29.02.2024: Savva Terentyev & Mark van Leeuwen

Scroll down for english version.

Wir starten mit gleich zwei spannenden Vorträgen ins neue Jahr:

Savva Terentyev teilt mit uns seine Einblicke in die Geschichte der Musiktypografie und erzählt uns, worauf zu achten ist, wenn man gut Noten setzen will und worauf Schriftgestalter·innen ihr Augenmerk legen können, um passende Noten für Textschriften zu gestalten.

Mark van Leeuwen ist Lettering Artist und Type Designer. Sein Talent für Schrift und sein besonderer Blick auf Buchstabenformen haben ihm die Türen zu vielen tollen Projekten geöffnet. Von ihm werden wir an diesem Abend über seine Arbeit und seine Herangehensweise lernen.

Erster Vortrag in englischer, zweiter in deutscher Sprache.

Wann? Donnerstag, den 29. Februar, Beginn 19:00 Uhr, Einlass 18:30; Eintritt frei
Wo? Eisenacher Straße 56, im Studio von LucasFonts, 2. Hinterhof, 10823 Berlin-Schöneberg

Bis dahin,
euer Typostammtisch-Team

We are starting the new year with two exciting lectures:

Savva Terentyev shares with us his insights into the history of musical typography and tells us what to pay attention to if you want to set notes well and what type designers can take into account in order to create good-looking notes for text fonts.

Mark van Leeuwen is a lettering artist and type designer. His talent for type and his special eye for letter shapes have opened the doors to many great projects. We will learn from him this evening about his work and his approach when it comes to letter design.

First lecture in English, second in German.

On Thursday February 29 at 7 p.m. at LucasFonts, Eisenacher Straße 56, 10823 Berlin.


Am 5.3. findet die Veranstaltung Indie Stabi – unabhängige Verlage stellen sich vor. avant-verlag trifft Jaja Verlag in der Staatsbibliothek zu Berlin statt. Einen Ausflug nach Münster ist am 8.3. FURE Future of Reading wert. Berlin Letters wird vom 5. bis 7.7. stattfinden, Tickets sind bald verfügbar, darauf werden wir später in unseren Veranstaltungstips hinweisen.


Die Titelzeile ist in der Aespira von Marc van Leeuwen gesetzt.

Nachbericht 109. Typostammtisch: Typostammquiz 2023 zum Nachraten

Wenn ihr nicht dabei sein konntet, weil ihr

a) die Büroweihnachtsfeier nicht schwänzen konntet (oder wolltet),
b) eure fiese Erkältung im Bett auskurieren musstet,
c) euch bei angekündigtem S-Bahnstreik den nächtlichen Rückweg nicht antun wolltet,
d) einen anderen Grund hattet,

… haben wir einen besonderen Service für euch: Das Quiz erstmals zum Nachraten! Schließlich ist Weihnachten das Fest der Nächstenliebe – und des typografischen Erkenntnisgewinns.

Um euch in die richtige Ratestimmung zu versetzen, geben wir euch vorab noch etwas visuellen Kontext. Gemütlich war’s bei LucasFonts; mit Knabbereien auf den Tischen, dampfendem Glühweintopf an der Bar und flauschigem Schummerlicht.

6 Teams finden sich nach dem Losprinzip zusammen und nehmen Platz. Aus dem allgemeinen Gemurmel tönt es: „Gruppe f zum Dopingtest!“

Die Fragen haben Andreas Frohloff als Vertreter der letztjährigen Gewinnergruppe, sowie ergänzend Anja Meiners und Stefan Pabst vom Typostammtisch-Team vorbereitet – last minute sozusagen, denn die Krankheitswelle machte weder vor Team Fragen noch vor Team Typostammtisch halt. Einen Quizausfall allerdings wollten alle Beteiligten vermeiden.

Und hier kommen sie nun, 25 Vorrunden- und 6 1/2 Finalfragen, für euch interaktiv aufbereitet. Nur Punkte zählen müsst ihr selbst. Also schnappt euch eure liebsten Kolleginnen und Kollegen oder klickt euch alleine durch (Klick auf die gelbe Frage öffnet die grüne Antwort, dann keinesfalls auf den Pfeil nach rechts klicken, sondern Pop-Up wieder schließen – sonst Spoiler). Viel Spaß!

Continue reading „Nachbericht 109. Typostammtisch: Typostammquiz 2023 zum Nachraten“

Nachbericht 108. Typostammtisch: Verlagsabend

Books, Books, Baby! Der erste Verlagsabend in der an tollen Abenden nicht eben armen Geschichte des Typostammtischs Berlin war besonders beglückend. Im Vorfeld hatten wir Kontakt zu einigen Independent-Verlagen, vornehmlich Literaturverlagen, und vorrangig ansässig in Berlin. Nun durften wir namhafte Verleger·innen und eine Künstlerin-Grafikdesignerin live begrüßen: Am Hightech-Overhead-Projektor bzw. unserer Überkopf-Kamera blätterten sie sich und ihre Bücher auf (Grüße aus der Wortspielhölle). Dieserart bekamen wir fundiert Einblick in ihre typo-/grafische Arbeit, naturgemäß immer verbunden mit dem Inhalt. Form follows Content, denn die UX von Büchern ist Lesen. Anschauen und anfassen natürlich auch. Oft kamen die Gesamtmaterialitäten ins Spiel. Aber der Reihe nach. 

Bei Käsewürfeln und Kürbissuppe vorab – ihr wisst, „Speaker·innen·dinner“ wird bei uns groß und immer mal wieder anders geschrieben – wurden wir warm miteinander. Im Gespräch kommen wir auf Lyrik-Wrestling, Schachboxen und die Surfpoeten. Büchertisch belegen, Porträtfotos machen, und los. Der Saal füllt sich. 

