Was ist der aktuelle Stand im Typedesign? Womit beschäftigen sich Studierende zur Zeit, welche spannenden Ideen werden umgesetzt? Wie viel kann man eigentlich innerhalb von kurzer Zeit wuppen? Das fragen wir uns jedes Jahr und stellen für euch in der Veranstaltungsreihe Mastering Type die Abschlussprojekte verschiedener Typedesign-Studiengänge aus. Dieses Jahr dabei: Reading (UK), TypeMedia (NL), TypeParis (FR), Estienne (FR) und Écal (CH).
Achtung, diesmal findet der Typostammtisch nicht wie gewohnt donnerstags statt. Die Ausstellungseröffnung ist am Freitagabend. Am Samstag könnt ihr die Projekte noch einmal in Ruhe anschauen. Zusätzlich wird es Kurzvorträge geben, bei denen einige Studierende ihre Arbeiten genauer vorstellen. Zu Gast sind wir wie gewohnt in den Räumen der Universität der Künste.
Samstag, 27.05.2023/ Saturday Vorträge Alumni: 15 Uhr / Project presentations 3 p.m. Ausstellung ist geöffnet von 15 bis 18 Uhr / Exhibition is open from 3 to 6 p.m.
Wo? Im Medienhaus der Universität der Künste Berlin, Grunewaldstraße 2–5, 10823 Berlin Galerie im Erdgeschoss / Ground floor
Bis dahin, wir freuen uns! Typostammtisch-Team
Es ist wieder Konferenzzeit! Vom 9. bis 14. Mai findet die ATypI in Paris statt. Es gibt vergünstigte Remote- und Studi-Tickets. Zeitgleich, nämlich vom 12. bis 14. Mai, steigen die Leipziger Typotage. Ihr habt also die Qual der Wahl. Wieder Paris: Am 3. Juni findet die NOW23 statt, organisiert vom auch bei unserer Ausstellung präsenten Studiengang TypeParis. Selbst wenn ihr nicht die Leipziger Typotage besucht, sondern einfach so mal in Leipzig vorbeikommt, bietet sich das Museum für Druckkunst an: Bis 18. Juni ist die aktuelle Ausstellung Dafi Kühne – Buchdruckplakate dort zu sehen. Auch in Berlin gibt’s natürlich tolle Museen: Kennt ihr z.B. schon das Haus des Papiers? Am 6. Juni treffen sich die Verlage Korbinian und März im Rahmen der Staatsbibliothek-Reihe IndieStabi zum Gespräch. Und am 15. Juni findet zum ersten Mal der PrintGarden in der p98a statt, ein Festival mit Live-Printing, Verköstigung und Beteiligung etlicher lokaler Druckereien. Zu guter Letzt geht noch ein Gruß an die Kolleginnen und Kollegen im Ruhrgebiet, dort gibt’s nämlich neuerdings auch einen Typostammtisch RheinRuhr. Juhu!
Die Titelzeile ist in der Cosm Decay Hard von Benn Zorn gesetzt.
Von Maschinen, die schreiben und den endlosen Möglichkeiten der Buchbindung: Ulrike Rausch und Lea Giesecke stellen ihre Master-Arbeiten vor.
Ulrike Rausch ist Schriftgestalterin, ihre Type Foundry ist LiebeFonts. Für uns beleuchtet sie, wie neue Technologien analoge Schreibgewohnheiten und den Stellenwert von Handschrift verändern. Ulrike beschäftigt sich mit der Frage, welche neuen Formen des Schreibens wir zukünftig mit Robotern und Künstlichen Intelligenzen schaffen können. Für ihre Arbeit hat sie mit einem Roboterarm experimentiert und eigene schreibende Maschinen gebaut. Ein Bestaunen von Mensch-Maschine-Kreationen.
Lea Giesecke ist Grafikdesignerin mit Schwerpunkt auf Print. Mit ihrem BuchBauKasten-Projekt erläutert sie uns die Elemente der haptischen Buchgestaltung. Im freien Umgang mit verschiedenen Techniken entstehen neue Ideen für unkonventionelle Bücher und Buchobjekte. Leas vielseitiger BuchBauKasten eignet sich als Lehrmaterial für Studierende und Lehrlinge, als Inspiration für Gestalterinnen und Künstlerinnen, für Beratungsgespräche in Druckereien, Buchbindereien und Verlagen. Ein Eintauchen in die Buchkunst.
Und für alle, die zu unserem vorletzten Event, dem Typostammtisch #101, nicht dabei sein konnten, gibt es hier den Nachbericht.
Wann? Donnerstag, 27. April 2023, 19 Uhr Wo? Eisenacher Straße 56, im Studio von LucasFonts, 2. Hinterhof, 10823 Berlin-Schöneberg
Wir freuen uns, Pia Christmann und Ann Richter sind bei uns! Dieses Mal wurde als Speakers Imbiss (neue Rubrik) selbst gebackenes Brot, gesundes Grün-Rot, frische Butter und Käse gereicht. Kam an. Pandan. Was für ein guter Klang, schon im Namen. Mehr dazu später.
Studio Pandan, gegründet 2015, haben enorme Strahlkraft insbesondere für jüngere und noch studierende Kolleg·innen. Alle anderen sind ebenso be- bis leicht entgeistert. Warum, das entfaltet sich unmittelbar durch ihre Präsenz und Projekte. Die ruhige, sorgfältige Art ihrer Arbeitsweise kommt schon im gemeinsamen Vortrag raus, das sensationell Neue, Frische ihrer Gestaltungsideen wirft uns umso mehr um und verblüfft quasi stufenweise, je genauer man hinschaut.
Den Namen erklären wir später noch …
Entspannt und konzentriert folgen wir dem Duo in ihrer Präsentation. Die beiden kennen sich seit ihrem Studium in Leipzig (HGB Hochschule für für Grafik und Buchkunst) und sind gut eingespielt. In ihren Projekten ist zu sehen, und Lukas Horn stellt es durch seine Beobachtung am Schluss heraus, dass bei jedem Projekt die Typografie ganz am Anfang kommt.
… und dieses Projekt weiter unten.
Wie arbeiten sie? Sie suchen und sammeln Schriften in einer Art Mood Board, die in Frage kommen könnten für das jeweilige Projekt. Sie tüfteln und bearbeiten diese Schriften, schreiben selber Skripte (in InDesign), um sie nicht für das jeweilige Projektkonzept irgendwie passend zu machen, sondern mit den Inhalten, ja, zum Teil zu verschmelzen.
Ein Beispiel dafür ist ganz offenkundig „das Wasserfall-Projekt“, das anders heißt, aber so in Erinnerung bleibt. Weil die Schrift wasserfallartig von oben nach unten herunterfällt, kleiner wird auf den Buchseiten: innerhalb der Überschriften und Fließtexte (sic!). Es handelt sich um den Ausstellungskatalog zu Dem Wasser folgen, Kunsthalle Bielefeld. In Assoziationen und Reflexionen berührt die Schau ökologische bis philosophische Aspekte rund um das große Thema Wasser. Nach dem Motto Thinking about water is thinking about the future der Künstlerin Roni Horn nutzen Studio Pandan für die Kataloggestaltung umweltfreundliche Papiere und Blautöne als Schrift- und Hintergrundfarbe für die abgebildeten Kunstwerke. Blaues Affichenpapier wird zum durchgehenden Materialmotiv. Stichwort Schrift: Es handelt sich um die (hier vorab veröffentlichte) New Edge von Charlotte Rohde, die mit ihren „teils fluiden Formen und wie mit Farbe gefüllten Ink-Traps“ perfekt zum Thema passe. Spannend die Struktur des Buches und wie diese den Lesefluss (!) beeinflusst (!): Der Haupttext mäandert durch das Buch, immer mal wieder auf und abtauchend.
