15.03.18: Stammtisch-Stammtisch

Nach den kräftigen Minusgraden in den letzten zwei Wochen wollen wir uns vom Winter verabschieden und hoffen auf einen sonnigen Start in den Frühling. Und wo sollte das besser gehen als im „Sonnenstudio“ in Kreuzberg?!

Florian Hauer wird den Abend mit einer kleinen Präsentation über das Typodarium beginnen. Ohne schon zu viel vorweg zu nehmen: Es ist ein Abreißkalender, bei dem man sich jeden Tag auf eine neue, frische Schrift freuen darf (herausgegeben von Lars Harmsen und Raban Ruddigkeit, Verlag Hermann Schmidt).

Den Rest des Abends wollen wir etwas freier als sonst gestalten und in den offenen Austausch mit euch gehen. Bringt also gern Projekte, digitale wie analoge Entwürfe oder typografische Fundstücke mit, die ihr zeigen und mit anderen teilen möchtet. Gerne könnt ihr dafür den bereitgestellten Beamer nutzen, um es in großer Runde zu zeigen. Vielleicht aber nutzt ihr auch die Chance, um euch ein ganz individuelles Feedback zu holen, gemütlich bei einem Getränk? Gern können wir auch die Zeit nutzen um vielleicht an der Podiumsdiskussion im Januar anzuschließen und Themen zu diskutieren, die in der UdK keinen Platz mehr hatten…

Wie auch immer sich der Abend entwickeln wird – es wird sicherlich ein schöner Abend werden.

Wann? Donnerstag, 15. März, 19 Uhr
Wo? Lausitzer Straße 10, Aufgang C, 3. Etage, 10999 Berlin-Kreuzberg
U-Bahn: U1 bis Görlitzer Bahnhof, U8 bis Kottbusser Tor oder Schönleinstraße
Bus: M29 bis Görlitzer Bahnhof oder Spreewaldplatz

Wir freuen uns auf euch,
euer Typostammtisch-Team


Diesen Monat möchten wir euch auf folgende Veranstaltungen hinweisen:

Im März dürfen wir uns auf die alljährliche Leipziger Buchmesse freuen: vom 15. bis 18. März findet sie statt. Am 21. März eröffnet der BOX Freiraum in Kooperation mit den Freunden des Museums für Islamische Kunst im Pergamonmuseum e.V. die erste große Einzelausstellung des international bekannten syrischen Künstlers, Kalligraphen und Schriftdesigners Mouneer Al Shaarani – منير الشعراني. Vorträge und Workshops schließen sich an (23. und 24. März c/o BOX Freiraum, 31. März–1. April „Matchmaking“ zusammen mit Lucas de Groot und Rik Watkinson) sowie ein Künstlergespräch über die Geschichte der arabischen Kalligraphie, bei der Mouneer die Namen der Teilnehmenden schreiben wird: 27. März 16 Uhr im Mschattasaal im Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum. Weitere Infos bei BOX Freiraum. Außerdem findet die Ausstellung Bisco Smith: Journey in der Urban Spree Galerie vom 9. März bis 21. April statt (Eröffnung am 8. März 19–23Uhr).


Die Titelzeile wurde in der „WhoMadeWho“ von Bureau Borsche gesetzt – veröffentlicht im Typodarium. Das Foto stammt von Olli Meier und ist während eines Besuchs in der Lause10 entstanden. 

Nachbericht: Mastering Type 2017 und Schrift unterrichten

Schrift „Rock and Roll“ von Pedro Arilla, University of Reading, UK

Es ist Freitag etwa 15 Uhr, als ich eine Mail bekomme – Lucas steht in der UdK vor verschlossenen Türen. Jenny ist unerwartet lange beim Arzt. Schnell schreibe ich eine Mail, dass ich mich unmittelbar auf den Weg mache. Nicht, dass ich etwas an der Situation hätte ändern können, aber in Ruhe weiterarbeiten hätte ich nun auch nicht mehr gekonnt… Gegen 16 Uhr komme ich in der UdK an. Alle Wände sind aufgebaut. Benedikt, Lucas, Jenny und ihre studentischen Hilfskräfte sind nicht mehr zu sehen. Es ist die dritte Ausstellung. Jenny ist schwanger. Unerwartetes passiert. Ärger ist verständlich. Alles wird schön werden.