In Abwesenheit: Trottoir Noir und Ritter Verlag

Moderatorin Sonja Knecht macht selbst den Auftakt, denn Marcel Raabe von Trottoir Noir, Leipzig, in Personalunion Verleger und Autor, liest zeitgleich in Erfurt. Er hatte vorab Bücher und Verlagsmaterial geschickt – ebenso wie Franziska Füchsl, Gestalterin des bei ihm 2021 erschienenen, von Clemens Böckmann herausgegebenen Gedichtbandes Alvaro Maderholz, Springer_Innen („ein kleines Juwel abseits des Bekannten“, so ein Rezensent der FAZ; hier geht es zur Rezensionsnotiz beim Perlentaucher). Vorab kam Franziska Füchsl zum Kennenlernen, dann wurde sie krank – hatte uns aber als persönliche Gastgabe, denn auch sie ist Autorin, ihr Buch Tagwan mitgebracht. Es erschien im Ritter Verlag, Klagenfurt 2020. Hier eine Rezension in der NZZ.

Damit all diese Liebevolligkeit nicht verpufft, stellt Sonja die beiden Bücher dennoch vor, oder anders: schwärmt hemmungslos für die Inhalte und überhaupt für die Tatsache ihrer Herausgabe (vom Maderholz-Bändchen) sowie für den sprachlichen Formwillen, ergo Gesamtgestaltung (Tagwan von Füchsl). Bei Springer_Innen geht es um die Poesie des Skispringens, von einem, der selbst Skispringer war. Der Band ist garniert mit der berührenden Geschichte von Eddie the Eagle, einer ebenso solitären Gestalt wie Autor Alvaro Maderholz; das Vorsatzpapier mit Zeichnungen einer DDR-Briefmarken-Sonderedition zum Skispringen. Sieht toll aus. „Sieht komisch aus mit der Hand. Vor allem, wenn sie so zittert“, kommentiert Sonja den Bildausschnitt der Überkopf-Kamera, die Buch und Hand an die Wand projiziert. Die Aufregung. Schaut euch den schönen Band und überhaupt das Programm von Marcel Raabe, Trottoir Noir an; er operiert unter dem schönen Stichwort Aufzeichnungssysteme.

Für den kompakten, schlicht in Grau gepackten Gedichtband nutzt Gestalterin Franziska Füchsl die Schriften Livory von Hannes von Döhren und Livius Dietzel sowie Moncler Ultra Light von David Súid. Bei ihrem eigenen Buch Tagwan ist selbst die Anmerkung zur Typografie lyrisch – Füchsl nutzt eine Sprache, die mit regionalen Eigenheiten und Dialektwörtern spielt, und spricht etwa von den „gloschenen Unregelmäßigkeiten“ der Centaur, entworfen von Bruce Rogers nach Schriften von Nicolas Jenson aus dem 15. Jahrhundert und erstmals verwendet 1915 für Maurice de Guérins Text Le Centaur. Große Leseempfehlung für alle, die eine experimentelle, sinnliche, sehr körperliche Sprache lieben oder kennenlernen möchten: Es handelt sich bei Tagwan auf den ersten Eindruck um einen verrätselt wirkenden Prosatext voller Bilder und Sinneseindrücke, dessen einzelne Episoden sich im Weiterlesen zu einem biografischen Bericht zusammenfügen. Füchsl beschreibt Wahrnehmungen, die uns Handlungen und Ereignisse erahnen und an eigene Erlebnisse erinnern lassen: Tagwan von Franziska Füchsl. 

Dr. Rike Felka: Verlag Brinkmann + Bose

Zusammen mit Erich Brinkmann leitet Rike Felka den Verlag Brinkmann + Bose. Er ist für die Gestaltung verantwortlich, sie für Lektorat, Öffentlichkeitsarbeit, Übersetzung. Gemeinsam geben Brinkmann und Felka interdisziplinäre Theoriebücher (vornehmlich der Philosophie, Literatur-, Medien- und Filmwissenschaft) heraus. Was hier so trocken klingt, ist Legende – fortgeschrittene Leser·innen und Typografiebegeisterte erinnern sich. Der Berliner Verlag wurde 1980 von Günter Karl Bose und Erich Brinkmann gegründet und 15 Jahre gemeinsam geführt. Bose ging 1995 als Professor für Typografie an die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. 1998 stieg Rike Felka ein. Zum 30-jährigen Bestehen von Brinkmann + Bose gab es 2011/12 die Ausstellung Double Intensity im Museum für angewandte Kunst in Frankfurt am Main und ein gleichnamiges Begleitbuch, 32,5 × 23 cm, 169 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen aus der Geschichte des Verlages. Im Interview-Bericht in von hundert #33, FREIHEIT SPEZIAL (S. 6–10) von September 2019 spricht Rike Felka über die Wirkung von Büchern, ihre Haltung als Verlegerin und die abenteuerlichen, freien, in jeder Hinsicht selbst gestalteten Anfänge des Verlages in den 1980er Jahren im West-Berliner Mauer-Kreuzberg.

