Nachbericht 79. Typostammtisch: 1E9E, ein Jahr danach

Am 25.10. trafen sich Π(π)×Daumen 100 Buchstabenbegeisterte – nicht nur Typografen und Schriftgestalter, sondern auch Linguistinnen, Lehrer, Studentinnen und Herausgeber – an unserem bevorzugten Veranstaltungsort in Schöneberg zum Thema 1E9E: die Versalform des scharfen S.

Die Atmosphäre macht Vorfreude auf das Programm; bereits die Wegweiser durch den Hof kündigen von Begeisterung für das Thema. Drinnen angekommen, ist auf Ausstellungswänden das Wort „STRAẞE“ in 270 unterschiedlichen Schriften gesetzt. Auf den Tischen liegen Kekse in Versaleszettform.

Bereits die Wegweiser kündigen von Begeisterung für das Thema. / Quelle: sofern nicht anders genannt, stammen alle Bilder von Nadya Kuzmina. Vielen Dank!
Benedikt und Dan treffen letzte Vorbereitungen zur Ausstellung.
Thematisches Gebäck von Jens und Dan. Danke noch mal!

Nach einem warmen Willkommen und beseelter Einleitung von unserer Sonja spricht als erste Nadine Roßa, bekannt durch Design made in Germany und ihre Sketchnotes. Bedingt durch ihren Nachnamen ist Nadine persönlich betroffen. Bereits in ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich umfassend mit dem Buchstaben ß. Entstanden ist ein Buch namens Eine scharfe Type – ein Erklärbuch zum Thema, das bereits Skizzen zur Versalform beinhaltet. Ihr zweites Buch dazu, Viele scharfe Worte, enthält alle deutschen Wörter mit scharfem S.

In ihrem Vortrag weiß Nadine von ß-Pannen in offiziellen Dokumenten zu erzählen, wo Namen oft in Versalien geschrieben werden. Auf die vermeintliche Frage „Wer braucht ein Versaleszett?“ hin kann sie also nur feststellen: „Ich brauche das!“ Weiterhin moniert sie, dass das Versaleszett zwar seit 10 Jahren offiziell sei, die Verwendung sich aber bis heute nicht gerade unkompliziert gestalte – so könne man das Zeichen auf Twitter zwar eingegeben, es werde aber auf dem Mac nicht angezeigt. („Danke, Apple!“, wie Lucas de Groot konstatiert.) Nadine zeigt uns viele kreative Lösungen zur Umschiffung dieses Problems, zum Beispiel ein B mit Unterlänge oder die Verwendung des Kleinbuchstabens ß zwischen Versalien.

Ein EXTRAWICHTIGER Buchstabe

Kurzweilig präsentiert Nadine weitere Fallbeispiele des Versaleszetts: Karls Erdbeerhof verwendet das neue Zeichen sehr konsistent, der Berliner Zoo ebenfalls – allerdings in einer Form, die sicherlich bei Ausländern als B fehlinterpretiert wird. In der Werbung (wo Versalien bekanntermaßen EXTRAWICHTIG sind) wird es immer selbstverständlicher eingesetzt. Die Schrift für die Bundesregierung von Supertype enthält es – auch gegen die Überzeugung des Supertype-Designers Jürgen Huber – aber der Kunde ist eben König (auch wenn der Spruch im Falle des Auftraggebers Bundesregierung zu Verwirrung führen könnte… Aber das soll hier nicht weiter ausgeführt werden).

Abschließend zeigt Nadine, die ihren Arbeitsschwerpunkt seit einigen Jahren stark in Richtung Sketchnotes verlagert hat, dass die neue Buchstabenform mit ein wenig Übung auch in die eigene Handschrift sehr gut einzubauen ist.

Nadine zeigt ihren Lettering- und Handschrift-Stil, der selbstverständlich ein Versaleszett beinhaltet.
Stolz wie Bolle: Sonja begrüßt die Duden-Damen Ursula Fürst (Mitte) und Melanie Kunkel (rechts).

Mit der stolzerfüllten Frage „Wann hat man schon mal den Duden im Haus?“ präsentiert Sonja anschließend die „Dudendamen“ Melanie Kunkel und Ursula Fürst. Frau Kunkel ist Redakteurin in der Dudenredaktion, Frau Fürst Herstellungsleiterin.

Frau Fürst beginnt mit dem Thema Das Versaleszett in der Praxis. Seit dem 29.06.2017 gibt es den neuen Buchstaben offiziell im deutschen Alphabet – die Verwendung ist optional. Mit der Rechtschreibreform 1996 verlor das Eszett an Bedeutung, weil nach der neuen Regelung weniger Wörter damit geschrieben werden, z. B. „daß“ –> „dass“. Gleichzeitig ist die Daseinsberechtigung des Buchstabens sogar größer geworden, weil die Aussprache über die Verwendung des ß bestimmt: Es zeigt an, dass der vorangegangene Vokal lang gesprochen wird (Vgl. „Maße“ und „Masse“). Somit hat auch die Versalform ihre Berechtigung.

Von der Fußnote auf’s Cover

Frau Kunkel erzählt anschließend mit glaubhafter Begeisterung und Detailverliebtheit die Geschichte des Versaleszetts aus Sicht des Duden. Im ersten Duden von 1880 wurde zumindest der Kleinbuchstabe bereits erwähnt. Dieser Ur-Duden war natürlich in Fraktur gesetzt und das ß (die Form, die nach z aussieht) entstand ebenfalls in der Fraktur. Es hieß, dass der entsprechende Laut in der lateinischen Schrift mit langem s und kurzem s geschrieben werden sollte, oder „wenn vorhanden“, mit der ß-Ligatur. In der dritten Duden-Auflage von 1887 hieß es in einer Fußnote zum Thema: „Preußen verlangt langes s, kurzes s; Württemberg die Eszettligatur.“ In der Fraktur war die Versalform des ß natürlich kein Thema, weil man Fraktur nicht in Versalien schreibt.

Die 6. Auflage des Duden von 1900 allerdings erweiterte die Fußnote der Vorgänger. Es wurde nun empfohlen, im Versalsatz der Lateinischen Schrift (Antiqua) das Zeichen als „SZ“ zu schreiben, weil ein Doppel-S bei einigen Wörtern zu Verwirrung führe (Vgl. wieder „MASZE“ und „MASSE“).

1902 wurde diese Regelung neu formuliert und „entfußnotiziert“ (soll heißen: ins Regelwerk aufgenommen). In lateinischer Schrift waren anstelle des Fraktur-ß sowohl die Kombination aus langem und kurzem s, als auch die Ligatur ß zugelassen. Nur drei Jahre später, in der 8. Auflage von 1905, hieß es, die Kombination aus langem und rundem s sei ganz zu vermeiden – anscheinend hatte sich das ß zu diesem Zeitpunkt in der lateinischen Schrift etabliert.

Das Publikum verfolgt gespannt die Geschichte des Versaleszetts im Duden.

In der 9. Auflage von 1915 gab es zum erstem Mal Überlegungen zum Eszett im Versalsatz von lateinischer Schrift: „die Verwendung zweier Buchstaben (SZ) für einen Laut ist nur ein Notbehelf, der aufhören muss, sobald ein geeigneter Druckbuchstabe geschaffen ist.“

Die 12. Auflage von 1941 schrieb vor, dass bei Großschreibung lateinischer Schrift das ß nun durch ein Doppel-S ersetzt werden sollte, weil die Verwendung der Kombination aus S und Z sich nicht durchgesetzt habe. Diese sei aber immer noch erlaubt, um Verwechselungen bei bestimmten Worten vorzubeugen (Lieblingsbeispiel: „MASSE” versus „MASZE”). Im Nachdruck der 12. Auflage fand schließlich der Wechsel von Fraktur auf Antiqua statt.