Ich stehe nur wenige Minuten im Raum, da kommen drei frische Masterabsolventinnen aus Zürich an, mitsamt ihrer Prozessbücher. Lächelnd, frisch und froh. Wir stellen uns vor, bedanken uns für die Bücher und geben noch einen Restaurant-Tipp ab: „Raus. Rechts. Fünf Minuten geradeaus und dann auf der rechten Ecke. Bis gleich.“ Nun noch Stühle platzieren, Bücher zuordnen und anbinden, iPad mit der Detailpräsentation bestücken, den Beamer ausrichten und fegen. Lampen vorne an und hinten aus – die ersten Besucherinnen und Besucher sind da. Schnell wird es voll, der Geräuschpegel steigt – es entwickelt sich eine Schwarmbewegung im Kreis. Quatschen, einen Meter vor, Poster gucken. Quatschen, einen Meter vor, Poster gucken. Quatschen, …

Im Hintergrund Arbeiten aus Zürich
Freitag Abend (Foto Tanja Blaufuß)
Freitag Abend im Medienhaus der UdK Berlin (Foto Lucas de Groot)

Benedikt läuft zwischen den gut 100 Gästen von einem Absolventen zur anderen Absolventin. Wer hat alles eine Präsentation dabei? Wer will sein/ihr Projekt als erstes vorstellen? Habt ihr einen eigenen Computer? Es ist bereits nach 19 Uhr. Mit einem kräftigen „Hallo und herzlich willkommen!“ lenke ich die Aufmerksamkeit auf Benedikt, der die Ausstellung eröffnet. Wie wir Benedikt kennen, erwähnt er Wichtiges gleich zu Beginn: „Der kommende Typostammtisch findet am 15. Februar statt“ und übergibt das Wort schnell und geordnet zu den Hauptakteurinnen und -akteuren dieses Abends.

Gespannt hören alle zu (Foto Sol Matas)

Andreas Schenkel fängt an. Wir erfahren von ihm, wie überfällige isländische Vulkane und eine Reise mit Rad seine Schriftformen und seine Schriftnamen beeinflusst haben. Miklós Ferencz’ Idee liegt in der Menschlichkeit der Fehler. Manchmal fehlen Elemente in den Zeichen, die sich in einem Weißraum widerspiegeln, und manchmal spielt er in seiner Schrift mit dem absoluten Gegenteil: zu viel Schwarz. Wörtlich beschreibt er es als „It’s not a deconstruction, it’s a construction.“ Demgegenüber erforscht Lucas Descroix die Kursive und stellt dabei ihre Verwendung und formale Gestaltung in Frage. Sven Fuchs wiederum geht sehr analytisch vor. Er erforscht Fassadenschriften aus der Nachkriegszeit (genauer aus den 1950-er Jahren) und überstrapaziert ihre Gestaltungsideen, um schlussendlich eine eigene Formsprache zu entwickeln. Ganz anders Ute Kleim. Ihr ist schnell klar, dass sie weniger mit der Gestaltungsidee zu kämpfen hat als mit der Hürde, diese konsequent auf ‚Non-Latin‘ zu übertragen, ohne die Harmonie in ihrer Schriftfamilie zu verlieren. Dabei berichtet sie zum Beispiel von einer unterschiedlichen Wahrnehmung der Schriftgröße in unterschiedlichen Kulturkreisen: „Was für uns gefühlte 8pt sind, ist für andere 10pt.“Tim Meylan hat sich gefragt „What is a font family? And why does sometimes a font family look more like a ‚real family‘ when I take different fonts from other families?“. Martina Meier zeigt uns, welch großen Einfluss eine Schattenachse auf die Gestaltung haben kann und wie sie diese nutzt, um jedem einzelnen Schnitt einen ganz individuellen Character zu verleihen, ohne dabei den Bezug zur Schriftsippe zu verlieren. Weniger beeinflusst von der Vergangenheit, dafür umso mehr begeistert von der Zukunft hat Thom Janssen Variable Fonts nicht nur als neues Font-Format betrachtet, sondern als Mittel zum Entwerfen. Den Spaß am Experimentieren merkt man ihm deutlich an.

Erst Arbeitstitel, dann Gestaltungsidee: „Cowboy“. Hier zu sehen sind die unterschiedlichen Schattenachsen der Schrift von Martina Meier.
Miklós Ferencz präsentiert seine Arbeit (Foto von Tanja Blaufuß und Irene Szankowsky)
Alternative g-Formen aus dem Prozessbuch von Daniel Coull
Doppelseite aus dem Prozessbuch von Eunyou Noh