Rike Felka stellt uns zwei Brinkmann + Bose Bücher vor. Als erstes Das Telefonbuch der amerikanischen Autorin Avital Ronell, genauer gesagt, den Buchrücken. Dieser sei „auch dann noch sichtbar, wenn das Buch im Regal verschwindet“ und zeige symbolisch Kabel, Sender, Empfänger, Übertragung, Telefontechnik – die Themen des Buches. Dreht man das Buch um 180 Grad, erkennt man auch gelbe Seiten. Für Nachgeborene: Die Gelben Seiten, das war ein großes, sehr dickes, auf dünnes Papier gedrucktes Buch, herausgegeben von der Deutschen Post, dann der Deutschen Telekom, parallel zum Telefonbuch. Die Gelben Seiten enthielten in kleiner Schrift spaltenweise die Telefonnummern und sonstigen Kontaktangaben sowie Werbeanzeigen von gewerblichen Anbietern (das Telefonbuch die privaten). Zurück zum Telefonbuch von Brinkmann + Bose. Zum Einsatz kamen hier die Schriften Univers Extended von Adrian Frutiger, Dynamo von K. Sommer und Minimum von Pierre di Sciullo. Die breitlaufende Univers auf den Innenseiten wirke „wie an einem Faden aufgezogen“, so Rike Felka, und lässt damit erneut eine Telefonschnur assoziieren. Fettdrucke und Einschübe von kontrastierenden Schriftarten zeigten Störungen, Wackelkontakte, ein weiterer Verweis auf den Konnex von Form und Inhalt; das Cover erinnere an Industriedesign. Das Vorsatzpapier thematisiert das Erdtelefon von Joseph Beuys, ein Kunstprojekt von 1967. Kein Wunder, dass Das Telefonbuch, von Rike Felka selbst „fulminant übersetzt“, wie es in einer Rezensionsnotiz heißt, in seinem Erscheinungsjahr 2001 zu einem der Schönsten Deutschen Bücher gekürt wurde. 

Als zweites Buch von Brinkmann + Bose sehen wir Dem Archiv verschrieben von Jacques Derrida. Wieder der Buchrücken: Die Trajan von Carol Twombly bildet darauf eine Säule, indem sie umlaufend in den Falz übergeht. Im Regal wird diese Säule wieder fragmentiert, da man nicht alles von und auf dem Titel sieht. Als weitere Schrift kommt bei diesem Werk, einer „Abhandlung des Archivbegriffs für die Handtasche“, die Antique Olive von Roger Excoffon zum Einsatz. Auf den Innenseiten stehen verschachtelte Insert-Kästchen symbolisch für ineinander verschachtelte Gedanken und ihre Ausführungen bzw. bieten dafür mehrere Textebenen. An dieser Stelle gibt es Rückfragen aus dem Publikum zu den Abläufen im Verlag: Wie die Kooperation zwischen Autor· und Gestalter·in funktioniere? Autor Derrida habe ausgesprochen positiv reagiert, berichtet Verlegerin Felka, sonst gab es in diesem Fall keine großen Abstimmungen. Positiv wurde auch befunden, dass die Titelseite nicht klassisch den Autor in den Vordergrund stellt, sondern die Elemente dort fast verschwindend klein seien, dafür die Konzentration auf den Buchrücken als Gestaltungsmittel. Eine sehr konzeptionelle, fast schon experimentelle Ausreizung der gestalterischen Mittel. Wir sind beeindruckt, auch von der stilistisch stimmigen, sorgfältigen Vortragsweise von Rike Felka. Ganz herzlichen Dank, liebe Rike!

Marion Wörle für die Reihe Rohstoff von MSB

Marion Wörle gestaltet für Matthes & Seitz Berlin deren Verlagsprojekt, so nennen sie die Reihe, RohstoffAußerdem macht Marion Musik – und hat Jetlag. Wir sind ihr sehr dankbar, dass sie trotz langem Transatlantikflug direkt bei uns gelandet ist! Man merkt es ihr übrigens im Vortrag nicht an. Hellwach präsentiert sie uns die „Rohstoffe“ und zeigt uns vier Bücher aus der Reihe.

Marion Wörles Arbeit bezieht sich auf die Gestaltung des Umschlages mit seinen vier Seiten, also U1 bis U4, vorne außen, vorne innen, hinten innen und hinten außen. „Es ist viel los“ dabei, sagt sie. Von der Produktion her soll es so günstig wie möglich sein, damit bei dieser preisgünstig gehaltenen Buchreihe keine Hemmschwelle für den Kauf besteht. Das bedeutet nicht, dass es gestalterisch anspruchslos oder ganz einfach und einheitlich ist. Den Buchrücken zieren Zitate nach Wahl der Autor·innen. Das Rohstoff-Logo in der rechten unteren Ecke wird immer dort, an gleicher Stelle eingesetzt, aber oft abgewandelt: als Binärcode (bei dem gezeigten Beispiel), in Durchsichtigkeit. Es entsteht etwas Scharfkantiges, eine optische „Scherbe“. So dass es „richtig wehtut, wenn man da reintritt“, sagt Marion. Auch die Manschette sitze immer an gleicher Stelle. Es gäbe aber kein Zentrum auf dem Titel wie bei klassischer Cover-Gestaltung, sondern umlaufende, abstrakte Bildwelten, die Marion für den jeweiligen Titel „komponiert“ – die Grafikerin und Musikerin ist seit über 20 Jahren in beiden Welten aktiv; das geht offenbar bestens zusammen.

Aus dem Publikum kommt eine zweifelnde Rückfrage zur separaten Gestaltung der Innenseiten und dem dadurch gegebenen Kontrast zur Gestaltung des Umschlags, zu dieser Unabhängigkeit der Gewerke. Marion Wörle bestätigt: Je größer der Verlag, desto größer die Arbeitsteilung; der Innenteil und wie er gesetzt wird sei hier bei der Reihe Rohstoff „Standard“. Es ergibt sich eine kleine Diskussion: Ist es schade, dass die Titelgestaltung im Innentitel nicht aufgegriffen wird, oder ergibt gerade diese Teilnormierung gestalterische Flexibilität?

Als zweites Buch zeigt Marion Wörle uns aus dem Dachverlag Matthes + Seitz Berlin Das Gefühl zu denken von Veronika Reichl, eine Neuerscheinung von diesem Jahr. Hier eine Rezension. Die Autorin thematisiert in ihren Erzählungen (basierend auf 50 Interviews) die Emotionen, die wir beim Lesen philosophischer Texte durchlaufen, und hat sich bereits in ihrer Promotion mit der visuellen Darstellbarkeit wissenschaftlicher Texte befasst. Hier spricht sie unter anderem von „Gedankenfalten“. Das wird typografisch mit zwei Schriften visualisiert, die sich ineinander falten und verschränken, erklärt uns Marion.