Nach dem Krieg splittete sich der Duden in eine West- und in eine Ostausgabe. Im Westen nichts Neues, aber in der DDR-Ausgabe (14. Auflage von 1951) fand sich der bemerkenswerte Satz „Das Schriftzeichen ß fehlt leider immer noch als Großbuchstabe.“ In der 15. Auflage von 1957 wurde hinzugefügt: „Bemühungen, es zu schaffen, sind im Gange“, und auf dem jetzt berühmten Umschlag prunkte schon eine recht überzeugende Version dieses Zeichens. In der 17. DDR-Auflage wurden alle Hinweise zum Versaleszett entfernt und in der 18. Auflage (letzte DDR-Fassung) von 1985 wurde hinzugefügt, dass Personennamen, die ein ß enthalten, bei Versalschreibung in Personaldokumenten mit dem kleinen Buchstabe ß geschrieben werden. Diese Regel ist auch heute noch im Duden verankert.

Umschlag des DDR-Duden der 15. Auflage von 1957. Quelle: https://dudensammlung.jimdo.com

Ab der 21. Auflage von 1996 (nach der Rechtschreibreform) fand man den Hinweis, dass das ß bei Großschreibung immer durch Doppel-S ersetzt werden solle; SZ sei nicht mehr zulässig.

Vom Unicode zum Scrabble-Stein

Mittlerweile in der jüngeren Geschichte angekommen, übernimmt Frau Fürst das Wort: In der 25. Auflage von 2010 wurde zum ersten Mal auf das seit 2008 in Unicode festgelegte neue Zeichen 1E9E hingewiesen. Maßgeblich verantwortlich dafür war Andreas Stötzner, der als Sprecher an diesem Abend leider verhindert ist. In der 27. Auflage von 2017 wurde das Zeichen endlich in die Rechtschreibung aufgenommen: Demnach kann es fakultativ statt Doppel-S eingesetzt werden – sofern die verwendete Schrift das Versaleszett enthält. Mit diesem Zusatz rennt man in einem Raum voller Schriftgestalter und Schriftinteressierter natürlich offene Türen ein…

Im Anschluss erzählen Frau Kunkel und Frau Fürst abwechselnd noch einige schöne Anekdoten rund um die Einführung des Versaleszetts im hohen Haus des Duden. Texte, die das ß betreffen, mussten angepasst werden, ein Newsletter wurde produziert, praktische Fragen von Kunden beantwortet, Empfehlungen für die Schreibweise geografischer Namen angepasst, und sogar das Scrabble-Spiel hat probeweise schon einige Steinchen auf dem Markt gebracht (diese bescheren dem Spieler stattliche 6 Punkte, wie es auf Nachfrage aus dem Publikum heißt).

Von pragmatischen Lösungen und vielen Fragen

In den Publikationen des Duden wurde das Versaleszett zunächst als Sonderzeichen eingesetzt. Das vorhandene Zeichen in der Hausschrift Frutiger gefällt intern nicht, da es aussehe wie eine Ligatur aus einem langen und einem runden Versal-S. Als pragmatische Lösung wird einfach das Versaleszett aus einer anderen, grob passenden Schrift eingesetzt, in der die Ligatur etwas mehr nach SZ aussieht (das Publikum ächzte leise). Der Duden möchte zukünftig beobachten, wie 1E9E in der Realität eingesetzt wird und in 10 Jahren noch einmal ein Fazit zum Thema ziehen.

In einer üppigen Fragenrunde kommt anschließend noch jede Menge Wissenswertes zur Sprache: Der Rat für deutsche Rechtschreibung wird etwa drei Jahre lang beobachten, wie sich das neue Zeichen etabliert. In Österreich wird das Zeichen scharfes S genannt, in Deutschland ist Eszett bekannter. Eine Tastenkombination sollte man mit Google finden können, allerdings hängt das vom Tastaturlayout und der genutzten Plattform ab. Wir haben nachgeforscht: In MS Word unter Windows tippt man 1E9E und anschließend Alt+X, das funktioniert unabhängig von Sprach- und Tastatureinstellungen. Weitere Tastaturkürzel und Layouts findet man auf der Seite von Ralf Herrmann: www.typografie.info: wie gibt man das große Eszett ein

Lucas de Groot springt mit seinem anschließenden Vortrag für den verhinderten Andreas Stötzner ein. Er redet zunächst über den Kleinbuchstaben ß, der in unglaublich vielen Varianten existiert und funktioniert.

Schon vor 500 Jahren wurde die Ligatur von langem s und rundem s in lateinischen Satzschriften von Köln bis Italien in einer vollendeten Form eingesetzt. In vielen Schriften sieht das ß noch genau so aus. In Frakturschriften wurden damals mehrere Formen ausprobiert, deren rechte Hälfte eher wie ein z aussieht. Noch vor 150 Jahren wurden auch in offiziellen amerikanischen Dokumenten viele lange-s- und kurze-s-Kombinationen eingesetzt – mal ligiert, mal getrennt. Das lange s fand in allen lateinischen Sprachen Anwendung. Die getrennte Schreibweise von langem s und kurzem s war damals auch in Deutschland im Einsatz. In Holland wird unterrichtet, dass man bei der Verbindung der beiden Buchstaben in der Frakturschrift die rechte Hälfte vom kurzen s an das lange s klebt, um im Blocksatz mit der Satzbreite spielen zu können. Danach ist nicht mehr erkennbar, ob es sich nun um ein z oder ein halbes s gehandelt hat, daher die Sprachverwirrung und die Bezeichnung „Eszett“.

Scharfes S oder Eszett? Das ist hier die Frage.

Vor 140 Jahren galt in einigen Bundesländern, dass eine Frakturligatur zwischen langem s und entweder kleinem s oder kleinem z in lateinischer Schrift in beiden Fällen mit einer Kombination aus langem s und kurzem s zu ersetzen sei. Man kann auch belegen, dass in den meisten Fällen der etymologische Hintergrund auf ein Doppel-S und nicht auf ein SZ zurückschließen lässt. Lucas zieht daraus das Fazit, dass die Bezeichnung „scharfes S“ historisch korrekter sei als „Eszett“.

SS oder SZ? Das ist hier die Frage.
Wie das Cedilla entstand

Dann zeigt Lucas, wie andere europäische Sprachen denselben Laut verschriftlichen: Ein z wurde zum Beispiel unter ein s oder c gehängt, so ist die Cedille entstanden. Ob ein Vokal lang oder kurz ausgesprochen wird, kennzeichnet die holländische Sprache durch Verdoppelung (de Groot). Im Französischen geschieht das durch Akzente (très désolée). Lucas ist der Meinung, dass man das im Deutschen auch alles hätte machen können – und überhaupt stimme die deutsche Aussprache von z und s nicht überein mit der im Rest der Welt gebräuchlichen. Dumm gelaufen, deshalb also brauchen wir das neue Zeichen…

Bereits vor etwa 100 Jahren versuchten einige große deutsche Schriftgießereien, eine Versalform für ß auf dem Markt zu bringen – vielleicht auch aus ökonomischen Gründen: neu gießen, neue Schriften, neu verkaufen? Vor etwa 60 Jahren deklinierten Designer schon alle möglichen Formvarianten durch; die erfolgreichsten Formen von heute wurden damals schon gestaltet.