Schlussendlich haben alle unserer Type Master jeweils mehr als die geplanten fünf Minuten über ihre Idee, ihren Prozess und ihr Ergebnis gesprochen – aber ich denke ich lüge nicht, wenn ich sage, dass wir alle sehr, sehr froh darüber sind. Neben dem ersten Eindruck über die Plakate ist der tiefere Einblick in die Arbeiten ungemein wertvoll. Selbst wenn man sich die Zeit genommen hat, genauer in die Prozessbücher zu schauen, so war es doch ganz anders, die Gefühle über das gesprochenes Wort zu empfangen, als es geschrieben zu lesen. Von den letzten zwei Ausstellungen wissen wir bereits, dass der Master in Type Design für alle eine sehr intensive Zeit ist. Dies durften wir dieses Mal etwas persönlicher erleben als in den Jahren zuvor. Danke dafür. Continue reading „Nachbericht: Mastering Type 2017 und Schrift unterrichten“

26.10.17: Typotechnikstammtisch

Geistiges Gut oder Handwerk, Formfindung oder Formgebung, Inspiration oder Automatisierung, Farbe oder Metall, Typo oder Technik. Entgegengesetzte Pole, die sich abstoßen oder doch vielleicht anziehen?

In unserem Typotechnikstammtisch (dem ersten seiner Art) am 26. Oktober präsentieren unsere Vortragenden diverse frei zugängliche Werkzeuge, Miniprogramme und hilfreiche Skripts. In Kurzpräsentationen nähern sie sich typografischen Problemen, offenen Fragestellungen und möglichen Lösungswegen. Es wird um Plug-Ins und Python gehen, aber auch um typografische Helfer für InDesign, das Web und die analoge Welt.
Wir freuen uns auf Beiträge von Andreas „Eigi“ Eigendorf, Ferdinand Ulrich, Frank Rausch, Friedrich ForssmanGeorg Seifert, Jens Kutílek, Lasse Fister, Luc(as) de Groot, Mark Frömberg, Olli Meier und Ulrike Rausch.

Lasst uns gemeinsam den Kurzpräsentationen zuhören, Fragen entwickeln und eventuell Antworten finden. Lasst uns Wissen verbreiten und Tools teilen. Lasst uns verborgene Themen aus dem Schatten locken und in den Vordergrund rücken. Lasst uns einfach einen schönen Abend verbringen und über Inhalte sprechen, die uns bewegen und interessieren.

Wann? Am Donnerstag, den 26. Oktober um 19 Uhr.
Wo? Bei LucasFonts, Eisenacher Straße 56, 10823 Berlin-Schöneberg

U-Bahn: Linie U7 bis Eisenacher Straße
S-Bahn: Linie S1 bis Julius-Leber-Brücke oder S1, S41, S42, S45, S46 bis S Schöneberg
Bus: M48, M85, 104, 187, N42 bis Albertstraße

Bis dahin,
euer Typostammtisch-Team


Diesen Monat möchten wir euch auf folgende typografische Leckerbissen hinweisen:

Am 19. Oktober um 19 Uhr fordern die Design-AbsolventInnen der Universität der Künste Berlin zur Debatte heraus. Where are we now? – Autorenschaft im Design. Eine Ausstellung folgt einen Tag später, am 20. Oktober. Die Ausstellung Gier nach neuen Bildern (Deutsches Historisches Museum bis zum 8. April 2018) zeigt eine Auswahl von 180 originalen graphischen Nachrichtenblättern aus dem großen Sammlungsbestand, die durch komplette Bilderfolgen in Medienstationen ergänzt werden. Vom 20. Oktober 2017 bis 14. Januar 2018 zeigt das Kunstgewerbemuseum – Staatliche Museen zu Berlin in Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Bild Wissen Gestaltung“ der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität der Künste Berlin die Austellung Form Follows Flower.


Die Titelzeile wurde in der Lisbeth Display von Louisa Fröhlich gesetzt, die bei Type Together erhältlich ist. Das Titelbild stammt aus der Zeitschrift „American Printer“ und zeigt die Zukunftsvision des automatischen Schriftsatzes anno 1912, gesehen in einem Vortrag von Eckehart SchumacherGebler.

29.06.17: Typostammtisch zu Besuch

Wir treffen uns diesen Monat zum fachlichen Austausch im kleinen Kreis, zum einfach Quatschen, Sachen zeigen, und unterhalten uns über Neues. Bringt also gern Projekte, digitale wie analoge Entwürfe oder typografische Fundstücke mit, die ihr zeigen und mit den anderen teilen möchtet. Wir freuen uns auf regen Austausch und einen geselligen Abend.