Wie ihre Zusammenarbeit mit MSB entstanden sei, fragt jemand aus dem Publikum. Dazu kam es über eine Autorin, die sich wünschte, dass Marion für sie das Buchcover gestalte. Es folgte die Gestaltung weiterer Umschläge, und erst dann fingen sie an, über Rohstoffe nachzudenken, so Marion. „Wir haben etwa ein Jahr lang Ideen gesammelt und überlegt, wie wir das Ganze umsetzen.“ Die Gestaltung der Reihe wirke aufgrund des klaren Rahmens vielleicht einfach und einheitlich, aber das täusche, sie gestalte zum Teil bis zu 40 Entwürfe pro Cover. Uff. Später sagt sie, der Austausch mit einer Community und noch dazu einer mal ganz anderen hier beim Typostammtisch habe ihr viel Spaß gemacht, denn beim Gestalten sei sie häufig ganz allein („nur mein Computer und ich“). Ansonsten gäbe es durchaus viel Teamwork im Verlag, aber als Freie habe sie daran ja keinen Anteil. Gern und vielen Dank auch an dich, liebe Marion!

Andrea Schmidt und Tillmann Severin: Verlagshaus Berlin

Andrea Schmidt (Gestalterin) und Tillmann Severin (Lektorat, Öffentlichkeitsarbeit, Übersetzung) stellen das Verlagshaus Berlin und sich selbst als zwei Drittel der Verlagsleitung vor; der dritte im Bunde ist Jo Frank. Moderatorin Sonja an dieser Stelle zum Publikum: „Ihr habt schon gemerkt, dass ich das Stichwort „Kult“ heute oft benutze. Das spare ich mir jetzt, aber …“ Das Verlagshaus Berlin agiert unter dem Motto „Poetisiert euch“ für Lyrik und Illustration – „keine Rangfolge, beides ist uns gleich wichtig“. Erst haben sie eine Zeitschrift für Lyrik gemacht, dann Bücher. Und ein sehr starkes Branding. Zusammen mit liebevoll moderierten Lesungen und weiteren Aktivitäten sorgen sie für große Nähe zwischen ihren Autor·innen, dem Lesepublikum – und sich selbst.

Andrea und Tillmann stellen uns drei Bücher vor, das heißt, mehrere, aber damit drei ihrer Reihen. Als erstes Livestream und Leichen aus ihrer Edition Belletristik: Gedichte von Martin Piekar und Illustrationen von Nina Kaun. Hier geht es direkt zum Buch, von dem sie sagen, dass darin drei Textebenen (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) typografisch in verschiedenen Schriftarten bzw. Schriftgrößen dargestellt sind, und zwar in der Epika von Rostislav Vaněk, der Trans Sans von Matyáš Machat und in der Input Serif Condensed von David Jonathan Ross. Dann gab es da noch eine verschlungene Schrift mit vielen Alternates, die uns leider entglitten ist …

Aus ihrer Edition Zwanzig für neue Stimmen (Erstveröffentlichungen) in der Lyrik zeigen uns Andrea und Tillmann die Bände RE: RE: AW: LIEBE von Kevin Junk (erschienen 2022) und BARBARA von Barbara Juch (2023). Die farblich und typografisch klar und prägnant gestalteten Hefte haben einheitlich 48 Seiten („Beschränkung ist gut bei einer Gedichtauswahl“) und eine farblich passende Fadenheftung. Stichwort Fadenheftung: Die Fadenheftung sei ein „Flaschenhals in der Produktion“, kommt im Gespräch mit dem Publikum, aber vor allem den weiteren Verlagsmenschen heraus. Der Beruf des Fadenbinders sterbe aus, die Druckereien halten ihre Kontakte geheim. – Sehr schön diese Szene im gemeinsamen Vortrag: Tillmann Severin schwärmt seine Kollegin, Gestalterin Andrea Schmidt hemmungslos an und begeistert sich dafür, wie sie die Doppelpunkte im Titel von RE: … gekippt und mit einem i-Punkt zu den drei Punkten einer Ellipse zusammengefügt hat, dem Zeichen, das man sieht, wenn am anderen Ende der digitalen Flirt-Leitung jemand gerade schreibt … Yet again, Inhalt und Form. Typografische Form. Und Innenform. Auf dem Cover von BARBARA sehen wir die Schrift Zesta, gestaltet von Jéremie Hornus, Julie Soudannne und Alisa Nowak, deren herausgelöste Punzen innen als Gestaltungsmittel eingesetzt werden, „Ausdruck der Selbstfindung oder Selbstzersetzung: Was bleibt von mir übrig?“ Was hier zurückbleibt, ist der höchst positive Eindruck dieser schlichten, schönen Gedichtbände (zum sehr fairen Preis übrigens auch). 

Als dritte Reihe stellen Andrea Schmidt und Tillmann Severin ihre Edition Poeticon vor, eine Lieblingsreihe der Autorin dieser Zeilen. Die kleinen in Graupappe gehüllten Bändchen sind eine thematische Begriffssammlung zum Einstieg in oder zur Begleitung von Lyriklektüre – oder einfach so, zur Erbauung. Thematisiert werden Begriffe, die im zeitgenössischen gesellschaftlichen, gesellschaftspolitischen Diskurs, aber vor allem in der Poetologie mindestens der Autor·innen der jeweiligen Essays eine tragende Rolle spielen. Sie mögen den Zugang zu Lyrik erleichtern, aber auch dem eigenen Denken, Fühlen, kreativen Arbeiten neue Zugänge oder Anregungen geben: durch ihre Unmittelbarkeit, Nahbarkeit vor allem, Nachvollziehbarkeit. Manche der Bände klingen wie schrittweises, schriftliches Denken, wie laut gedacht, live. Im Fließtext sehen wir die Novel, in den Fußnoten Novel Sans Pro von Christoph Dunst, auf dem Cover die Versalien der wie in Stempeldruck fleckig wirkenden Vinyl von Brad Demarea. Das Papier ist von Fedrigoni. Gedruckt wird bei Gallery Print in Berlin. Wunderbare Arbeit, liebe Andrea, lieber Tillmann! Danke für die Einblicke.