Schriften, die ins All ausmorphen
Als weiteres Beispiel sei die futuristisch ins All hinausmorphende Kursive im Künstlerbuch für Zach Blas genannt. Oft bindet er Künstliche Intelligenz methodisch in seinen Arbeitsprozess ein. Konsequent haben Studio Pandan in Bezug auf die Typografie auch mit Technologie und Automatisierung gearbeitet, genauer gesagt (auf Rückfrage von Verena Gerlach) mit InDesign-Skripten, beispielhaft hier bei diesem Projekt so: InDesign-Skript —> zufälliges Mischen von zwei verschiedenen Schnitten der LL Unica 77 —> „Glitch-Ästhetik, wie sie auch in Blas’ Arbeiten auftaucht“, so Ann und Pia.
Der Künstler und Autor Zach Blas befasst sich mit Technik, Queerness und politischen Themen.In Zach Blas’ Welt gibt es ein alternatives „Contra-Internet” und KI-generierte Weissagungen einer Zukunft, in der Eidechsen und Elfen angesiedelt sind.Methode: InDesign-Skript —> zufälliges Mischen von zwei Schnitten der LL Unica 77 … —> „Glitch-Ästhetik, wie sie auch in Blas’ Arbeiten auftaucht“ (Projektfotos: Studio Pandan)Schriften, die ins All ausmorphen (Foto: Studio Pandan)
Studio Pandan nutzen Silber, Neongrün und Neonpink als Sonderfarben zusätzlich zur CMYK-Skala, um die beeindruckenden Farben seiner Installationen ins Buch zu übersetzen. „Für den Part, wo Elfen sprechen, haben wir der Schrift einen Glow verliehen und mit Silber auf die Bilder gedruckt“ (dies bezieht sich auf besagte Kursive, wo sie nicht mit der Schriftschnittmischung arbeiten). Herausgegeben und beauftragt wurde das Buch durch das Edith-Russ-Haus für Medienkunst (Verlag Sternberg Press, Produktion print professionals und DZA Druckerei zu Altenburg).
Von der Straße …… ins Museum.
Pandemiefreundliche Puzzle-Edition
Bei den freien Projekten, mit denen Pia Christmann und Ann Richter sich beschäftigen, geht es um gesellschaftskritische Themen wie Feminismus und Design. Ihr „Pandemieprojekt“ war More Women Solo Art Shows. Zur Demo am 8. März 2020 zum Internationaler Frauentag hatte Stefan Marx in einer markanten weißen Versalschrift Plakate mit Parolen gestaltet, die auf vielen Fotos zu sehen waren und für hohe Aufmerksamkeit und Wiedererkennung sorgten. Angeregt davon, entwickelten Studio Pandan eine Puzzle-Edition, und konnten das Museum Villa Stuck von der Idee überzeugen, das Puzzle herauszugeben und damit in Serie zu gehen.
Hochschulfreundliche Kooperationen und verpixelte Handtücher
In einem Plakat-Workshop an der Muthesius Kunsthochschule Kiel regten Ann und Pia Studierende dazu an, mit den verschiedenen typografischen Genderformen visuell zu experimentieren. Zur Unterstützung des Crowdfundings von Hannah Wittes Buch Typohacks gestalteten sie das Plakat Un_Writing Gender, auf dem sie die traditionellen, binären weiblich-männlich-Zeichen zerhäckseln. Der Titel bzw. Slogan ist eine Referenz zum Konzept Un_doing Gender (Hirschauer, Butler); als Schrift verwenden sie die Apparat von Lisa Drechsel.
Am Überbrücken von zu engen Wertesystemen ist Studio Pandan auch in einem größeren Kontext gelegen. Für das Kunstfestival Balade Berlin im Stadtteil Charlottenburg gestalteten sie die Visuelle Identität – und installierten vor dem sehr feinen Hotel Savoy drei Flaggen mit der Aufschrift UN_DOING CLASS. Den Claim setzten sie in der Flemish Script, einer klassizistischen, monumentalen Antiqua, auch in Anlehnung an Marcel Broodthaers und wegen des exquisiten Flairs, das diesen Schrifttypen anhaftet. Allerdings sparten sie nicht an Effekten. „Denn uns geht es natürlich um den Bruch und die Infragestellung von Klassen und Schubladen – nicht nur in Stilen“, erläutern sie. „Das wird spätestens auf der Bildebene klar, auf der wir mit ,Poor Images‘ gearbeitet haben, verpixelten Abbildungen von Strandtüchern. Die „Kitschmotive aus dem Internet“ kamen, handtuchgroß aufgeblasen, nicht nur in Charlottenburg gut an.
Die „Kitschmotive aus dem Internet“ kamen, handtuchgroß aufgeblasen, nicht nur in Charlottenburg gut an. Brüche im Design, Brüche in Erwartungen und stilistischen Vorurteilen zu einem Berliner Stadtteil?
Im Nachhinein stellen wir gemeinsam fest: Die pandemiebeeinflusste Aufteilung von Studio Pandan und Eps51 (siehe Nachbericht), die in einem Haus sitzen und die wir ursprünglich zusammen einladen wollten, war viel besser! Jede hatte viel, viel Raum und die Zusammenbringung von Schriftanwender·innen mit Schriftgestalter·innen ist richtig produktiv. Zumal, wenn der Umgang mit Schrift und den Mitteln der Typografie so außergewöhnlich und fundiert geschieht.
Eine spannende Frage aus dem Publikum war, wie Pandan ihre Auftraggeber·innen von ihren Gestaltungen überzeugen. Es werde immer weniger nötig, sagt Pia, und Ann ergänzt „wir haben dafür keine spezielle Strategie ausgeheckt“. Aber: Sie würden ihre Ideen erklären, die konzeptionellen Gedanken auch hinter Details. Dazu passte der visuell-verbale Abschluss der Präsentation, bei dem Pia diverse Textauszüge und Zitate aus einiger ihrer Projekte zeigt. Jedes davon könne als Motto für sie als Kreative verstanden werden.
Vielen Dank, dass ihr da wart, liebe Ann, liebe Pia!
Oder umgekehrt: Pia, Ann. Pandan. Ihr Name, auch dieses Geheimnis wurde auf eine Publikumsfrage hin gelüftet (die mich als Texterin besonders freute), lässt ihre Vornamen anklingen. Pandan habe (a) einen sehr schönen Klang und erinnere an Pan Am, so Pia; Pandan ist eine südostasiatische Pflanze und damit ein persönlicher Bezugspunkt für Ann – es gibt sie auch als sehr leckere Eissorte, empfiehlt im Publikum Verena Gerlach, die Autorin denkt an dieser Stelle: das neue Waldmeister! Muss ich probieren. Zudem ist Pandan (c) knallgrün, also Logofarbe fürs Studio und ein Statement: für mehr Farbe in der visuellen Gesaltung. Die Menschen mögen Farbe, ziehen die beiden noch als Fazit aus ihrer Arbeit. In diesem Sinne: Pandan!