Sternstunde der typografischen Demokratie

Als nächstes bittet Lucas um Mithilfe: 2010 habe Microsoft ein recht unschönes Versal-scharfes-S selbst zur Calibri hinzugefügt. In den Light-Schnitten gestaltete er das Zeichen daraufhin 2012 selbst. Nachdem er Microsoft auf die Unregelmäßigkeiten in der Schriftfamilie hinwies, hieß es, er könne eine neue Form liefern, solange die Glyphenbreiten zum Microsoft-Entwurf identisch blieben. Lucas hat an diesem Abend fünf Formvarianten vorbereitet, über die das Publikum mittels eines Formulars abstimmen soll. Erste freudig-überzeugte Stimmen im Publikum scheren sich nicht um den geheimen, demokratischen Abstimmungs-Modus.

Als Input zur Abstimmung gibt es einen kurzen Abriss darüber, welche Formlösungen in einem Versal-scharfes-S gut funktionieren, und welche nicht. Basierend auf einer ungefähr sechs Jahre alten Anleitung von Christian Thalmann seziert Lucas den Buchstaben minutiös.

Christian Thalmanns Überlegungen zur Form des versalen scharfen-S

Zum Abschluss zeigt er noch alle 270 Schriften der Ausstellung sortiert und kommentiert. Einige Erkenntnisse seien hier aufgeführt: Wenn man gegen das versale scharfe S ist, belegt man den Unicode 1E9E mit Doppel-S. Wenn man eh keinen Bock hat, skaliert man den Kleinbuchstaben ß auf Versalhöhe. Varianten mit einem symmetrischen runden Kopf lassen zu wenig Platz für eine markante Diagonale. Um eine Verwechslung mit dem B zu vermeiden, sollte das Zeichen rechts oben einen Schnabel oder eine Diagonale aufweisen. Je flacher der Kopf rechts oben ist, desto mehr Platz bleibt für eine S-Form oder Diagonale. Bei Schriften mit Kontrast sieht es besser aus, wenn die Kontraste im Laufe der Schreibbewegung wechseln: dick-dünn-dick-dünn, nicht dick-dick oder dünn-dünn. Undsoweiterblabla – etwas langwierig ist es da mittlerweile vermutlich für Nicht-Schriftgestalter geworden (an dieser Stelle auch „Hut ab!“ für das Lesen des Nachberichts bis zum Schluss). Wer das Thema noch weiter vertiefen möchte, dem sei Lucas’ Vortrag ans Herz gelegt. Wir werden darauf hinweisen, sobald die kommentierte Fassung publiziert wird.

Alle, die an diesem Abend noch nicht genug hatten, konnten die vorgestellten Buchstabenvarianten bei einem Rundgang durch die Ausstellungs-STRAẞE noch einmal nachwirken lassen. Wie immer wurde noch lange und freudig bei thematischen Keksen und Kaltgetränken nachgeplaudert und abgeschweift.

And the Winner is…

Der Kunde mag König sein, der Typostammtisch ist auf jeden fall demokratisch: Gut einen Monat nach der Veranstaltung sind nun alle Stimmzettel ausgezählt … Herzlichen Glückwunsch, Version 3! Dieser Ausgang bestätigt die Formgebung, die Lucas in die Light-Schnitte bereits eingebaut hatte. Auch mal schön, diese seltene gestalterische Einigkeit.

25.10.2018: 1E9E, ein Jahr danach

Manche sagen „scharfes S“ und „großes scharfes S“, andere sprechen vom „großen Eszett“, vom „Großbuchstaben Eszett“ oder vom „Versaleszett“, auf Englisch heißt es meist „German (capital) sharp S“ oder, mehrfach missverständlich, „German double-S“; wieder andere äußern sich allenfalls kodiert-distanziert-professionell-neutralisierend mittels Unicode: „1E9E“.

Seit dem 29. Juni 2017 ist es amtlich. Ein Jahr und gut drei Monate sind vergangen, seit der meistdiskutierte Buchstabe der westlichen Hemisphäre legitimiert und ins Regelwerk der deutschen Sprache aufgenommen wurde – neun Jahre nach der Unicode-Verankerung übrigens (1E9E gibt es seit dem 4. April 2008). Für manche ein typografischer Paukenschlag und Durchbruch für die deutsche Sprache sondergleichen, für andere völlig überflüssig (Schweizvergleich) oder gar ein Ärgernis. Für uns schlicht Tatsache und Anlass zur Bestandsaufnahme: Wie sieht das große scharfe S denn jetzt aus? Wie macht es sich in der Anwendung? Welche Form setzt sich durch? Wie erging und wie geht es denen, die seine Einführung begleitet oder aus beruflichen und persönlichen Gründen besonders mitgefiebert haben? Und wer arbeitet aktuell daran? Wer hat mit dem Großbuchstaben Eszett seit Tag eins seiner Einführung ganz praktisch zu tun?

Wir freuen uns auf Kurzvorträge und Gespräche von und mit Dudenredakteurin Melanie Kunkel, zusammen mit Ursula Fürst, Leiterin Herstellung beim Duden, und auf unsere Kollegin Nadine Roßa (Design made in Germany, Sketchnote Love) mit ihren Erfahrungen als namentlich Betroffene; Luc(as) de Groot wird Gestaltungsvarianten zu einer kleinen Ausstellung verdichten und uns einen Überblick zur Entwicklung geben. Als Einstimmung empfehlen wir Christoph Koeberlins Artikel Das große Eszett auf Typefacts sowie einen vorsichtigen Blick in die Feuilletons, exemplarisch etwa die FAZ (die abgründig hässliche Kopfzeile mag als Symbol zeitgenössischer Wirrwarrität und Alleingänge dienen): Ein Buchstabe mit Integrationsproblemen. Sehr erhellend finden wir Ralf Herrmanns Berichte auf Typografie.info, etwa Warum man ein großes Eszett benötigt (Oktober 2010) und DAS ESZETT KOMMT ENDLICH GROẞ HERAUS: PDF und Download, reich bebildert, erschienen 2011 in der gedruckten Ausgabe TypoJournal 3 – Wandel, darin auch Nadine Roßas Beitrag zu ihrem Buch Das Eszett, eine scharfe Type. In diesem Sinne: auf einen spannenden Abend!

Wann? Am Donnerstag, den 25. Oktober 2018 um 19 Uhr
Wo? Bei LucasFonts, Eisenacher Straße 56, 10823 Berlin-Schöneberg

U-Bahn: Linie U7 bis Eisenacher Straße
S-Bahn: Linie S1 bis Julius-Leber-Brücke oder S1, S41, S42, S45, S46 bis S-Bahnhof Schöneberg
Bus: M48, M85, 104, 187, N42 bis Albertstraße

Herzlich grüßt
euer Typostammtisch-Team


In eigener Sache: Wir suchen Nachwuchs. Das Typostammtisch-Berlin-Team braucht Verstärkung. Wer packt mit an, wer hat Lust, unsere Veranstaltungen mitzuorganisieren? Das reicht vom Planen und Ideen spinnen, Sprecher kontaktieren, Technik und Ausstellungsaufbau, Einlass machen und Gaste zählen bis zum Getränke schleppen, aufräumen, Boden wischen und Nachbericht schreiben (kann man alles lernen). Einziges Kriterium: Du bist nach dem 1. Februar 1989 geboren und damit jünger als unser aktuell jüngstes Teammitglied. Bitte melde dich per E-Mail an und schreib uns ganz kurz, wer du bist, ab wann du Zeit hast und warum du mitmachen möchtest. Wir freuen uns!