Übrigens sind auch sie mit dem Verlagshaus Berlin mehrfach preisgekrönt, unter anderem mit dem Deutschen Verlagspreis 19, 20 und 22, und zu „100% INDEPENDENT“. 

So. Damit müsstet ihr reihenweise Anregungen für eure Lektüre, für besondere bibliophile Weihnachtsgeschenke, für neue typografische Wege und das Gestalten von Büchern bekommen haben.   

Vielen Dank unseren Vortragenden für alles, was ihr geteilt habt! Ihr habt uns einen wunderbaren Abend mit wertvollen Einblicken in eure Arbeit bereitet. Ihr habt für einen sehr schönen Büchertisch, Gesprächs- und Lesestoff gesorgt. Viel Liebe und viel Glück weiterhin für euren aufopfernden Einsatz für gute und besonders schöne Bücher.

Lieben Dank für die Vorgespräche auch an die Verlagsmenschen, die jetzt nicht dabei sein konnten. Auf ein nächstes Mal! 

07.12.2023: Typostammquiz

Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken stetig und bei Lidl gibt’s schon mit Marmelade gefüllte Lebkuchenherzen und Glühwein im Tetrapack. Was das bedeutet? Ihr wisst es genau!

Das alljährliche Typostammquiz steht vor der Tür. Ein Format, wie es traditionsreicher und beliebter nicht sein könnte. Wir laden euch ein, wieder zahlreich zu erscheinen und eifrig mitzuraten und -zuwissen!

Die letzte Quiz-Ausgabe war zugleich der 100. Typostammtisch und obendrein der Stammtisch mit der tiefsten jemals gemessenen Rauminnentemperatur. Wir lehnen uns nicht zu weit aus dem Fenster, wenn wir für dieses Mal einige Grad mehr versprechen. Aber nicht nur das werden wir zu bieten haben. Es gibt – neben obligatorischem Spaß und knisternder Spannung – auch wieder tolle Sachpreise abzustauben*. Und zwar für alle, egal ob Schriftneuling oder Stammgast. Alle haben eine Chance auf unseren Quiz-Wanderpokal. Da ihr in ausgelosten Quiz-Grüppchen antretet, muss niemand alleine raten oder alles wissen. Um die Gemütlichkeit komplett zu machen, wird es einige Leckereien geben – also nicht tagsüber im Büro schon alle Lebkuchenherzen aufessen!

Falls ihr Preise beisteuern möchtet, sei es ein Typo-Buch, Plakat, eine Schriftlizenz oder ähnliches, meldet euch bei der Sammelstelle* oder bringt die Sachen (rechtzeitig) direkt zum Quiz mit. Vielen Dank!

Wir freuen uns auf euch!
Euer Typostammtisch-Team

Wann? Donnerstag, 7. Dezember 2023**, Beginn 19:00 Uhr, Einlass 18:30; Eintritt frei
Wo? Eisenacher Straße 56, im Studio von LucasFonts, 2. Hinterhof, 10823 Berlin-Schöneberg

* Gabentischsammelstelle ist bei LucasFonts, zu den üblichen Bürozeiten.
** Achtung! Das beim letzten Stammtisch angekündigte Datum haben wir verschoben.


Seit Anfang des Monats läuft im Kulturforum die Ausstellung Filmplakate aller Zeiten. Der Name ist Programm. Heute, am 16. November zeigt der Filmemacher Kerem Saltuk seinen Dokumentarfilm über den Weißenseer Buchkünstler Werner Klemke im Babylon Mitte. Am selben Abend geht die zweite Ausgabe der Veranstaltungsreihe Ignite Future Talks über die Bühne: Jasmin Scharrer spricht über Klimakommunikation sowie Möglichkeiten, diese als Werber·in, Designer·in oder Creator·in zu verbessern. Der Dynamic Font Day am 18. November in München kann auch per Livestream verfolgt werden. Am 23. November finden gleich zwei Veranstaltungen statt: Der Type Thursday mit Sarah Mahmoud und Gergő Kókai sowie das Opening von Recipes for Connecting im A—Z.


Die Titelzeile ist zugleich Aufwärmfrage fürs Quiz: Die Wiederentdeckung welches Schriftklassikers wird hier erstmals digital umgesetzt, und von wem? Die Auflösung gibt’s hier! Das Titelbild hat Sol Matas bei unserem letzten Quiz aufgenommen. Es zeigt die Finalistengruppenabgesandten Roman Wilhelm und Benedikt Bramböck.

26.10.2023: Verlagsabend

Wie kommen die Buchstaben in die Bücher? Wie finden Schriften zu Verlagen, und umgekehrt? Eine Premiere steht ins Haus: Erstmals laden wir beim Typostammtisch zum Verlagsabend.

Die Inhaber·innen, Herausgeber·innen, Autor·innen oder Gestalter·innen (oftmals sind sie all das in Personalunion) illustrer, überwiegend in Berlin ansässiger Literaturverlage erläutern ihre typo-/grafischen Entscheidungen. Dafür bringen sie beispielhaft Bücher mit, legen sie auf den Overhead-Projektor, blättern mit uns durch die Seiten und stellen sich dem Gespräch. Wir freuen uns auf persönliche Begegnungen mit und rare Einblicke in die Arbeit von – Freudenfeuer, Trommelwirbel, großer Tusch: Brinkmann + Bose, Rohstoff, Trottoir Noir, Verbrecher Verlag und Verlagshaus Berlin.