Der Abend klingt noch lang und mit fröhlichen, angeregten Gesprächen aus. Ich erinnere mich an Christoph Koeberlin (Sportfonts), wie er unsere Vortragenden beruhigt: Schrift-Nerds seien „gar nicht so schlimm“ und kritisch als Publikum (damit, ob und wie alle Schriften genannt werden). Ich erinnere mich an das Hamster-Gespräch mit Typostammtisch-Gründer Ivo Gabrowitsch (Fontwerk) über Schriftnamensfindungsprozesse, die meist keine seien, sondern ihm entspringen (oder wie Hamster von den Gestalter·innen kämen). Ich erinnere mich an viele neue Gesichter beim Typostammtisch und viel freudige Begeisterung über die schöne Location – Riesendank an Luc(as)/LucasFonts)! Ich denke an meine Kollegin Gosia Warrink von der UdK (Universität der Künste) Berlin, mit Katja Koeberlin als Design-Studio Amberpress, und an unsere Studierenden und wie alle aufeinander zugingen. Ich erinnere mich an meine Aufregung, danke Lukas für die Co-Moderation (!!!) und wie ungewohnt und schön doch wieder solche Zusammenkünfte sind …
Was wir euch außerdem noch sagen wollten …
Mit diesem Typostammtisch haben wir einen neuen Alterspannweitenrekord aufgestellt! Trommelwirbel, Tusch: von 14 Jahren (LucasFonts-Schülerpraktikantin Neike) bis 85 Jahre (Klaus Rähm). Auf die nächsten 100 Jahre Typostammtische, die mit der Ausgabe 101 sehr schön begonnen haben. Nicht vergessen: Newsletter = Einladung zu 102 ff.
Lukas Horn und Sonja Knecht, Team Typostammtisch mit Pia Christmann und Ann Richter, Studio PandanAnn Richter & Pia Christmann glücklich und erschöpft nach ihre tollen Präsentation – vielen Dank nochmals euch beiden! War super.
(Fotos: Sonja Knecht, Lucas de Groot und Dr. Thomas Maier / Typostammtisch Berlin)
Im Februar 2019 fand die erste Type-Crit-Ausgabe des Berliner Typostammtischs statt, im Februar 2020 die zweite. Und wer hätte nach diesem fulminanten Start der Reihe gedacht, dass es weitere drei Jahre dauern würde, ehe wir die dritte Veranstaltung jener Art ankündigen würden? Nun ist es aber endlich so weit: Type Crit, die dritte!
Mit René Bieder, Luc(as) de Groot, Christoph Koeberlin, Daria Petrova, Inga Plönnigs und Erik Spiekermann stehen bzw. sitzen euch sechs einschlägige Expert·innen einen Abend lang Rede und Antwort, schauen auf eure Schriftentwürfe und geben Feedback. Nutzt diese Chance und kommt mit euren Arbeiten – seien es bloß vage Ideen, Uniprojekte, Skizzen oder fast fertige Fonts. Aber auch einfach nur zuschauen, mitdiskutieren, sich inspirieren lassen und lernen ist erlaubt! Wir wollen euch hierfür einen geschützten Rahmen bieten, in dem ihr eure Projekte vertraulich teilen und einen respektvollen Austausch erwarten könnt.
Als Ort haben wir einen gewählt, der auch ohne den Typostammtisch schon randvoll mit Buchstaben ist: die Druckwerkstatt p98a in der Potsdamer Straße. Wenn ihr schon etwas früher da sein solltet, könnt ihr euch die Zeit bis zum Stammtisch im Camaro Haus drei Stockwerke über der p98a vertreiben (siehe Veranstaltungstipps unten).
Einem Abend ganz im Zeichen der Zeichen steht also nichts mehr im Wege. Für Getränke und kleine Snacks sorgen wir – ihr bringt bitte Ausdrucke eurer Arbeiten mit!
Wir freuen uns auf euch und eure Arbeiten.
Wann? Donnerstag, 30. März 2023, 19 Uhr Wo? p98a, Potsdamer Straße 98a (Hinterhof, EG), 10785 Berlin
Bis dahin, euer Typostammtisch-Team.
Die Ausstellung Erik Spiekermann – Schriftgestalten im Camaro Haus (im 3. OG über der p98a) könnt ihr bis zum 05. April anschauen – zum Beispiel direkt vor dem Stammtisch. Am 24. März um 18 Uhr findet die Eröffnung der Gruppenausstellung Heimspiel. Kunst im Funkhaus #1 mit u.a. Sonja Knecht statt (Ausstellung bis 14. April; Mo–Fr 10–18 Uhr; Nalepastraße 18, Block A, Treppe B, EG). Seit Ende Februar läuft im Buchstabenmuseum die Ausstellung Final Sale – vom Kaufhaus ins Museum (bis 17. September). Am 4. April findet in der Staatsbibliothek die Veranstaltungsreihe Indie Stabi statt, bei der sich unabhängige Verlage vorstellen. Dieses Mal: Secession Verlag und ciconia ciconia. Wer bis zum 17. September in Hamburg ist, kann die Ausstellung THE F*WORD – Guerrilla Girls und feministisches Grafikdesign mit Beteiligung von u.a. Yi Meng Wu und Golnar Kat Rahmani im Museum für Kunst und Gewerbe besuchen. Über Kickstarter habt ihr die Möglichkeit die Type Designerin Małgorzata Bartosik bei der Veröffentlichung ihres Buches über den polnischen Poster- und Typedesigner Bronisław Zelek zu unterstützen.
Die Titelzeile ist aus der Coconat bold extended von Sara Lavazza gesetzt, die als kostenlose Open-Source-Schrift über Collletttivo erhältlich ist. Das Titelbild zeigt Sina Otto und Luc(as) de Groot bei der letzten Type-Crit-Session 2020 und stammt von Sonja Knecht.
Wir holen im Februar endlich unseren Abend mit Studio Pandan nach! Gründerinnen Pia Christmann und Ann Richter geben uns Einblicke in ihre Arbeit und ihren Zugang zur Typografie.
Und für alle, die zu unserem letzten Event, dem Typostammtisch #100, nicht dabei sein konnten, gibt es hier den Nachbericht.
Wann? Donnerstag, 23. Februar 2023, 19 Uhr Wo? Eisenacher Straße 56, im Studio von LucasFonts, 2. Hinterhof, 10823 Berlin-Schöneberg
Bis dahin, euer Typostammtisch-Team
Am 16.2. um 19 Uhr wird der Vortrag Counter Session #4, Cyberfeminism Index with Mindy Seu in der Galerie A-Z presents gehalten. Parallel dazu – selber Abend, selbe Zeit – wird es Vorträge von Yana Vekshyna und Benn Zorn bei TypeThursday geben (Anmeldung erforderlich, Ort ist LucasFonts). Am 23.2. findet die Lesung Gestaltung ist Haltung – Vom Aussen und Innen der Bücher in der StaBi statt (um Anmeldung wird gebeten). In Potsdam gibt es gleich zwei Ausstellungen von der Künstlerin Ruth Wolf-Rehfeldt zu entdecken. Ihre Schreibmaschinenkunst wird vom 11.2. bis 5.5. im MINSK und ihre Mailart bis zum 16.4. im Kunstraum (c/o Waschraum) ausgestellt. Bis zum 30.4. bespielt Monica Bonvicini die Neue Nationalgalerie mit ihrer Kunst, teilweise auch mit räumlichen Schriftinstallationen. Bis zum 14.5. gibt es in der Ausstellung Broken Music Vol. 2 im Hamburger Bahnhof viele Plattencover zu sehen, die neben dem Grafikdesign auch mit interessanter typografischer Ausstellungsgestaltung begeistern.
Die Titelzeile ist in einer unbenannten Antiqua von Trifon Andreev gesetzt.