Tipps, Tipps, Tipps! Sina Otto übernimmt zusammen mit Ute Klemm die nächste Schreibsession von Petra Rüth, das kostenlose Treffen für alle Schönschriftfans: Donnerstag, den 18. Oktober um 19 Uhr. Am 2. November eröffnet das Amsterdamer Grafikkollektiv Experimental Jetset in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Autor und Musiker Ian Svenonius die Ausstellung Alphabet Reform Committee an der Volksbühne; es geht um „die Stadt als poetische Plattform für Kommunikation“. Susanne Zippel von Mittelpunkt•Zhongdian lädt zusammen mit Norbert Gabrysch von wirDesign zu einem Abend mit Grafiklegende und Designdenker Olaf Leu, der als typografischer Gestalter in der Bauerschen Gießerei begann: am 8. November ab 19 Uhr in kleiner kulinarischer Runde („ab 19:30 wird geplaudert“) bei wirDesign in der Gotzkowskystraße 21/21 in 10555 Berlin. Susanne bittet um Anmeldung bis zum 31. Oktober per E-Mail oder unter 0163 67 68 68 9.


Die Titelzeile wurde in der Gig von Franziska Weitgruber gesetzt. Das Titelbild stammt aus der Florian Hardwig’schen Sammlung (Imbissschild, Berlin-Friedrichshain).

Nachbericht 78. Typostammtisch: Golnar Kat Rahmani über Quadratkufi

Am 27. September durften wir uns wieder im Sonnenstudio treffen und wurden mit einem überraschenden Vortrag von Golnar Kat Rahmani verwöhnt. Im Iran geboren, an der Teheran Universität und an der Kunsthochschule Weißensee studiert, hat uns Golnar mit einer großen Sammlung wunderschöner Bilder in die Welt und Geschichte des Quadratkufi eingeführt. Kufi ist eine sehr alte Schreibweise, ursprünglich für religiöse Texte verwendet, die sich in mehreren Formen weiterentwickelt hat; viele moderne arabische Schriften haben ihre Wurzeln in Kufi.

Quadratkufi ist eine Variante, die mit geraden Linien und einheitlichen Strichstärken auskommt, und über den ganzen Orient bis in Transoxanien und Indien – unter vielen Namen bekannt – Einsatz findet, am beeindruckendsten in der Architektur. Für uns kaum vorstellbar, ist diese Schrift in und an den Bauten ein wesentlicher Bestandteil der Kultur. Gigantische Wände und Decken werden virtuos mit Texten bestückt, mit kunstvollen, komplexen Verschachtelungen, Texte innerhalb anderer Texte, und das schon seit vielen Jahrhunderten. Es scheint, als ob in der Religion von Allah und Mohammed alle wichtigen Orte auf Typografie aufgebaut sind. Da kann die westliche Architektur mit einer Handvoll plattgetretener Grabsteine und schlecht spationierter Inschriften nicht im Geringsten mithalten. Als die Barbarenvorfahren in Europa noch in der Schweinejagd steckten, gab es in den Islamregionen schon hochentwickelte Mathematik und Fliesenkunst, was für Quadratkufi wie gemacht zu sein scheint und dem Zahn der Zeit widerstanden hat.

Lesehilfe für Quadratkufi

Im arabischen Schriftsystem gibt es Punkte, die Unterschiede im Klang der Konsonanten klarmachen („be“ versus „pe“), und Vokale werden einfach weggelassen. Nur bei religiösen Texten und Kinderbüchern werden Vokalisationszeichen hinzugefügt. Bei Quadratkufi jedoch gibt es weder Punkte noch Vokalisationszeichen; das Lesen der Texte ist dadurch entsprechend schwierig. Zudem wird auch vertikal und auf dem Kopf geschrieben und gibt es eine enorme Freiheit, wie die Buchstaben miteinander verbunden werden. Und dann ändern die Zeichen auch noch ihre Form, je nachdem ob sie alleine, am Anfang, am Ende oder mitten im Wort stehen. Auch wenn man die Buchstaben „mhmd“ gelernt hat, und weiß, dass damit Mohammed gemeint ist, gibt es unglaublich viele Möglichkeiten, wie sie miteinander verbunden und verschachtelt werden können.

Von rechts nach links: m h m d

Auch bei zeitgenössischen Kalligrafen ist Quadratkufi beliebt: Der syrische Kalligraf Mouneer Al Sharaani, im Frühling noch mit Ausstellung und Workshop in Berlin gewesen, benutzt sie gern in seinen Kunstwerken.

Ein Highlight bei Golnars Vortrag war ihr selbstgestalteter Pullover. Auf den ersten Blick ein schönes grafisches Muster in Schwarzweiß, versteckt sich darin die Entfernung (Kilometerangaben) von Berlin zu genannten Kulturorten im Orient, wie Damaskus, natürlich in Quadratkufi. Es gab einige Fragen aus dem Publikum, wann die Kollektion in Serie geht! Wir drücken die Daumen und Golnar gibt uns Bescheid; eigentlich war es als Kunstprojekt gedacht, nicht Mode.

Dass es hier um ein Weltthema ging wurde betont durch die große Menge unterschiedlicher Nationalitäten, die sich in Sols Studio versammelt hatten. Mit Getränken, Suppe, Häppchen und einer Apfelernte wurde noch lange nachdiskutiert, die Stimmung war großartig. Wir hoffen, dass Golnar an dem Thema dranbleibt, und ihre Recherche und Fotos irgendwann publiziert werden. Danke!

Der Quadratkufipulli

Recapitulating Typostammtisch #75: Veronika Burian

On Wednesday, 11th April 2018, we established a new tradition, it seems: our second Typostammtisch-before-the-Labs was a huge success. No wonder, as we had Vik Burian as our generous speaker.

Benedikt Bramböck introducing Veronika Burian, who shared with us her story: “A (non) direct path to type design”.

We spent a wonderful evening with insights, intense exchange and beautiful encounters among colleagues, many of them arriving just in time, with luggage and everything. We were happy to note at least five type design student groups, from The Hague (NL), Lausanne (CH), Ljubljana (SL), Reading (UK), and St. Petersburg (RU) – next to our lovely local colleagues and Berlin Typostammtischstammgäste. Let me not forget to mention Gayaneh Bagdasaryan and Sol Matas who – not only on that evening – proved to be perfect additions to the Typostammtisch team. Plus many more helping hands (Dan, Daniel, Golnar, Tom, …) Thank you, everyone!

One of Veronika’s first encounters with Schrift as a school child.

A multilingual, multicultural background

There where two aspects of Veronika’s talk that impressed me most, which were probably also new to most of the audience: the more personal insights in her life and career path, and the recent development of her company, TypeTogether. Veronika was born in Prague (CZ). When she was young, her family moved to Munich (D) where she started her studies. She continued in Vienna (AT), then Prague again, and Milan (IT), then shortly in the US, some years in the UK (working in London at Dalton Maag), then… well, I lost track. At some point Vik moved to Spain, where she still lives today, renovating a house on the countryside with her partner – surely all her design skills flowing into that as well. For, interestingly, Veronika graduated as an industrial designer in Munich. She indulged into that, working in Vienna and Milan for renowned agencies. So, she learned everything about curves and forms and about designing industrial products, first, plus she continued working as a graphic designer, when she discovered her deep love for type.

Veronika Burian summarizing and explaining th guiding principles at TypeTogether, and their multicultural approach both in type design and in team building.

Also Veronika Burian’s business partner José Scaglione, from (and still based in) Argentina, had been interested in other artistic fields, as she reveals: we see Vik’s “partner in crime” in a photo with his band live on stage. Vik and José met at the Typeface Design master course in Reading (UK), graduating in 2003. They established and expanded a cross-border partnership; later on they found further companions perfectly fitting in – no matter where they are located. Today, their team at TypeTogether comprises 10 people on a steady basis plus contributing freelancers, living and working all over the world.