Wann? Donnerstag, 26. Oktober 2023, 19 Uhr
Wo? Eisenacher Straße 56, im Studio von LucasFonts, 2. Hinterhof, 10823 Berlin-Schöneberg

Bis dahin, euer
Typostammtisch-Team


Typostammtische verpasst? Wer zum Beispiel nachschauen möchte, wie Bücher gebunden oder schriftbezogene Bücher zauberhaft präsentiert werden – eines davon zählt inzwischen zu den diesjährigen 25. schönsten deutschen Büchern, Glückwunsch, liebe Jenna! – wird in unserem Archiv fündig. Und, Ausblick, freut euch aufs TypostammQuiz im November sowie auf, Arbeitstitel, A Tribute to Fontshop. Den planen wir für Anfang 2024. Sammelt also gern schon Spenden für den Gabentisch (Quiz) bzw. Erinnerungen (Fontshop); wir freuen uns bei beidem auf regen Austausch!


Bücher und Buchstaben in rauen Mengen gibt es vom 18. bis 22. Oktober bei der Frankfurter Buchmesse. Das Deutsche Historische Museum, immer einen Besuch wert, zeigt in der Wolf-Biermann-Ausstellung Plakate und weitere Druckerzeugnisse der Zeit. Lesen im Vorbeigehen: Ariane Spanier bespielt den Bauzaun für den Neubau am Kulturforum mit Inschriften. Wenige Schritte weiter, bei Hacking Gutenberg, the-gallery-formally-known-as-P98a könnt ihr Mitglied werden, Rabatt bekommen, Weihnachtsgeschenke kaufen. Behaltet weiterhin die Verlagsreihe Indie Stabi im Blick, nächste Termine dort (monatlich am ersten Dienstag) wären 7. November und 5. Dezember. Bitte unbedingt auch die Typoclub-Veranstaltungen an der UdK Berlin vormerken; dort sind im Wintersemester Typografinnen zu Gast: Yana Vekshyna am 26. Oktober, Petra Rüth am 2. November, Yimeng Wu am 9. November und Golnar Kat Ramahni am 16. November.


Die Titelzeile ist in Elma Trio von Philipp Neumeyer gesetzt, erschienen bei den TypeMates. Das Bücherregalbild ist von Sonja Knecht; darin ebenfalls die Elma Trio.

Nachbericht 106. Typostammtisch: Schriftspaziergang & Biergarten

Die Vorhersagen waren sehr durchwachsen, doch pünktlich zum Start der Tour mit Fritz Grögel und Florian Hardwig kam die Sonne heraus. Bereits im U-Bahnhof gab es Informationen über die Entwicklung der Berliner U-Bahn, über die Teilung der Stadt und über den Unterschied von Typografie und Lettering.

U-Bahnhof Klosterstrasse
Florian erläutert die Entwicklung des Berliner U-Bahnnetzes

Wieder an der Oberfläche, bestaunten wir die fabelhafte Inschrift auf einer verspielten Jugendstil-Fassade. Sie gehört zum Geschäftshaus der Textilfabrikanten Berthold und Georg Tietz (entfernte Verwandte des Warenhausmagnaten Hermann Tietz) und bot Anlass, an ein dunkles Kapitel der Berliner Stadtgeschichte zu erinnern, als zur Zeit der NS-Diktatur jüdische Mitbürger·innen enteignet, verfolgt und ermordet wurden. 

Continue reading „Nachbericht 106. Typostammtisch: Schriftspaziergang & Biergarten“

Nachbericht 105. Typostammtisch: Hendrik Weber & Aljoscha Höhborn

Vorbei an neonroten Tape-Wegweisern durch die Hinterhöfe, die Treppen vierer Stockwerke hinauf, durch den dunklen Schallschutzverkleidungstunnel und hinein in den Urlaub – so zumindest fühlte sich der Abend für uns als Typostammtisch-Team an. Denn die gastgebende Agentur (auch ein Team, KMS TEAM nämlich) hat sich mächtig ins Zeug gelegt, um den ca. 80 Anwesenden trotz angesagtem Gewitter einen tollen Abend zu bereiten. Danke den beiden Sprechern, sowie Wolfram, Anna, Annette, Patrick und allen Beteiligten!

Viel Engagement für einen tollen Abend: Danke, KMS TEAM!

Nach einigen Soundproblemchen (wär ja auch sonst langweilig) erzählt uns Hendrik Weber, Type Director bei KMS TEAM, von Minimalismus in der Corporate Typografie. Hendrik erläutert die Konventionen, die Schrift ausmachen und von anderen Design-Disziplinen unterscheiden. Semantik also: Ein a sei schließlich kein Schuh und keine Karotte. Seine These: Je komplexer die Marke, desto einfacher muss die Corporate-Schrift sein. Bei Schrift im Markenkontext gehe es darum, Raum zu schaffen, sodass andere Disziplinen zur Geltung kommen können. 

Continue reading „Nachbericht 105. Typostammtisch: Hendrik Weber & Aljoscha Höhborn“

23.09.2023: Asian Type & Typography

Scroll down for english version.

Wie gestaltet man Designs, die mehr als ein Schriftsystem benötigen (zum Beispiel eine Website mit Chinesisch und Deutsch)? Worauf muss beim Schriftgestalten geachtet werden, wenn ein Devanagari-Font um lateinische Schriftzeichen erweitert werden soll?