Wisst ihr noch? In der Kindheit war es immer ein großes Diskussionsthema, ob es nun von Vor- oder Nachteil sei, an bzw. um Weihnachten Geburtstag zu haben. Wir wollen die Frage nicht strapazieren, nur so viel: Für den Typostammtisch ist es kein Problem – im Gegenteil. An diesem besonderen Abend kommt eine Menge zusammen: die weihnachtlich geschmückte Kirche und die Erinnerung an Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben; das traditionell im Dezember abgehaltene und in den letzten Jahren pausierte Quiz – und das 100-jährige Jubiläum … äh, die 100. Ausgabe des Typostammtischs (est. 2006).
Stefan Pabst und Sol Matas beim Aufbau
In der als Veranstaltungsort genutzten Zwinglikirche in Friedrichshain steht bereits ein opulenter Weihnachtsbaum, als Sol Matas zum Aufbau mit drei Luftballons in Form einer Eins und zwei Nullen ankommt. In dieser Kombination verkaufen das Ballonvertriebsmenschen sicherlich auch nicht jeden Tag. Die Vorbereitungen laufen: Kirchenbänke an den Rand tragen, Bestuhlung und Tische aufbauen, die Leinwand platzieren, die vorab gesendeten Geschenke protokollieren und auf dem Gabentisch arrangieren – da kommen auch schon erste Menschen mit weiteren Geschenken an. Herzlichen Dank dafür, eine detaillierte Auflistung findet ihr unten. Der Glühwein dampft (Dank an Bartender Stefan und den Kulturraum Zwinglikirche e.V.) und lädt ein, im beheizten Seitenschiff kurz die Hande aufzuwärmen.
Aber wir merken schon: Die Anwesenden sind vor allem heiß aufs Quizzen.
Wir beschränken also unsere Jubiläumsansprache auf kurze Danksagungen an verdiente Typostammtischteammitglieder (Ivo Gabrowitsch, Florian Hardwig, Benedikt Bramböck, Verena Gerlach, Olli Meier, Fritz Grögel, Sebastian Carewe, sowie das aktuelle Team), ein „Hallo“ an Stammgäste und neue Gesichter. Schön, dass ihr mit uns feiert!
Handtaschen, Hühnereier und hundertste Geburtstage
Dann geht’s endlich los: Quizmaster Stefan Pabst verkündet die Fragen, die er gemeinsam mit Jürgen Huber und Sebastian Carewe ausgetüftelt hat (die drei waren anno 2019 im 2. Gewinnerteam). Die ersten zehn Fragen sind für Schriftspezis durchaus kniffelig, da sie den typografischen Kontext sehr weit fassen. Bittersüßen Zwischenapplaus gibt’s zum Beispiel für die Aufgabe, die Logos bekannter Luxusmarken nach der Reihenfolge von Geschäften auf dem Ku’damm zu ordnen. Als dann eine weitere „Handtaschenfrage“ (O-Ton aus dem Publikum) kommt, sind die ersten schon angesäuert. Flexibel bleiben, Leute! 🙂 In dieser ersten Phase des Quizzes mäandern wir gemächlich, unser Allgemeinwissen vergrößernd, zwischen Emoticons, Länderflaggen und Codes auf Hühnereiern.
Frage #13 dreht sich dann um Adobe Illustrator und maximale Punktgrößen – durchaus also ein Typothema im engeren Sinne. „Endlich!“ schallt es da vom im Verlauf des Quizzes lautesten Tisch (wie sich letztlich herausstellt: der Gewinnergruppentisch). Dann aber: „Ach nee, weiß ich doch nicht.“ Nun ja. Weiter geht’s mit zerschnipselten Berliner Logos (modulor, Friedrichstadtpalast, TU, BZ, …) und Personenraten anhand von Lebensdaten (Gutenberg, Frutiger und G. Zapf – diese drei Punkte räumen fast alle Gruppen ab). Es folgen die Zuordnung von Farben zu RGB-Werten („Cmyk wär’ ja leicht“, gibt das Publikum zu), Fragen zu Instagram und Netflix und schließlich das beliebte Punzenraten. „Jetzt sind sie in ihrem Element“, flüstert da der Quizmaster zufrieden. Wer den tgm-Newsletter erhält und liest, kann schließlich auch die Frage beantworten, wer an diesem 15. Dezember 100 Jahre alt geworden wäre. „Auf Kurt!“, skandieren einige mit klirrenden Glühweintassen.
Finale, Tradition und Zukunft
Nach der Auswertung der 29 Fragen steht das Team mit der höchsten Punktzahl fest. Es besteht aus Andreas Frohloff, Anton Koovit, Gunnar Bittersmann, Roman Wilhelm und Stanisłav (Nachname gesucht!). Um den Finaleinzug schätzen Benedikt Bramböck und Yaron Zimmermann aus zwei punktgleichen Teams um die Wette: „Wie viele Follower hat Dinamo auf Instagram?“ Benedikt ist nah dran und sitzt folglich neben Roman im Finale.
Das Raten von europäischen Nummernschildern mit geschwärztem Länderkürzel geht punktlos vorüber. Is’ aber auch schwierig …! Das 1:0 macht Roman beim Teilen einer Strecke im Goldenen Schnitt durch Befestigen eines Klebezettels auf der Leinwand. Es folgen die Fragenblöcke „Die Schriften welcher Foundry bilden diese Worte?“ bzw. „Welcher Schriftname verbirgt sich hinter diesen Anagrammen?“ (zum Nachraten: Riesen UV, Antenne GbR, Arno Magd). Das Schwierigkeitslevel der Fragen und der Modus des abwechselnden Ratens ohne Abstauber verhindern allerdings weitere Finalpunkte, sodass Roman Wilhelm am Ende mit 1:0 als Gewinner feststeht. Andreas Frohloff schreibt den Gewinnernamen traditionsgemäß auf den Wanderpokal, der nun für ein Jahr bei Roman in der UdK Berlin beherbergt ist.
Gewinner mit Luftballons, im Hintergrund Wahnsinnskulisse des Seitenschiffs, im Vordergrund: Spendendose und Glühwein.
Es werde Licht – Andreas beim Beschriften des Pokals mit Beleuchtern
Der Ergebnis
Nach einer großen Unsicherheit, wer die Fragen nach dem letzten Quiz 2019 und der Corona-Lücke auszutüfteln hat, schaffen wir fürs nächste Jahr gleich Tatsachen mit vielen Zeugen: Die Gewinnergruppe (namentlich genannt sieht oben), beehrt uns 2023 mit ihrer Interpretation des Formats. Wir sind gespannt!
Punktsammler 2022 und Fragenausdenker 2023
Not, Laib und Seele
Angefroren verabschieden sich viele Gäste recht bald. Um 22 Uhr ist Abbau angesagt, denn nach dem Typostammtisch ist vor der Nachtruhe: Die Zwinglikirche dient dieser Tage als Notunterkunft für wohnungslose Menschen, nachdem die eigentliche Notunterkunft abgebrannt ist. Da helfen wir gern beim Bettenaufbau. Schon nachmittags, vor dem Typostammtisch, war die Kirche eine Anlaufstelle für Bedürftige. Hier fand die Essensausgabe der Berliner Tafel, Laib und Seele, statt. Während des Quizzes geht eine Spendendose herum, die 235€ einbringt. Mit diesem Erlös hat Laib und Seele kleine Päckchen mit Schokolade und anderen weihnachtlichen Kleinigkeiten gefüllt und verteilt. Vielen Dank an euch alle! Ihr habt geholfen, vielen Menschen eine kleine Freude zu ermöglichen.