Diesen Monat dürfen wir im „Sonnenstudio“ in Kreuzberg zu Gast sein. In diesem Gemeinschaftsatelier arbeiten neben Entwicklern, Journalisten, Grafikdesignerinnen, Fotografen und Illustratorinnen auch die beiden Schriftgestalter Eike Dingler von Mauvetype und Sol Matas von Huerta Tipográfica.

Als Einleitung wird Sol ein paar Worte zum Studio und zur schwierigen aktuellen Situation der Lause10 sagen: Seit Ende letzten Jahres kämpfen gegen die akut drohende Verdrängung Mieterinnen, Gewerbetreibende, Werkstätten, Vereine, NGOs und Bürogemeinschaften, die dort seit teilweise 45 Jahren (!) ansässig sind.

Eine dieser Organisationen ist das gleich nebenan im Aufgang B liegende apabiz (antifaschistische pressearchiv und bildungszentrum berlin e.V.). Interessierte (größere Gruppen sind nicht möglich) des Berliner Typostammtisches sind herzlich eingeladen, sich zwischen 18 und 19 Uhr das Archiv anzusehen – meldet euch dort einfach direkt. Ein Besuch lohnt sich bestimmt.

Wann? Donnerstag, 29. Juni, 19 Uhr
Wo? Lausitzer Straße 10, Aufgang C, 3. Etage, 10999 Berlin-Kreuzberg
U-Bahn: U1 bis Görlitzer Bahnhof (Vorsicht, SEV!), U8 bis Kottbusser Tor oder Schönleinstraße
Bus: M29 bis Görlitzer Bahnhof oder Spreewaldplatz

Bis dahin,
euer Typostammtisch-Team


Diesen Monat möchten wir euch auf folgende typografische Leckerbissen hinweisen:

Neben den traditionell im Juli stattfindenden Werkschauen und Rundgängen in Potsdam, an der UdK, der HTW und in Weißensee empfehlen wir außerdem die Ausstellung „New Types – Drei Pioniere des hebräischen Grafik-Designs“ im Museum für Druckkunst Leipzig. Noch bis 2. Juli können im Kulturforum Berlin die 100 beste Plakate 16 bestaunt werden. Beim letzten Vortrag aus der Reihe „Materialität der Schriftlichkeit“ der Staatsbibliothek zu Berlin spricht Rainer Falk am 4. Juli über „Lieto fine: zur typographischen Gestaltung von Libretto-Drucken“, um Anmeldung wird gebeten (Eintritt frei). Vom 14. bi 16. Juli findet im Haus der Kulturen der Welt die „Miss Read“ statt.


Die Titelzeile wurde in der Pilot Light von Aleksandra Samuļenkova gesetzt, die vor kurzem bei Bold Monday erschien. Das Titelbild stammt von Sol Matas und zeigt ihren Arbeitsplatz im „Sonnenstudio“.

Nachbericht 66. Berliner Typostammtisch: Pecha Kucha

Erneut geht ein wundervoller Abend mit wundervollen Menschen zu Ende. Die letzten Gäste gehen, die Stühle werden zusammengeklappt und beiseite geräumt, die freundschaftliche Enge eines gemütlichen Wohnzimmers wandelt sich zurück in ein geräumiges Büro. Aufräumen, wischen, durchatmen.

An dieser Stelle wollen wir allen Sprechern und Sprecherinnen recht herzlich dafür danken, dass sie den Berliner Typostammtisch mit ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und ihrer Leidenschaft mitgestaltet haben.

Ein weiterer großer Dank gilt Luc(as) de Groot und seinen Leuten. Danke, dass wir erneut bei euch sein durften und dass ihr uns so sehr beim Auf- und Abbau geholfen habt.

Publikum Pecha Kucha, Foto von Olli Meier

 

Typobau

Sprecher: Prof. Rayan Abdullah, Foto von Sibylle Schlaich

Professor Rayan Abdullah begann den Berliner Typostammtisch mit der Vorstellung zahlreicher arabischer Schrift-Projekte, die in Leipzig und Berlin in Zusammenarbeit mit dem Büro Dalton Maag in London in den letzten Jahren entstanden sind. Er gab kurze Einblicke in die Schriften McDonalds Arabic, Transport Dubai Arabic, Cordale Arabic, Ubuntu Arabic, Barclaycard Co Arabic, Aktiv Grotesk Arabic und die gesamte Schriftfamilie der arabischen Nokia.