Expert·innen aus dem Bereich Type Design und Typografie beleuchten Ansätze, wie verschiedene asiatische Schriften (Skripte) miteinander komibiniert werden können. Wir freuen uns auf Vorträge von Yimeng Wu, Minjoo Ham, Kimya Gandhi und Roman Wilhelm. Sie werden uns Einblicke in ihre Arbeit und in die Schriftsysteme Chinesisch, Koreanisch (Hangeul), Indisch (Devanagari) und die Keilschrift geben.

Die Vorträge werden in deutscher und englischer Sprache gehalten. Der Eintritt ist frei. Dieses Event wird in Zusammenarbeit mit dem Berlin Asia Arts Festival und dem C*Space stattfinden und bevor es losgeht, findet ein Tape Workshop mit Yimeng Wu statt, Infos in den Veranstaltungstipps.

Wann? Nicht wie gewoht Donnerstag, sondern am Samstag, den 23. September um 18 Uhr.
Wo? C*SPACE, Langhansstraße 86, 13086 Berlin

Bis dahin,
euer Typostammtisch-Team

How do you create designs that require more than one writing system (e.g. a website that uses Chinese and German)? What must be considered when designing the typeface if a Devanagari font is to be expanded to include Latin characters?

Experts from the field of type design and typography will shed light on how different Asian fonts (scripts) can be combined with one another. We will hear lectures by Yimeng Wu, Minjoo Ham, Kimya Gandhi and Roman Wilhelm. They will give us insights into their work and into the writing systems of Chinese, Korean (Hangeul), Indian (Devanagari) and cuneiform.

The lectures will be held in German and English. Admission is free. Before it starts, there will be a tape workshop with Yimeng Wu, information in the event tips.

On Saturday September 23 at 6 p.m. at C*SPACE, Langhansstrasse 86, 13086 Berlin.


Am 23. September, vor den Typostammtisch-Vorträgen, findet auf dem Hof des Geländes ein Tape Workshop mit Yimeng Wu statt. Mit Inspirationen von chinesischen Neujahrsspruch-Kalligrafien und Schrift-Installationen im öffentlichen Raum werden dort mit farbigen Klebebändern Schriftzeichen geklebt. Für den Workshop ist eine separate Anmeldung erforderlich, alle Infos dazu sind unter diesem Link zu finden. Der Workshop ist ebenfalls Teil des Berlin Asia Arts Festivals, das vom 20. September bis zum 8. Oktober stattfindet. Im Rahmen des Festivals wird Berliner Künstler·innen asiatischer Herkunft die Bühne geboten. Es gibt Ausstellungen, Lesungen, Panels, Musik-, Film- und Tanzperformances. Passend zu unserem Event gibt es ab dem 8. September eine Online-Einführung zu Devanagari mit Kimya Ghandi und im September und Oktober Online-Arabisch-Kurse für verschiedene Level bei ilovetypography. Vom 8. bis 9. September findet die Fontstand-Konferenz in Dublin statt. Und am 21. September kann man sich wieder auf einen neuen TypeThursday freuen.


Das Beitragsbild ist gesetzt aus: Hanyi Bojingti 汉仪柏京体 (auch verwendet für Titelzeile) von Yimeng, Neutronic Hangeul 뉴트로닉 한글 von Minjoo mit Hypertype, Fit Devanagari von Kimya mit DJR, einer Keilschrift von Roman und ABC Maxi Sharp Mono von Dinamo.

31.08.23: Biergarten und Schriftspaziergang

Es ist wieder so weit (endlich)! Es ist Sommer (wenn der nicht schon vorbei ist) und es gibt einen Typostammtisch im Prater Biergarten (falls es nicht dauerregnet). Vorab: Der fast schon traditionelle Typewalk durch Berlin-Mitte (featuring Flo & Fritz).

Typewalk 15:00 Uhr | Registration mandatory
Information given during the type walk will be mainly in German. Questions can be answered in English, French, and Portuguese as well. Please read below for more information.

Fritz Grögel und Florian Hardwig, Masters of Zeichenerkennung, lenken unsere Aufmerksamkeit im Stadtgeschehen auf die kleinen, ruhigen Details. Gemeinsam schauen wir uns bemerkenswerte Buchstabenformen, Beschriftungen, Schilder, Inschriften und vieles mehr an. Unter anderem machen wir in der St.-Marien-Kirche Halt. Dort kann im jüngst renovierten Eingangsbereich das Totentanzfresko bewundert werden, bei dem es sich um eines der bedeutendsten erhaltenen mittelalterlichen Kunstwerke Berlins handelt – inklusive sachkundigem Kommentar unserer Experten.

Selbe Route wie in den letzten Jahren, begrenzte Teilnehmer·innenzahl, Teilnahmebeitrag 15€ (ermäßigt 10€), Anmeldung erforderlich. Den Treffpunkt für den Schriftspaziergang geben wir den Teilnehmenden kurz vorher per Mail bekannt.

Same route as in the last years, first come first serve, costs 15€ (10€ reduced). The meeting point will be announced to participants a few days before the walk via e-mail.

Typostammtisch ab 19:00 Uhr | Just come over as usual
Der sommerliche Typostammtisch findet im Berliner Prater statt, der kleinen Schwester des Wiener Praters – mit der deutlich schöneren Beschriftung (FF Prater von Steffen Sauerteig und Henning Wagenbreth). Die Speisekarte ist für sich bereits ein Lettering-Augenschmaus. Getränke gibt es auch, und es darf geredet werden! Treffpunkt für Typenerds aller Colörs, zum Quatschen, zum Soschalaisen oder auch um was herzuzeigen und Input zu erhalten. Und falls es ein bisschen regnet, klappen wir die Schirme auf – wär’ ja nicht das erste Mal.

Heissa, wir freuen uns auf Euch!