A propos Dank und Freude:
Bei wem ihr euch mit Blick auf euren Gewinn bedanken dürft, könnt ihr hier nachlesen.
Alexander Roth: Poster (AG57)
Andreas Frohloff: Pokalbeschriftung, Buch: „Made with FontFont“, Buch „Fontbook“ Benedikt Bramböck: Buch „Evolution“, Buch “Prix Charles Peignot“ Buchstabenmuseum: Poster Christoph Koeberlin: Buch „Vom Buch auf die Straße“ (Journal der HBG #3), Buch „House Industries“ Dan Reynolds: Buch „Formen & Gegenformen“ Friedrich Althausen / Monotype: Buch „Schrift. Wahl und Mischung“, Monotype Goodiebag, Notizbuch mit Bleistift, 2 × 1 Jahr Zugang zu Monotype Fonts Henning Krause: Buch „Chronik der Schriftgießerei D. Stempel AG Frankfurt a.M. 1895–1955“, Buch „Retrodesign“, Magazin „Typojournal” (Magazin von Typografie.info #3) Hannes von Döhren: Specimens (Match, Palast) Ivo Gabrowitsch: Lizenz Neue DIN Jenna Gesse: Buch „Königswege zum Unglück“ Jesse Simon: Buch „Berlin Typography“ Juli Gudehus: Buch „Packaging Makeovers“ Katja Hofmann: Notizbücher Klaus Rähm: Poster A3 Kulturraum Zwinglikirche e.V.: Buch „Adolf Wermuth“, Broschüre „Steine können sich nicht erinnern“ Patrick Marc Sommer: Magazine „FURE“, Bücher „Das ABC der Typografie“ René Bieder: Plakte (Markant, Multima, Kréol) Sascha Thoma, Ben Wittner / eps51: Buch „Bi-Scriptual“ Sonja Knecht: Buch „Finding Forte“
Simon Becker / B2302: Buch „Total Armageddon”
Stefanie Weigele: Buch „Spitzfederkalligrafie“ Stefan Pabst: Bücher „Futur 2“, „Fraktiqua“ Stefan Tielscher: Drucke Bleisatz (TStT-Jubiläumsposter, Geschenkpapier) Thomas Maier: Bücher „Formen & Fonts“, Buch (?) Till Wiedeck / HelloMe: Buch „Auf Wasser genaut“ Wolf Boese: Poster Yimeng Wu: Plakat (chinesisches Alphabet) Yulia Popova: Buch „How Many Female Type Designers Do You Know?“
Oh betet – der Berliner Typostammtisch wird 100! In der dunkelsten Zeit des Jahres halten wir mit euch eine typografische Andacht, blicken auf eine glyphenreiche Vergangenheit zurück und tun Buße für typografische Verfehlungen. Aber vor allem: Quizzen!
Oh ratet – lasst uns Licht ins Dunkel bringen und unser Schriftwissen leuchten. Ihr seid herzlich eingeladen zum traditionellen Typostammtisch-Quiz, egal ob neu dabei, Vollprofi oder Stammgast. Es gibt viel zu gewinnen: Spiel, Spaß, Spannung, aber auch Bücher, Plakate und unseren Quiz-Wanderpokal. Wir losen Rate-Teams aus, das heißt: Niemand schaut zu und niemand rät allein, sondern wir alle zusammen in Gruppen.
Oh kommet – aber bitte mit Thermo-Unterwäsche, Handwärmern und Wärmflaschen, denn wir sind in der wunderschönen Zwingli-Kirche und es wird kirchenkalt. Für die Location und Glühwein in der beheizten Seitenschiffbar sorgt der KulturRaum Zwingli-Kirche e.V.; herzlichen Dank im Vorfeld!
Falls ihr ein Typo-Buch, Plakat, eine Schriftlizenz oder ähnliches für den Kredenztisch beisteuern möchtet, meldet euch bei der Sammelstelle* oder bringt die Sachen mit in die Kirche.
Bis dahin,
Euer Typostammtisch-Team
Wann? Donnerstag, 15. Dezember 2022, Beginn 19:00 Uhr, Einlass 18:30; Eintritt frei Wo? Zwingli-Kirche, Rudolfstraße 14, 10245 Berlin-Friedrichshain
*Gabentischsammelstelle ist bei LucasFonts, Eisenacher Straße 56, 10823 Berlin. Übrigens: Vorschläge für unser Programm und Locations sind immer willkommen! Werft auch einen Blick in unseren Nachbericht zum 99. Typostammtisch mit vielen tollen Menschen und Büchern – einige davon beim Quiz zu gewinnen. Die Bücher, nicht die Menschen. Aber die kommen hoffentlich auch.
Besucht am 6. Dezember die Veranstaltungsreihe Indie Stabi – unabhängige Verlage stellen sich vor. Dort trifft der Verbrecher Verlag auf Voland & Quist. Am 8. Dezember finden gleich drei Veranstaltungen statt: ein Vortrag über Slawische Kinderbücher im Kontext der Avantgarde in der StaBi, Type Thursday bei LucasFonts (für diese beiden Veranstaltungen ist Anmeldung erforderlich) und im A–Z die Counter Session #3, wo es um Schriftsprache, gesprochene Sprache und Schriftsysteme geht. Vom 7. Dezember bis 26. Februar ist in der StaBi die Ausstellung MANUSCRIPTA AMERICANA – Den Azteken auf der Spur zu sehen. Und für die Early Birds: Am 17. März 2023 findet die FURE Konferenz statt; dort geht es um die Zukunft des Lesens.
Die Titelzeile zeigt die Schrift Jesus Loves You von Luc(as) de Groot, im Bild Jesus Loves Your Brother.
Ein sportliches Vortragsformat erfordert einen sportlichen Nachbericht: Foto Mensch(en) und Werk(e), kurzer Text, nächste(r) bitte! Alphabetische Reihenfolge. Bereit?
Till Wiedeck, François Elain: Auf Wasser gebaut
Till Wiedeck bringt die alphabetische Reihenfolge gleich zu Beginn ins Wanken, ist er doch auf Abruf, früher wegzumüssen. Der Wecker ist gestellt – 5 Minuten ab jetzt! Till zeigt das Buch „Auf Wasser gebaut“ über den deutschen Pavillion der Biennale Venedig (2009–2022) und spricht in English. “For all you typo nerds” he shows us a typeface designatedly designed for the book by François Elain at Till’s studio HelloMe and a really nice cover with inverted silver and white paper effect. Nice if you are into art books and catalogues.
Jenna Gesse: Königswege zum Unglück
Als nächstes kommt Jenna Gesse nach vorn, im Gepäck ihr strahlend gelbes Büchlein, das „Königswege zum Unglück“ aufzeigt, Strategien also, die wir lieber kennen sollten, um sie wahlweise zu bekämpfen oder wegzulächeln. Ein Beispiel? „Seine Vergangenheit nutzen, um die Gegenwart zu zerstören“. Jenna hat all diese Kurzsätze von Frank Berzbach auf einer alten Schreibmaschine getippt („weil ich wollte, dass man es sieht, wenn ich mit Kraft in die Tasten haue“). Die entstandenden Wortbilder geben dem Text weitere Ebenen. Für alle, die sich gern reflektieren oder noch „etwas Kleines“ verschenken möchten.