Teaming up at TypeTogether

In recent years, Veronika has been busy with her own type design projects but also with that expansion of her company and with the accompanying necessities. In addition to her own extensive travelling – as a lecturer, as a teacher providing workshops, as a profound and prolific type crit at conferences – more tasks have arisen. With a growing team, you need advanced managing and coordinating skills, plus take care of your communications. Like probably many in the audience I was astonished to hear that three people at TypeTogether are doing communications, not all the time, but constantly, contributing to the website, designing and producing (look at those beauties) type specimen and catalogues, writing on their corporate blog, interviews, social media, talks, you name it.

Very nice that so many TypeTogether people were in the audience. We spottet Irene Vlachou from Greece, for example, one of their senior type designers since 2013, designing new typefaces as well as contributing to existing projects. There was Roxane Gataud from France, who published Bely at TypeTogether due to their first (please note) Typeface Publishing Incentive Program; Roxane joined in as type and graphic designer in 2016. Well yes, the TypeTogether team reaches from Norway (Ellmer Stefan) to Israel (Adi Stern, Liron Lavi Turkenich) to the Netherlands, Germany, Austria to China (Dr Liu Zhao) to the US (Juliet Shen, Tom Grace, Dr Mamoun Sakkal), with Joshua Farmer as (I cannot not mention my colleague) TypeTogether’s copywriter and editor since 2015. It is impressive. Also the range, variety and quality of retail fonts at TypeTogether, plus they offer custom type, is both impressive and fun to explore – don’t miss, dear graphic designers! Weiterlesen “Recapitulating Typostammtisch #75: Veronika Burian”

11.04.18: Veronika Burian

Please scroll down for English version.

Wie letztes Jahr findet der Typostammtisch im April auch diesmal am Vorabend der Typo Labs statt. Wir treffen uns ausnahmsweise am Mittwoch und freuen uns auf zahlreiche internationale Besucher. Als Sprecherin dürfen wir Veronika Burian von der Foundry TypeTogether bei uns begrüßen.

Veronika studierte Industriedesign in München und arbeitete als Produktdesignerin in Wien und Mailand. 2003 schloss sie das Typeface-Design-Masterprogramm in Reading ab. Gemeinsam mit José Scaglione gründete sie drei Jahre später das Schriftenlabel TypeTogether. Aber genug vorweggenommen. Wie das eine zum anderen führte wird sie uns selbst erzählen.

Wir freuen uns darauf, gemeinsam einem Blick auf die Projekte, Arbeitsweise und Gedanken hinter TypeTogether zu werfen und Einblicke in Veronikas persönlichen Werdegang zu erhalten. Nach dem Vortrag ist dann noch genügend Zeit, um fachzusimpeln und sich mit den internationalen Gästen auszutauschen.

Der Vortrag findet auf Englisch statt.

Wir freuen uns darauf,
euer Typostammtisch-Team

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It probably does not count as a tradition if something is done twice in a row, regardless we are looking forward to again welcome the international type community to Berlin this April. As a perfect start into the intense and interesting days that are Typo Labs 2018, we are very proud to welcome Veronika Burian as our speaker for this special occasion.

After studying Industrial Design in Munich and working as a product designer in Vienna and Milan, she graduated from the Reading’s Typeface Design master program in 2003. Three years later she founded the type foundry TypeTogether together with José Scaglione, publishing original typefaces and collaborating on tailored typefaces for a variety of clients ever since.

We look forward to getting a glimpse of the projects, working methods and thinking behind TypeTogether, as well as getting an inside look at Veronika’s personal career path. After the talk, there will be enough time to get to know the local type crowd and mingle with international guests.

The talk will be in English.

See you soon in Berlin,
your Typostammtisch Team

 

When? On Wednesday, 11th of April, at 7 pm
Where? At LucasFonts, Eisenacher Straße 56, 10823 Berlin-Schöneberg
U-Bahn: U7 to Eisenacher Straße
Bus: M48, M85, 104, 187, N42 to Albertstraße
S-Bahn: S1 to Julius-Leber-Brücke or S1, S41, S42, S45, S46 to S Schöneberg

 


Diesen Monat möchten wir euch auf folgende Events hinweisen:

Petra Rüth veranstaltet ihr nächstes kostenfreies Meetup für alle Schreibinteressierten am 18. April, Zitat Petra: „Vielleicht animiert es einige Theoretiker, sich auch mal praktisch auszutoben“. Autor Jens Müller präsentiert im Gespräch mit Dr. Michael Lailach (Kurator und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kunstbibliothek Berlin) und Typostammtischgast Prof. Bernard Stein (Ott+Stein) das laut PAGE Magazin „beste Buch über deutsche Designgeschichte“: Design-Pioniere. Die Erfindung der grafischen Moderne (parallel auf Englisch erschienen unter dem Titel Pioneers of German Graphic Design): Donnerstag 26. April, 18 bis 20 Uhr, Kunstbibliothek am Matthäikirchplatz 6 in Berlin-Tiergarten, Eintritt frei. Und vom 27. bis 29. April 2018 richten die 24. Leipziger Typotage den Blick auf damals, heute und in der Zukunft.


Die Titelzeile zeigt die Protipo Narrow Semibold Italic von Veronika Burian & José Scaglione.
Das Foto zeigt die Essay Text von Ellmer Stefan im Book Type Catalogue von TypeTogether.

Nachbericht: Mastering Type 2017 und Schrift unterrichten

Schrift „Rock and Roll“ von Pedro Arilla, University of Reading, UK

Es ist Freitag etwa 15 Uhr, als ich eine Mail bekomme – Lucas steht in der UdK vor verschlossenen Türen. Jenny ist unerwartet lange beim Arzt. Schnell schreibe ich eine Mail, dass ich mich unmittelbar auf den Weg mache. Nicht, dass ich etwas an der Situation hätte ändern können, aber in Ruhe weiterarbeiten hätte ich nun auch nicht mehr gekonnt… Gegen 16 Uhr komme ich in der UdK an. Alle Wände sind aufgebaut. Benedikt, Lucas, Jenny und ihre studentischen Hilfskräfte sind nicht mehr zu sehen. Es ist die dritte Ausstellung. Jenny ist schwanger. Unerwartetes passiert. Ärger ist verständlich. Alles wird schön werden.

Ich stehe nur wenige Minuten im Raum, da kommen drei frische Masterabsolventinnen aus Zürich an, mitsamt ihrer Prozessbücher. Lächelnd, frisch und froh. Wir stellen uns vor, bedanken uns für die Bücher und geben noch einen Restaurant-Tipp ab: „Raus. Rechts. Fünf Minuten geradeaus und dann auf der rechten Ecke. Bis gleich.“ Nun noch Stühle platzieren, Bücher zuordnen und anbinden, iPad mit der Detailpräsentation bestücken, den Beamer ausrichten und fegen. Lampen vorne an und hinten aus – die ersten Besucherinnen und Besucher sind da. Schnell wird es voll, der Geräuschpegel steigt – es entwickelt sich eine Schwarmbewegung im Kreis. Quatschen, einen Meter vor, Poster gucken. Quatschen, einen Meter vor, Poster gucken. Quatschen, …

Im Hintergrund Arbeiten aus Zürich
Freitag Abend (Foto Tanja Blaufuß)
Freitag Abend im Medienhaus der UdK Berlin (Foto Lucas de Groot)

Benedikt läuft zwischen den gut 100 Gästen von einem Absolventen zur anderen Absolventin. Wer hat alles eine Präsentation dabei? Wer will sein/ihr Projekt als erstes vorstellen? Habt ihr einen eigenen Computer? Es ist bereits nach 19 Uhr. Mit einem kräftigen „Hallo und herzlich willkommen!“ lenke ich die Aufmerksamkeit auf Benedikt, der die Ausstellung eröffnet. Wie wir Benedikt kennen, erwähnt er Wichtiges gleich zu Beginn: „Der kommende Typostammtisch findet am 15. Februar statt“ und übergibt das Wort schnell und geordnet zu den Hauptakteurinnen und -akteuren dieses Abends.