Wann? Am Donnerstag, den 31. August um 19 Uhr.
Wo? Prater Biergarten, Kastanienallee 7–9, 10435 Berlin

Bis dahin,
euer Typostammtisch-Team


Vom 18.–20. August (dieses Wochenende!) steigt das Graffiti- und Streetart-Festival Hypergraphia in Potsdam. Farbig geht’s zu im A–Z presents: Dort kann man am 26. August gelbe Sachen zum Super Collective Market No.1 mitbringen. Ebenfalls am 26. August findet die Lange Nacht der Museen mit vielen Angeboten statt. Unter anderem lässt sich im Kupferstichkabinett die Ausstellung World Framed bewundern: abstrakte Zeichenkunst mit der Linie als Ausgangspunkt für alles mögliche (noch bis zum 08. Oktober). Außerdem bietet sich die Ausstellung Mit Pinsel und Qualam zu chinesisch-arabischen Kalligrafien an (noch bis zum 22. Oktober im Pergamonmuseum). Zum Auftakt der Reihe Polish Affairs — Polnische Kultur zu Gast in der Stabi wird am 22. August ein deutsch-polnisches Schulbuchprojekt in der Staatsbibliothek vorgestellt. Stabi II: Am 05. September trifft im Rahmen der IndieStabi der Kanon Verlag auf den Leykam Buchverlag. Stabi III: Die Ausstellung Die Chronologiemaschine zeigt den Aufschwung der Infografiken im 18. Jahrhundert. Eröffnung mit Kuratorinnenführung am 07. September, Ausstellung ab 08. September. Über den typografischen Tellerrand schauen kann man bei der sehr persönlichen Konferenz Beyond Tellerrand am 11. und 12. September im Festsaal Kreuzberg. Gibt noch Tickets! Noch bis zum 17. September ist die Ausstellung Final Sale zu Kaufhausschildern im Buchstabenmuseum zu sehen. Unbedingt ebenfalls vormerken: Die Kunstbuchmesse Miss Read am 22.–24. September im HKW.


Die Titelzeile ist in der Jobim von Flavia Zimbardi und Inga Plönnigs gesetzt. Das Titelbild stammt aus Florian Hardwigs umfangreicher Sammlung typografischen Stadtgeschehens.

22.06.23: Hendrik Weber & Aljoscha Höhborn


Wie Minimalismus und Animation zusammengehen und welche Schnittmengen beides in Bezug auf Schriften im Branding haben kann, erörtern Hendrik Weber und Aljoscha Höhborn in unserer Juni-Ausgabe. 

In den brandneuen Berliner Räumen von KMS Team spricht Hendrik Weber, dort als Type Director verantwortlich, über Minimalismus in der Corporate Typografie und was diese, bei aller Kritik an onmipräsenten geometrischen Sans Serifs, imstande ist für eine Marke zu leisten. Der zweite Sprecher des Abends, Aljoscha Höhborn, ist im Bewegtbild und der Animation von eben jenen Markenschriften zugange. Auch seine Arbeit wird uns eine wertvolle Perspektive auf das Thema Schrift und Marke aufzeigen.

Wir freuen uns auf einen regen Austausch mit euch bei dem einen oder anderen Kaltgetränk. Kommet zahlreich, Platz ist genug!

Wann? Donnerstag, 22. Juni 2023, 19 Uhr
Wo? KMS Team, Alt-Moabit 73/73A, Hof 3, 4. Etage, 10555 Berlin

Bis dahin, wir freuen uns!
Typostammtisch-Team


Wer sie bei der Type-Masters Ausstellung im Mai verpasst hat (Nachbericht folgt), kann die Abschlussarbeiten aus Den Haag jetzt auch online anschauen. Einen verspäteten Nachbericht zum Typostammtisch #102, der Type Crit Session in der p98a, findet ihr hier.

Visuelle Umsetzungen von Audioaufnahmen zeigt die Ausstellung LAUTE PLAKATE am 9. Juni im about_bookshop. Synästhetisch spannend! Das A–Z presents lädt am 15. Juni zu einer „Show and Tell“-Session ein. Unter dem Titel Sarah Boris: Exquisite Curiosities könnt ihr physische Objekte und Kuriositäten teilen, die ihr liebt – Bücher oder Buchstaben vielleicht? Die jährliche Werkschau des Fachbereichs Kommunikationsdesign an der HTW findet am 21. und 22. Juli statt. In der Kunsthochschule Weißensee gibt es am 22. und 23. Juli ebenfalls einen Rundgang. Das Blindenmuseum ist momentan wegen barrierefreien Umbaus geschlossen. Die Ausstellung zur Braille-Schrift ist aber teilweise auch virtuell zu durchwandern. Ebenfalls umgebaut wird bekanntlich das Bauhaus-Archiv. Über die Pläne und den Stand der Arbeiten kann man sich im Obergeschoss und mit Blick von der Dachterrasse informieren. Bei der Überbrückung hilft außerdem das Temporary Bauhaus – vor allem das infinity-Archiv, das mittels künstlicher Intelligenz funktioniert, ist sehenswert. Nach Umbaupausen wieder geöffnet sind dagegen die Berlinische Galerie mit aktuellen Ausstellungen, sowie das Haus der Kulturen der Welt (interessant auch das neue, mittels Gesichtserkennung variable Logo). Das Künstler·innenkollektiv Why Not? sucht Mitwirkende bei ihrem für den Winter geplanten Projekt Monstera, bei dem eine Erinnerungslandschaft als interaktive Installation entstehen soll. Noch ein Gesuch: Das auf interkulturelle Gestaltung spezialisierte Studio Wu sucht eine studentische Mitarbeit.


Die Titelzeile ist aus der Octagon Variable gesetzt, einem experimentellen Projekt von Studierenden der HAW Hamburg unter Leitung von Prof. Pierre Pané-Farré und Simon Thiefes.

Im Titelbild nutzen wir die FF Uberhand von Jens Kutílek.