Oliver Johannsen, Reinhard Deutschmann: Hypergraphie
Nach dem Intermezzo mit der Schreibmaschine kommen Oliver Johannsen und Reinhard Deutschmann (ja, Künstlername!) vom Kollektiv Hypergraphie nach vorn. Hypergraphie ist ein manischer Zustand, bei dem Betroffene eine „zwanghaften Schreibwut“ auf allen Flächen erleben. Nicht ganz von der Hand zu weisen für ein Künster·innenkollektiv, das hauptsächlich Graffitti praktiziert. Einmal im Jahr sei „Tag der Abrechnung“: Alle Mitglieder zeigen schonungslos alle Arbeiten aus einem Jahr. Das Kollektiv diskutiert und sammelt den besten Content im hier präsentierten Magazin, inkl. lyrischen Sternstunden wie „Ode an den Backjump“. Zu erwähnen ist die DIN 1451, einstmals Normschrift für Verkehr und Logistik, die dem Katalog in mehrfach analog-digital-schablonierter Aufarbeitung als Headline-Schrift innewohnt (auch zu sehen auf der Webseite). Für alle, die sich für kollektiven Ungehorsam begeistern.
Frank Ortmann: Schreibenlernen mit der Hand bildet Formsinn und Verstand
Mit dem Schreiben kennt sich auch Frank Ortmann aus, der originale Schreibvorlagen zur Schulausgangsschrift (SAS) von und mit Renate Tost gesammelt, nachgezeichnet und in Buchform verewigt hat – einfach „weil es mich angekotzt hat“, dass die SAS als Auslaufmodell angesehen und immer gefragt wird: „Können wir die nicht weglassen?“ Nein, im Gegenteil, denn es gab noch keine Abhandlung über die SAS. Diese Lücke haben die beiden nun mit dem durchaus süffisanten Titel „Schreibenlernen mit der Hand bildet Formsinn und Verstand“ geschlossen. Für alle, die mal wieder zu den Ursprüngen zurückwollen.
Yulia Popova: How many female type designers do you know?
Yulia Popova is very glad to present her book “How many female type designers do you know?“ at Typostammtisch in particular because according to her, the project started at a Typostammtisch a few years ago. In her book, she portrays women in the industry, placing biographies at the beginning of the book because „they are important“. The project started as a graduation project and was extended by a large research part on early female type designers. Highly recommended and also part of our Typostammquiz Gabentisch in December. Thanks, Yulia!
Ulrike Rausch: Making Fonts!
Die alphabetische Reihenfolge bringt mitunter schöne Cluster hervor: Als nächstes zeigt uns Ulrike Rausch (definitely a female type designer we know) die Bücher „Making Fonts“ und „Designing Fonts“, die sie gemeinsam mit Chris Campe geschrieben hat. Wem der Unterschied zwischen beiden Titeln spontan nicht klar ist: es gibt leider viele. Eigentlich sollte „Designing Type“ lediglich die englische Version von „Making Fonts“ sein, am Ende sieht es aber aus wie ein anderes Buch. Nach fünf Minuten Blättern unter der Kamera und kurzweiligen Insights zu Verlagsentscheidungen steht fest: das Buch für alle, die digitale Schriften machen oder machen wollen.
Martin Z. Schröder: Essayreihe
„Was kann man da machen, mein Buch ist so hässlich?“ Fragen wie diese hört Martin Z. Schröder öfter. Üblicherweise rät er: „Nichts. Wechseln Sie den Verlag!“ – wieder so eine Überleitungsperle der alphabetischen Abfolge, vielleicht aber auch schriftgestaltungsimmanentes zwanghaftes Herstellen von Parallelen in einer diversen Menge. Bitte um Nachsicht. Zurück zu Martin Z. Schröder, dessen besagter Ratschlag der Anfang einer bisher 12-jährigen Zusammenarbeit an der Essayreihe des Verlags Zu Klampen war. Ziel der Neugestaltung der Serie (in Abgrenzung zu „diesen ewigen Ölgemälden“): rein typografische, zeitlose Titel, „kein Brimborium“. Durchdachte Gestaltung und durchdachter Inhalt. Für alle, die gern im Bett lesen (die Fußstege sind nämlich extra breit für die Daumen).
Jesse Simon: Berlin Typography
Next one up: Jesse Simon (our host of October’s type walk). Welcome back! Jesse shows his book “Berlin Typography” and explains that this project started in 2016 by spotting the “Betten-König” sign in Lichtenrade. Afterwards, he headed over to documenting the city rigously. “And by ‘rigously’, I mean walking every street (multiple times)”, Jesse explains. Somehow, his efforts are “a race against time” because a lot of signs are disappearing, unless buildings are protected by Denkmalschutz which means that the signs will stay as well. We are happy to have a copy of “Berlin Typography” on the Gabentisch. Thanks, Jesse!
Patrick Marc Sommer: Das ABC der Typografie
Patrick Marc Sommer zeigt uns das Buch „Das ABC der Typografie“, das er gemeinsam mit Natalie Gaspar geschrieben hat. Entstanden ist das Projekt zu Beginn der Corona-Zeit, dementsprechend gäbe es „abwischbares Papier“. „Wir wollten ein kleines Buch machen, aber es sind dann doch 400 Seiten geworden“, so Patrick weiter. Das Werk ist sehr nah an In Design und gibt praktische Hinweise zu vielen, vielen alltäglichen Themenbereichen der Gestaltung mit Schrift. Hinsichtlich der bald erscheinenden 2. Auflage ruft er zu Verbesserungs- bzw. Ergänzungsvorschlägen auf. Laut Selbsteinschätzung „für Studierende und Berufseinsteiger·innen“.
Felix Walser: Ruth Wolf-Rehfeldt
„Vor 5 Jahren war ich schon mal beim Typostammtisch und habe etwas vorgestellt.“, sagt Felix Walser, der uns den Katalog zur tollen Ruth Wolf-Rehfeld Ausstellung im Berliner Kupferstichkabinett mitbringt. Er erzählt, ähnlich wie Jenna Gesse, von den technischen Limitationen, die das Medium Schreibmaschine mit sich bringt und es gerade deshalb, gerade heute so interessant machen. Es sei nicht so einfach, den Typewritings von Wolf-Rehfeld im Katalog „gestalterisch etwas entgegenzusetzen“, so Felix. Da die Texte jedoch „einen Monat zu spät kamen, hatten wir Zeit“. Am Ende fand doch noch die eigens für das Projekt digitalisierte Variante einer alten DDR-Schreibmaschinenschrift ihren Platz im Buch. Für Ausstellungsbesucher·innen und Schreibende.
Stefanie Weigele: Spitzfederkalligrafie
Als nächstes begegnen wir der beeindruckenden Schreibkunst von Stefanie Weigele, die ein Kompendium zur „Spitzfederkalligrafie“ geschrieben hat. Es bietet umfassende Informationen zu Ursprüngen (klassische englische Schreibschrift), Werkzeugen, Übungen, Körperhaltung, Verzierungen, und und und, was uns Stefanie mit der ihr innewohnenden, mitreißenden Begeisterung für das Thema vorträgt. Für alle, die sich für 2023 etwas vorgenommen haben – und zu gewinnen beim Dezemberquiz. Danke, Stefanie!
Sascha Thoma, Ben Wittner: Bi-Scriptual
Ben Wittner und Sascha Thoma leiten mit ihrem Buch „Bi-Scriptual“ den letzten Teil der Buchvorstellungen ein – qua alphabetischer Reihenfolge ein Cluster, das sich mit Multiscript-Typografie beschäftigt. Die beiden waren im September schon bei uns zu Gast; heute geht es ausnahmslos um das Buch. Aufgeteilt in die Kapitel Arabic, Cyrillic, Devanagari, Greek, Hangul, Hanzi, Hebrew, Kanji/Hiragana/Katakana, sowie einen Essaypart, gibt es uns Herangehensweisen und Beispiele zur Gestaltung mit mehreren Schriftsystemen an die Hand. Für alle, die über den Tellerrand blicken.