Gespannt hören alle zu (Foto Sol Matas)

Andreas Schenkel fängt an. Wir erfahren von ihm, wie überfällige isländische Vulkane und eine Reise mit Rad seine Schriftformen und seine Schriftnamen beeinflusst haben. Miklós Ferencz’ Idee liegt in der Menschlichkeit der Fehler. Manchmal fehlen Elemente in den Zeichen, die sich in einem Weißraum widerspiegeln, und manchmal spielt er in seiner Schrift mit dem absoluten Gegenteil: zu viel Schwarz. Wörtlich beschreibt er es als „It’s not a deconstruction, it’s a construction.“ Demgegenüber erforscht Lucas Descroix die Kursive und stellt dabei ihre Verwendung und formale Gestaltung in Frage. Sven Fuchs wiederum geht sehr analytisch vor. Er erforscht Fassadenschriften aus der Nachkriegszeit (genauer aus den 1950-er Jahren) und überstrapaziert ihre Gestaltungsideen, um schlussendlich eine eigene Formsprache zu entwickeln. Ganz anders Ute Kleim. Ihr ist schnell klar, dass sie weniger mit der Gestaltungsidee zu kämpfen hat als mit der Hürde, diese konsequent auf ‚Non-Latin‘ zu übertragen, ohne die Harmonie in ihrer Schriftfamilie zu verlieren. Dabei berichtet sie zum Beispiel von einer unterschiedlichen Wahrnehmung der Schriftgröße in unterschiedlichen Kulturkreisen: „Was für uns gefühlte 8pt sind, ist für andere 10pt.“Tim Meylan hat sich gefragt „What is a font family? And why does sometimes a font family look more like a ‚real family‘ when I take different fonts from other families?“. Martina Meier zeigt uns, welch großen Einfluss eine Schattenachse auf die Gestaltung haben kann und wie sie diese nutzt, um jedem einzelnen Schnitt einen ganz individuellen Character zu verleihen, ohne dabei den Bezug zur Schriftsippe zu verlieren. Weniger beeinflusst von der Vergangenheit, dafür umso mehr begeistert von der Zukunft hat Thom Janssen Variable Fonts nicht nur als neues Font-Format betrachtet, sondern als Mittel zum Entwerfen. Den Spaß am Experimentieren merkt man ihm deutlich an.

Erst Arbeitstitel, dann Gestaltungsidee: „Cowboy“. Hier zu sehen sind die unterschiedlichen Schattenachsen der Schrift von Martina Meier.
Miklós Ferencz präsentiert seine Arbeit (Foto von Tanja Blaufuß und Irene Szankowsky)
Alternative g-Formen aus dem Prozessbuch von Daniel Coull
Doppelseite aus dem Prozessbuch von Eunyou Noh

Schlussendlich haben alle unserer Type Master jeweils mehr als die geplanten fünf Minuten über ihre Idee, ihren Prozess und ihr Ergebnis gesprochen – aber ich denke ich lüge nicht, wenn ich sage, dass wir alle sehr, sehr froh darüber sind. Neben dem ersten Eindruck über die Plakate ist der tiefere Einblick in die Arbeiten ungemein wertvoll. Selbst wenn man sich die Zeit genommen hat, genauer in die Prozessbücher zu schauen, so war es doch ganz anders, die Gefühle über das gesprochenes Wort zu empfangen, als es geschrieben zu lesen. Von den letzten zwei Ausstellungen wissen wir bereits, dass der Master in Type Design für alle eine sehr intensive Zeit ist. Dies durften wir dieses Mal etwas persönlicher erleben als in den Jahren zuvor. Danke dafür. Weiterlesen “Nachbericht: Mastering Type 2017 und Schrift unterrichten”

26.10.17: Typotechnikstammtisch

Geistiges Gut oder Handwerk, Formfindung oder Formgebung, Inspiration oder Automatisierung, Farbe oder Metall, Typo oder Technik. Entgegengesetzte Pole, die sich abstoßen oder doch vielleicht anziehen?

In unserem Typotechnikstammtisch (dem ersten seiner Art) am 26. Oktober präsentieren unsere Vortragenden diverse frei zugängliche Werkzeuge, Miniprogramme und hilfreiche Skripts. In Kurzpräsentationen nähern sie sich typografischen Problemen, offenen Fragestellungen und möglichen Lösungswegen. Es wird um Plug-Ins und Python gehen, aber auch um typografische Helfer für InDesign, das Web und die analoge Welt.
Wir freuen uns auf Beiträge von Andreas „Eigi“ Eigendorf, Ferdinand Ulrich, Frank Rausch, Friedrich ForssmanGeorg Seifert, Jens Kutílek, Lasse Fister, Luc(as) de Groot, Mark Frömberg, Olli Meier und Ulrike Rausch.

Lasst uns gemeinsam den Kurzpräsentationen zuhören, Fragen entwickeln und eventuell Antworten finden. Lasst uns Wissen verbreiten und Tools teilen. Lasst uns verborgene Themen aus dem Schatten locken und in den Vordergrund rücken. Lasst uns einfach einen schönen Abend verbringen und über Inhalte sprechen, die uns bewegen und interessieren.

Wann? Am Donnerstag, den 26. Oktober um 19 Uhr.
Wo? Bei LucasFonts, Eisenacher Straße 56, 10823 Berlin-Schöneberg

U-Bahn: Linie U7 bis Eisenacher Straße
S-Bahn: Linie S1 bis Julius-Leber-Brücke oder S1, S41, S42, S45, S46 bis S Schöneberg
Bus: M48, M85, 104, 187, N42 bis Albertstraße

Bis dahin,
euer Typostammtisch-Team


Diesen Monat möchten wir euch auf folgende typografische Leckerbissen hinweisen:

Am 19. Oktober um 19 Uhr fordern die Design-AbsolventInnen der Universität der Künste Berlin zur Debatte heraus. Where are we now? – Autorenschaft im Design. Eine Ausstellung folgt einen Tag später, am 20. Oktober. Die Ausstellung Gier nach neuen Bildern (Deutsches Historisches Museum bis zum 8. April 2018) zeigt eine Auswahl von 180 originalen graphischen Nachrichtenblättern aus dem großen Sammlungsbestand, die durch komplette Bilderfolgen in Medienstationen ergänzt werden. Vom 20. Oktober 2017 bis 14. Januar 2018 zeigt das Kunstgewerbemuseum – Staatliche Museen zu Berlin in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Bild Wissen Gestaltung” der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität der Künste Berlin die Austellung Form Follows Flower.


Die Titelzeile wurde in der Lisbeth Display von Louisa Fröhlich gesetzt, die bei Type Together erhältlich ist. Das Titelbild stammt aus der Zeitschrift „American Printer“ und zeigt die Zukunftsvision des automatischen Schriftsatzes anno 1912, gesehen in einem Vortrag von Eckehart SchumacherGebler.

05.04.17: David Březina

Achtung: Wegen großem Interesse wurde der Veranstaltungsort geändert!
Attention: Due to high demand, the location of the event has been changed!

Please scroll down for English version.

Unser kommender Typostammtisch findet ausnahmsweise, aus gutem Grund, an einem Mittwoch statt: dem Vorabend der diesjährigen TYPO Labs. Zur Einstimmung auf drei spannende Konferenztage haben wir David Březina von Rosetta Type zu Gast.

