Museum der Dinge in Berlin-Kreuzberg zeigt derzeit eine spannende Ausstellung zum Thema Masse und Klasse. Gebrauchsgrafik in der DDR mit jeder Menge Plakaten, Büchern, Verpackungen, Zeitschriften, aber auch Buchstaben von Gert Wunderlich und Axel Bertram.

Die Titelzeile wurde in dem Bold-Schnitt der Fabrikat von Christoph Koeberlin und Hannes von Döhren (HVD Fonts) gesetzt. Das Titelbild zeigt Ziffern, die von Christoph exklusiv für die Trikots des 1.FC Kaiserslautern gestaltet wurden.

25.02.16: Stammtisch-Stammtisch

Herzlich Willkommen beim TypostammtischNach unserem fulminanten Jahresauftakt machen wir es uns gemütlich.

Der kommende Typostammtisch wird ein „Stammtisch-Stammtisch“:
Wir treffen uns einfach so, zum Plaudern, Sachen zeigen,
um uns über Neuigkeiten aus der Branche auszutauschen.

Wer möchte, bringt etwas mit: laufende Arbeiten, Fragen, Bücher? Wir legen aktuelle Neuerscheinungen wie 365typo, Yearbook of Type und Czech Type zur Ansicht bereit.

Freut euch auf unsere neue Location! 

Nach Jahren im Max & Moritz in Kreuzberg – an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank – wechseln wir ins Café Bilderbuch nach Schöneberg. Die Beletage dort im ersten Stock bietet mehr Platz und hat sogar eine kleine Bühne.

Wichtig: Den Getränkeverkauf haben wir dort in „unserem“ Raum, Speisen leider nicht.
Das heißt, wer Hunger hat, isst bitte vorher oder unten im Café: sehr lecker!
Wir haben schon mal vorgekostet … Melanie und ihr Team freuen sich auf uns.

Wann? Am Donnerstag, den 25. Februar um 19 Uhr.
Wo? Im 1. OG (Beletage) des Café Bilderbuch, Akazienstraße 28, 10823 Berlin

U-Bahn: Linie U7 bis Eisenacher Straße
S-Bahn: Linie S1 bis Julius-Leber-Brücke
Bus: M48/M85/106/187/204 bis Kaiser-Wilhelm-Platz
Bis dahin, euer Typostammtisch-Team

Die Titelzeile wurde aus der Cobalte von Jean-Baptiste Levée (Production Type) gesetzt.