Yi Meng Wu: Yaotaos Zeichen
„Yaotaos Zeichen“ von Yi Meng Wu ist ein Kinderbuch. Ein Herzensprojekt, in dem Yi Meng ein franko-chinesisches Umfeld zeichnet. Es geht um ein Archiv chinesischer Schriftzeichen in Lyon, das es wirklich gibt, und um die Zeit zwischen den Weltkriegen, „als das Bauhaus nach China schwappte“, wie sie erklärt. In der Geschichte findet ein kleines Mädchen einen Koffer mit chinesischen Schriftzeichen und macht sich auf eine lange Reise. Ausgezeichnet als eines der „schönsten Bücher Chinas“. Für vorlesende Typografiebegeisterte.
Susanne Zippel: Meine Heimat Zwei Länder
Den Abschluss bildet Susanne Zippel mit ihrem Buch „Meine Heimat Zwei Länder“. Dieser Satz stimmt zwar grundlegend, trotzdem zeigt er nicht annähernd, welches Ausmaß dieses Projekt hat: Es geht um nichts weniger als persönliche Geschichten von Menschen, die die Wende miterlebt haben. Schonungslos, ehrlich, aufwühlend. Susanne hat alles selbst zusammengetragen, gestaltet und verlegt (Exemplare auf Anfrage). Jedes Buch hat ein individuelles, magnetisches (Wende-)Cover und beinhaltet jede Menge Herzblut. Und als wäre das nicht genug, hat Susanne auch koreanische Freunde, die mit der Teilung ihres Landes ähnliche Erfahrungen wie wir gemacht haben, zu ihren Geschichten befragt. All diese Erfahrungen stellt sie gegenüber und nebeneinander. So schön unser 5-Minuten-Format ist – für Susannes Buch war es zu kurz. Das Buch für alle, die sagen wie es ist und war.
Stillleben mit Lampen und Büchern
Nach den Vorträgen blieb viel Zeit, um die Bücher in Ruhe anzuschauen.
Jesse Simon shows the initial sign: “Betten-König”.
Das Publikum lauscht Martin Z. Schröder.
Die Intensität von Susanne Zippels Projekt geht unter die Haut.
Quizfrage zum Abschluss: Wie viele Bücher hat Ulrike Rausch geschrieben?
So leichtfüßig wie beim letzten Typostammtisch (hier unser Nachbericht) gehen wir gemeinsam in den November. Die Tage werden kürzer, die Abende werden abendlicher und wir Schriftmenschen sehnen uns mehr und mehr nach wärmender, buchangereicherter Kost.
Also laden wir euch zur Buchvorstellung ein! Ähnlich sportiv wie bei einem traditionellen Pecha Kucha, bei uns allerdings abgehalten als analoges Vortragsformat, stellen Berliner· oder Nahberliner·innen (zum Beispiel aus Potsdam) ihr Buch vor. Alle ausgewählten Bücher sind in den letzten Jahren erschienen und haben, logisch, Schriftbezug, innen oder außen. Die Autor·innen und/oder Designer·innen selbst bringen sie mit und präsentieren sie für uns.
Um Vorfreude zu schüren, bleibt die Liste der buchvorstellenden Menschen vorerst geheim. (Zudem warten wir noch auf Rückmeldungen/Bewerbungen und hätten noch ein, zwei Plätze zu vergeben.) Dafür lüften wir nun ein anderes Geheimnis, nämlich das um den Typostammtisch #100: Info weiter unten. Bitte scrollen durch Weiterlesen!
Wann? Donnerstag, 17. November 2022, 19 Uhr; Einlass ab 18:30 Uhr Wo? Eisenacher Straße 56, im Studio LucasFonts, 2. Hinterhof, 10823 Berlin-Schöneberg
Bis dahin,
Euer Typostammtisch-Team
Vom 4. bis 12. November findet in der Oberlandstraße ein interdisziplinäres Festival über Zuhause, Stadtökologie und nachhaltige Formen des Zusammenlebens statt, bei dem der großartige syrische Kalligraf Mouneer Al‘ Shaarani Workshops gibt. Galerie p98a bietet vom 17. November bis 4. Dezember in der Reihe Wir machen Bücher Lesungen, Gespräche, eine Ausstellung und vieles mehr. Im Rahmen der Ausstellung zum Hannah-Höch-Preis 2022 sind ab sofort und bis Anfang Februar im Kupferstichkabinett die Typewritings von Ruth Wolf-Rehfeldt zu sehen.
Hinweis in eigener Sache:
Typostammtisch #100 (ja, 100!!!) wird ein Quiz an einem ganz besonderen Ort und zwar erstmalig, richtig vorweihnachtlich, in einer Kirche. Genauer gesagt im KulturRaum Zwingli-Kirche in Friedrichshain. Bitte haltet euch bei der Planung von Firmenfeiern und Familie den 15. Dezember frei! Wir würden uns freuen, viele Weggefährt·innen, Stamm- und neue Gäste zu diesem besonderen Jubiläum begrüßen zu dürfen. Die Ratefüchse unter euch konnten ja hinreichend Kraft und Wissen sammeln: Es ist pandemiebedingt das erste Typostammquiz seit drei Jahren!
Die Titelzeile zeigt eine Schrift von Sina Otto mit dem Arbeitstitel Schöneberg, geboren 2015 und gewachsen in der Klasse von Lucas de Groot 2016/17. Release geplant für 2023.
Nur so viel auf Deutsch: Das war ein Hammer. Auf dem Type Walk mit Jesse Simon – es wird nicht der letzte sein! – haben wir so viel über unsere Stadt gelernt wie selten. Und das kondensiert auf einen kurzen Abschnitt der U-Bahnstrecke U7. // The rest of our Nachbericht will be in English so that we can quote easier from what we learned with Jesse Simon at his first Schriftspaziergang with us. Disclaimer: it will not be the last, he promised.
Soviel sei jetzt schon verraten: Es wird Nachschulkurse in städtischer Typografie mit Herrn Simon geben. // Starting our first, but surely not the last of Jesse’s Type Walks with us. (All photos Lucas de Groot except a few by the author herself.)
Ja, wir finden auch, dass das ein Grund zur Freude ist! // Did you recognise where we are?
U-Bahn-Typografie, Symbolbild. Was könnte es Schöneres geben als funktional genutzte Buchstaben. Exemplarisch: Regenrinne. // Surely Berlin’s most beautiful rain gutter: a lovely bold U in the U-Bahnhof’s outer architecture.
Die schönste Regenrinne Berlins. // From the very start, Jesse pointed out (and pointed at) details you wouldn’t have noticed even when travelling a thousand times by this very station.
We started our tour underground at Fehrbelliner Platz. With public transport in Berlin, like elsewhere, “it is all about standardisation versus random organic growth” and these two concepts surpass each other again and again. This is how Jesse introduced us to the topic, and into that glorious period in the Sixties and Seventies, when 60 (!!!) new U-Bahn stations were built in Berlin. Almost all of U7 was constructed then, Fehrbelliner Platz in the year 1971. In comparison: only 11 new stations have been built from 1989 until now, in 28 years. “Berlin’s U-Bahn was formed by the forces of history more than a grand plan“. So one specific thing about the Berlin U-Bahn is, that “it is full of gaps, it’s incomplete” — even districts have been built with U-Bahn stations being promised which were never built (referring to Märkisches Viertel and large sections of Spandau).