David stellt das Rosetta-Team (hier im Interview) mit aktuellen Projekten vor und erklärt, wie sie Arbeitsweisen, Workflow und Tools – Stichwort Editor-Unabhängigkeit – so organisieren, dass eine relativ kleine Firma große Custom-Font-Projekte bewältigen kann. Dabei geht er auch auf Fragen schriftsystemübergreifender Gestaltung und Harmonisierung ein. Im zweiten Teil spricht er über seine Doktorarbeit: „Koherenz in der Schriftgestaltung“. Warum ist es schwierig, zu definieren, was verschiedene Buchstabenformen miteinander verbindet, und warum wäre es gut, Ähnlichkeitsverhältnisse flexibel und wiederverwendbar bestimmen zu können? Gestaltung und Lehre könnten davon enorm profitieren; zudem stellt sich, so David, dank jüngster Erkenntnisse im Bereich „Deep Learning“ die Grundsatzfrage, was Schriften sind.

Achtung, wir treffen uns im Büro von LucasFonts in Schöneberg und freuen uns auf ein internationales Treffen mit regem Austausch: weniger zu den Fonttechnologien selbst (dazu ist in den Tagen danach ausgiebig Zeit), sondern über Arbeitsalltag, Kundenwünsche und Forschung.

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Our next Typostammtisch Berlin will be on Wednesday before Typo Labs: as a perfect start for some super interesting days, and opportunity for conference guests to connect with the local type crowd. Happy to have David Březina of Rosetta Type as our speaking guest!

David introduces the Rosetta team, talks about recent work and how they set up their workflow and tools. Preferring an editor-independent font production process, the relatively small company is able to tackle large custom projects. David will also cover questions of multi-script design and harmonisation. The second part is about his PhD research on coherence in typeface design. Focusing on the difficulty of finding relations between character shapes, David explains why it would be great if these relationships could be formalised in a flexible and reusable way: it might help to design and teach type more effectively, plus, with recent advancements in deep learning, lead us to rethink what typefaces actually are.

We will meet at the office of Lucas de Groot’s foundry LucasFonts in Schöneberg – hoping for a lively exchange: not so much about technologies (plenty of time the days after), but about daily business, clients demands and research.

Der Vortrag findet auf Englisch statt.
The talk will be in English.

When? On Wednesday, 5th of April, at 7 pm
Where? At LucasFonts, Eisenacher Straße 56, 10823 Berlin-Schöneberg
U-Bahn: U7 to Eisenacher Straße
Bus: M48, M85, 104, 187, N42 to Albertstraße
S-Bahn: S1 to Julius-Leber-Brücke or S1, S41, S42, S45, S46 to S Schöneberg

Bis dahin,
euer Typostammtisch-Team


This month we would like to attract your attention to:

The exhibition Writing Pictures – Picture Writing. Chinese Poster and Book Design Today about the emergent graphic design scene in China and Hong Kong, presented in the Berlin Kunstbibliothek – find out about their spectacular graphic design collection (would take some days, actually). For German speaking audiences: On 4th of April, the Staatsbibliothek presents Zwischen Handwerk und Industrie: Der Verlagseinband des 19. Jahrhunderts, a talk by Thomas-Klaus Jacob. Starting on April 1st, the exhibition BERLIN.STADT.MAGAZIN focuses on the design and history of Berlin’s city journals “tip” and “Zitty”.

Our legendary Buchstabenmuseum (Museum of Letters) is closed at the moment, but we cannot not mention it: remember to go there next time to see Barbara Dechant’s exorbitant collection of original shop front letter signs. And then there is the wonderful Museum der Dinge (Museum of Things), which chronicles the product culture of the 20th and 21st centuries, mostly from the archives of the Deutscher Werkbund (founded in 1907). Or just walk around in the here and now of Berlin to find typographic signs all over the place. For inspiration you might like to follow @Berlin_Type@hardwig or have a look here.


Die Titelzeile wurde in einem noch unveröffentlichten Schriftenfwurf von David Březina gesetzt.
Das Foto zeigt ein Detail des Rosetta-Schriftmusters für Nassim von Titus Nemeth.

Auftakt 2017: Ausstellung der Masterarbeiten 2016

Als zweite „Mastering Type“-Ausstellung und 63. Typostammtisch unserer Zeitrechnung konnten wir am Donnerstagabend im Haus der UdK Grunewaldstraße über 100 Gäste begrüßen, die sich freudig über die ausgestellten Schriftentwürfe – in Plakat- und Begleitbuchform – und andere Erfreulichkeiten aus der Branche austauschten.

Insbesondere diese Begleitbücher („Process Books“) der Studierenden aus Den Haag boten spannende Einblicke in die konzeptionelle und handwerkliche Herleitung der einzelnen Schriftprojekte, und sie sind toll gestaltet, geheftet, gebunden, alle verschieden.

Rododendron von Jitka Janečková, Ritual von Daria Petrova, TroisMille von Marc Rouault, Kaligari von Franziska Weitgruber

Sehr schön, dass wir die Prozessbücher wieder mit ausstellen konnten! (Sie werden sonst nur schulintern gezeigt und kaum aus der Hand gegeben.) Hier gibt es weitere Fotos der diesjährigen Den Haager Druckerzeugnisse.

Großer Andrang in der UdK-Galerie im Haus Grunewaldstraße: im Publikum unter anderem Simone Werger, Aleksandra Samuļenkova (Type and Media 2012), Georg Seifert, Andreas Frohloff, Daniel Perraudin (Type and Media 2012), Luc(as) de Groot, Gabby Lord (TYPO Berlin Editorial Team) und Philipp X. Neumeyer (Type and Media 2015), dessen Abschlussarbeit aus Den Haag wir im letzten Jahr ausstellen konnten.

Es freut uns sehr, dass wir einige der Studierenden vom Jahrgang 2015/16 aus Den Haag (Daria Petrova, Inga Plönnigs, Paul Troppmair) und Reading (Katharina Seidl, Manuel von Gebhardi) bei unserer Ausstellungseröffnung begrüßen durften; sie stellten ihr Studium, ihre Schule und die jeweilige Ausrichtung kurz vor.

Paul Troppmair (Type and Media 2016), flankiert von seinen Kursgenossinnnen Inga Plönnigs und Daria Petrova, erklärt Grundzüge des Schriftstudiums in Den Haag (Foto Jens Kutílek).

Die Schriftgestaltungsstudiengänge in Den Haag und Reading sind derzeit die wohl bekanntesten und etabliertesten. So widmet sich ein Artikel in der aktuellen Ausgabe der PAGE (03.17, Seite 106 ff) diesen beiden Schulen, ihrer Lehre und den Alumni. Das allerdings sind bei weitem nicht die einzigen Möglichkeiten, Schrift zu studieren: 2016 ergänzten wir die Ausstellung mit Arbeiten aus dem Moskauer Type Design Workshop von Alexander Tarbeev, dieses Jahr zeigten Studierende aus Frankreich und Tschechien ihre Schriftprojekte.

Frankreich
Im rund eine Stunde von Paris entfernten Amiens unterrichten an der École supérieure d’art et de design unter anderem Alice Savoie, Patrick Doan, Frederik Berlaen und Jean-Baptiste Levée. Der von Sébastien Morlighem geleitete Kurs „Typography & Language“ dauert 16 Monate, die Auseinandersetzung mit einem nichtlateinischen Schriftsystem ist erwünscht, aber nicht verbindlich gefordert. Die Klassengröße beträgt meist fünf Studenten; je nach Bedarf findet der Unterricht auf Französisch oder Englisch statt. Zu den Absolventinnen zählen unter anderem Titus Nemeth, Alisa Nowak und Sandrine Nugue. In den letzen Jahren machten Studenten aus Amiens zum Beispiel beim Typeface Publishing Incentive Program von TypeTogether (aktueller Anmeldeschluss: 31. März 2017) auf sich aufmerksam. 2014 gewann Roxane Gataud mit ihrer inzwischen erschienen Bely, zuletzt setzte sich Quentin Schmerber mit Temeraire gegen die Konkurrenz durch. Neben dem Studium werden in Amiens auch in unregelmäßigen Abständen Ausstellungen und Konferenzen organisiert, wie die Sans Everything im vergangenen Oktober.

Das Atelier National de Recherche Typographique (ANRT) in Nancy leitet seit Oktober 2012 Thomas Huot-Marchand. In dem 18 Monate dauernden Kurs unterrichten zum Beispiel Alice Savoie, Émilie Rigaud, André Baldinger und der Deutsch-Franzose Jérôme Knebusch, der, jetzt steht es fest, zum nächsten Typostammtisch (am 23. Februar) nach Berlin kommen und einen Vortrag bei uns halten wird. Mangelnde Französischkenntnisse stellen auch in Nancy keine Hürden dar, man unterrichtet gern auf Englisch. Die Größe der Jahrgänge ist ähnlich wie in Amiens; eine Vorschau auf aktuelle Projekte, die in den nächsten Monaten abgeschlossen werden (fünf an der Zahl), gibt es hier. Auch kann man, nach erfolgreichem Abschluss des Masterkurses, in Nancy sein Studium mit einem PhD weiterführen. Einer der Forschungsschwerpunkte am ANRT ist aktuell das Thema „Automatic Type Design“: Bereits zum zweiten Mal fand zu diesem Thema 2016 eine mehrtägige und -sprachige Konferenz in Nancy statt.

Tschechien
Aus Prag war Schriftgestalter-Dozent-Tausendsassa Radek Sidun angereist, der die Ergebnisse seines letzten Studienprojekts vorstellte. Nach den preisgekrönten und auf der ATypI 2015 in São Paulo präsentierten Bestsellers (es ging darum, Schriften nach vorher destillierten Verkaufserfolgskriterien zu gestalten, was für einigen Aufruhr sorgte), bekamen die Studierenden nun jeweils eine bekannte, klassische Schrift vorgegeben (!), irgendeine, die sie weiterentwickeln sollten. Diese Evolution ist zu betrachten auf dem Briefcase Foundry Blog, der auch zu anderen Themen fundeirtes zu bieten hat (Lieblingslesetipp aktuell: Czech TV Type).

Warum dies so ausführlich, wenn es doch (noch) keinen reinen Schrift-Master-Studiengang an der Kunstakademie in Prag gibt? Weil es hier viel zu entdecken gibt: Prag ist ein wunderschöner Studienort, nah an Berlin und verhältnismäßig kostengünstig. Die Typo-Szene ist klein und extrem engagiert, originell, bringt exzellente Ergebnisse hervor. Manchen Designern gelten tschechische Schriftentwürfe als Geheimtipp. Mit Radek Sidun setzen sich Tomáš Brousil (Briefcase Foundry) und Karel Haloun als Dozenten für Schriftgestaltung und Typografie ein; maßgeblich in der Szene vor Ort und international sind auch Filip Blažek und die tolle Linda Kudrnovská, Herausgeberin und Chefredakteurin des (mit der ersten Ausgabe 2015) sofort zum Standardwerk avancierten 365typo Yearbook of Type.

Vorschau auf das nächste Studentenprojekt aus Prag (es geht um Bier, soviel sei verraten) …
Radek Sidun mit den Arbeiten seiner Studierenden; das Projektthema war die Weiterentwicklung einer bekannten Schrift: Evolution.

Hervorheben möchten wir die Tatsache, dass die Klasse aus Den Haag gleich mehrere Preisträger/innen beim diesjährigen Morisawa-Wettbewerb hervorbrachte: Bart Vollebregt konnte sich mit seiner Schrift Vonk sowohl den prestigeträchtigen Morisawa Award in Gold als auch den Akashi Award sichern, Jitka Janečková bekam für Rhododendron Silber; eine Lobende Anerkennung – Honorable mention – erhielt Marc Rouault für seine TroisMille; Daria Petrova mit ihrer grabsteininschriftinspirierten Ritual und Inga Plönnigs mit der extremschmalmagerscharf linksgeneigten Magnet gelang der Sprung auf die Shortlist (sprich: in die ganz enge Auswahl). Herzlichen Glückwunsch von unserer Seite!

Philipp Neumeyer vertieft sich in das „Process Book“ seiner LucasFonts-Kollegin Daria Petrova zu ihrer Schrift Ritual (und denkt mutmaßlich über den Sinn des Lebens nach).

Weitere Informationen zu allen präsentierten Abschlussarbeiten:
MA Typeface Design Reading 2016
Type and Media Den Haag 2016
Typographie & Langage Amiens 2014–2016
Atelier National de Recherche Typographique Nancy 2015
Type Design and Typography Prag 2016

Und noch ein paar Fotos vom Ausstellungsabend:

Weiterlesen “Auftakt 2017: Ausstellung der Masterarbeiten 2016”

26.01.17: Mastering Type 2016

Wir wünschen euch allen ein schönes neues Jahr! Mit unserem Auftakt 2017 manifestieren wir eine beginnende Tradition (ihr erinnert euch) – und präsentieren erneut internationale studentische Schriftprojekte ausgewählter Schulen:

Neben den Abschlussarbeiten 2016 der frischgebackenen Type Design Master aus Den Haag (NL) und Reading (GB) sind dieses Mal Arbeiten von Studierenden aus Amiens und Nancy (beides in FR) sowie Prag (CZ) vertreten; zusätzlich zeigen wir Plakate aus dem Evolution-Projekt vom Type Design and Typography Studio in Prag.

Welche Schwerpunkte setzen die einzelnen Schulen? Erkennt man das an den Ergebnissen? Wie werden die Studierenden betreut? Absolventen und Absolventinnen der Studiengänge freuen sich über regen Austausch. Neben den vielen neuen Type Master, Preisträgerinnen und unseren Gästen aus Prag erwarten wir natürlich auch Lehrende und Lernende der Berliner Design-Hochschulen und alle, die sich für eine fundierte Ausbildung in Sachen Schriftgestaltung interessieren. Die Arbeiten sind – zumal in dieser Zusammenstellung und mit so vielen Beteiligten – nur hier und jetzt zu sehen (zum Teil mit ausführlichen Dokumentationen, die sonst nur in den Schulen oder privat gezeigt werden). Lasst euch das nicht entgehen.

Achtung, wir beginnen pünktlich, müssen den Abend relativ straff gestalten, gegen 21:30 zum Ende kommen und die Räume um 22 Uhr schließen. Getränkeverkauf vor Ort.

Wann? Am Donnerstag, den 26. Januar 2017 um 19 Uhr (Einlass 18:30)
Wo? Im Medienhaus der Universität der Künste Berlin,
Grunewaldstraße 2–5, 10823 Berlin, in der Galerie im Erdgeschoss
U-Bahn: Linie U7, Haltestelle Kleistpark
Bus: Linien 106, 187, 204, M48, M85, N7, Haltestelle Kleistpark

Bis dahin, wir freuen uns!
Euer Typostammtisch-Team

PS
Dieses Mal können wir die Ausstellung verlängern. Am Freitag und Samstag jeweils in der Zeit von 12 bis 18 Uhr kommt gern nochmal vorbei und betrachtet die Arbeiten in Ruhe.