Eine wichtige Nord-Süd-Achse durch Berlin. // The first section of what wold become the U7 was built in 1924–1930 as a branch of the Nord-Süd line.
The U7 stations we know and those we visit today were designed by Rainer Gerhard Rümmler (Wiki article with all his stations listed). Rümmler was the Oberbaurat (Chief City Planer) of Berlin, working for the senate’s building and housing department. Another important name here is Werner Düttmann who constructed the Hansa-U-Bahn station, but mostly other buildings (not stations) in the post-war era.
Habt ihr jemals die Riesenpfeile beachtet, die die Fahrtrichtung anzeigen? // Adorably über-practical arrows!
What we see today, is that each station we encounter at the U7 was designed with concern and a concept of having them integrated into their surroundings — still standing out in function and aesthetics. And the aesthetics of those days was astounding. It was functional and practical and deeply humanistic at the same time.
Zutiefst humanistisch und funktional. // The aesthetics of those times were as humanistic as functional, which is strongly connected of course.
The times demanded to develop truly unique stations after those from earlier days had been criticised as “too samey”. So, from that on, “Rümmler started to develop his Berlin vernacular style where everything was about difference”, Jesse summarises. “The pop architecture of the late Sixties was about breaking away from the rigid forms of pose-war modernism and moving into a brighter future where everything is curved, soft and gentle”.
Curved, soft and gentle indeed: outdoors at Fehrbelliner Platz, we find ourselves standing at a red organic-shaped happiness of a building from the Seventies like on a sunny island — even more so because we are surrounded by, frankly speaking, fascist architecture. Buildings from the early Thirties which yes, “spread some elegance”, but most of all an air of correctness, control and overwhelming dominance.
What a contrast: monotonous, neutral, dominant buildings caging Fehrbelliner Platz…
… with our instant fave station like a bright red round spot or dot in the middle.
Talking about dots: not sure why these dots are here, may because of differentiation. // Punkte für Wiedererkennungswert? Sicher nicht durch eine Akzidenz Grotesk mit seltsam abgeschnittenen Kleinbuchstaben r.
Except for the nosy interruptions, this was a good spot for a little lecture along the trip.
For those who know or who travelled through: the Bierpinsel in Steglitz at the U9 extension would be another great example of those days, almost like a monument; and also Dreilinden is part of Rümmler’s famous legacy. Like Tegel airport and all the stations on the way to Tegel, those buildings were designed in the times when the city was divided. Which also were the times when architects used Letraset. Letra-, wait, what?
Am U-Bahnhof Jungfernheide erwartet uns eine weitere Farb- und Formexposion. // Letraset-inspired architecture? Actually, architects did work with those (in case you don’t know) sticking letters which the elderly amongst us loved.
Die Eurostyle ist eine 1962-er Neuerscheinung von Aldo Novarese für Societa Nebiolo S.p.A. und H. Berthold AG, eine überarbeitete und mit Kleinbuchstaben ergänzte Version der Microgramma von 1952. // U7 Jungfernheide turns out to be another psychedelic experience.
At some point during our tour, Jesse leaves “the path of non-commentary objectivity”, as he warns us. The Sixties and Seventies are “the most endangered era of architecture being destroyed. It seems to be a problem to still accept that Berlin was being capable of taking care of itself”. To him (not only to him), this is “really problematic”. Because what makes Berlin so great is that you can (still) see all the layers formed by history – buildings as the truest proof, like eyewitnesses of the times the city has gone through.
Schrift erkannt? Es ist die Arnold Böcklin, 1904 von der Schriftgießerei Otto Weisert in Stuttgart entworfen. // “For those who were into Eighties indie rock: Dinosaur Jr. used this typeface for their 1st and 2nd albums”, Jesse reports.
Bitte das Kleingedruckte in den Fliesenaussparungen beachten (rechts im Bild). // Please note the inserts in the tiles: they contain captions to the pictures of Wagner operas on the U-Bahn walls behind the tracks, which you see while waiting.
Ornaments impersonating Wagner operas plus explanatory photos. // Wilde Illustrationsmixtur am Richard-Wagner-Platz.
The most shocking example of historical misrepresentation, not to speak about falsification — in German we have the beautiful word Geschichtsklitterung — awaits us at Bismarckstraße. Beware. That glossy grass-green of the underground walls of the station might be considered “a fine colour” — but why is it here? Not to mention the typefaces.
“Bismarckstraße” left … // und keine fünf Meter weiter…
… another “Bismarckstraße”, right-hand side from where we stand. We couldn’t stand looking for too long. // Typografisch war die Tour kaum auszuhalten. Was wir alles sehen mussten an Schrift. Deswegen so wenig Kommentar dazu.
The walls at Bismarckstraße used to be in small yellow Sixties tiles. Now, why so huge? And what was the motivation behind the choice, or rather, the mix of type here? Why re-implement some kinds of wanna-be Twenties type in a station from a much later period? Nobody seems to take care. „There is no respect for the era of division”, Jesse says in a dark voice. As true and cruel as it is: tourism rules.
Dem guten Geschmack wir hier auf der Nase herumgetanzt. // “There is no respect for the era of division”, our tour guide says.
Sadly, there has not been something like a conscious “choice” whatsoever here, not color, not type. The whole renovation of Bismarckstraße U-Bahn station is, in the best way of interpreting it, “an attempted level of classicism that doesn’t belong here”. Even with a lot of goodwill this is not convincing or satisfying.
Luckily Jesse takes us further through Berlin’s diverse underground to experience some more of the gorgeous psychedelic settings along the U7.
Schrift halbwegs okay (man muss ja schon froh sein) nur kein Eszett. Und warum so sachlich auf explosivknalligem Grund?
Bei einem kurzen Zwischenspaziergang auf Höhe Wilmersdorfer Straße begegnen wir diesem schönen Schriftzug. // An outdoor encounter that would also have fit the city type walk we had lately.
Back on the track. We spent three hours with Jesse and he was truly generous with his knowledge. // Unsere Tour war höchst kurzweilig, nicht nur, weil wir etappenweise weiterfuhren.
But what happened here at Adenauer Platz?! // Schnell weiter!
Das hier ist Jesses Lieblingsbahnhof. Hier stimmt für ihn alles, sogar die Schrift schmiegt sich harmonisch ein. // We still miss the Eszett, but this is by far the most elegant and harmonious U7 station to Jesse.
Here at Konstanzer Straße, Jesse points out the strong links between design, colours, architecture, function, and how everything fits. // Hier passt alles zusammen, Form- und Farbgebung harmoniert.
Ein apartes Detail vom Anfang der Reise. // This was at the U3 entrance at Fehrbelliner Platz. “The same gate appears at Hohenzollernplatz, Jesse said. “I like that Rümmler incorporated it into this very modern building s a not to the past.”
After all this variety of impressions and numerous stations, our group happily walked from Zoologischer Garten to Schleusenkrug beer garden, also a premiere. There we not only could supply our speaker with his well-deserved beer, but also enjoy a true Berlin Currywurst and very nice potatoes and stuff. Which lifted our spirits in regard to the city’s originals. So, the evening ended in a big group table with those visitors who came directly to Schleusenkrug, with heated conversations, and more beer. A true Typostammtisch-Stammtisch after all. Phew.
Thank you Jesse for this most wonderful Type Walk! Lovely meeting you! Let’s continue the ride.
Thank you Jesse Simon! You might like to find out about his books and follow him (aka Berlin Typography or @Berlin_Type) on Twitter and Instagram. — Photos Lucas de Groot (plus a few by Sonja Knecht) for Typostammtisch Berlin.