 

In Memoriam

Folie aus dem Pecha Kucha von Daria Petrova

Daria Petrova überraschte mit einer in der Schriftszene weniger befremdlichen Liebe, welche aber außerhalb des Typostammtisches vielleicht zu Augenrollen führen könnte. Sie sprach über die Rolle der Schrift in der Denkmalkultur – oder anders: viele schöne Fotos von Grabsteinen; mal ernüchternd pragmatische Lösungen, mal skurrile Individualanfertigungen. Folgenden Satz aus dem Pecha Kucha von Daria wollen wir unkommentiert wirken lassen: „Du lebst wie eine Systemschrift und du stirbst wie eine Systemschrift.“

 

Schriftmuster/Schriftproben

Sprecher: Felix Walser, Foto von Constanze Hein

Felix Walser ging auf seine kürzlich abgeschlossene Diplomarbeit ein (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Fachklasse Schrift, Februar 2017), in der er mit Hilfe der Programmiersprache Python und der App Drawbot eine Sammlung experimenteller Schriftmuster automatisiert erstellte.

 

Ästhetisch Ökonomisch Überall

Sprecher: Florian Hardwig, Foto von Bernd Volmer

Florian Hardwig brachte uns sehr zum Lachen mit zahlreichen Fotos und ungewöhnlichen Lösungen für Umlaute, die über Ä, Ö und Ü weit hinausgingen – oder in die jeweiligen Buchstabenformen hineinragten. Mit seinem Überblick schuf er eine tolle Inspirationsquelle nicht nur für ungewöhnliche Umlaute.

 

Duftdrucker

Sprecher: Jürgen Siebert, Foto von Bernd Volmer

Unfassbar, aber wahr: Jürgen Siebert hat 1999 einen Artikel verfasst, der auf den 11. Mai 2017 datiert war, also genau auf den Tag, an dem der 66. Berliner Typostammtisch stattfinden sollte und er über sein Thema sprechen durfte – Duftdrucker für den Heimgebrauch. In einem fiktiven Zeitungsartikel beschreibt er genau diese neue Erfindung.
Wie kam es dazu? 1999 bat das Frankfurter Designbüro Xplicit fünfzig Freunde, für ihren Taschenkalender 2000 einen Blick in die Zukunft zu werfen. Jedem Teilnehmer wurde eine Jahreszahl zugeordnet. Jürgen bekam die 2017.

 

Classic French Stencil Lettering

Folie aus dem Pecha Kucha von Andreas Seidel

Andreas Seidel nahm uns mit auf eine typografische Reise durch die Normandie und Bretagne und gab Einblicke in Vorlieben für Mülleimer- oder Bootsbeschriftungen: Überall verfolgten ihn die offenbar landestypischen oder zumindest regional extrem beliebten Schablonenschriften.

 

Love and Peace Font: Moontype

Folie aus dem Pecha Kucha von Olli Meier

Mit seiner Schrift „Moontype“ startet Olli Meier den Versuch, mehr Liebe und Frieden zu verbreiten. Was wäre, wenn wir das Wort „Krieg“ gar nicht erst kennen würden? Schrifttechnisch kein Problem, zumindest nicht für Olli: Er hat seine Moontype so programmiert, dass sie das Wort Krieg quasi verweigert und automatisch durch „Frieden“ ersetzt. Und das in allen 24 Sprachen der (noch) 28 EU-Mitgliedsstaaten. Es gibt also quasi keinen Krieg mehr in Europa; und ausbrechen geht auch nicht: Das Wort „Brexit“ selber wird nämlich zerhackt.

Che

Sprecherin: Sol Matas, Foto von Marianna Paszkowska

Sol Matas zeigte uns die typografische Verbindung der Länder Deutschland und Argentinien anhand der Ligatur „ch“, die eine ausgesprochen große Wichtigkeit in der argentinischen Sprache hat (und wie ein deutsches „tsche“ ausgesprochen wird).

 

Am Korrektorat gespat

Folie aus dem Pecha Kucha von Sonja Knecht

Sonja Knecht hob den Zeigefinder auf eine wirklich sehr witzige und sympathische Art und zeigte uns, welche Wirkung Rechtschreibfehler haben. Finde den Fehler oder er findet dich! Vor allem da, wo man ihn gar nicht vermutet: in den eigenen Texten. Ob print, online oder handgeschrieben, ob Großkonzern oder Kiosk, der Teufel sitzt im Detail – manchmal im typografischen. Eine Hommage an der Texterin liebste Kollegen, die Korrektoren.

 

Mathematical Letters

Sprecherin: Petra Rüth, Foto von Sina

Petra Rüth machte einen Ausflug mit uns in die komplexe Welt von C.G. Roßberg und zu seinem Versuch, die Ästhetik von Buchstaben mit mathematischen Konstruktionen zu beschreiben (Systematische Anweisung zum Schön- und Geschwindschreiben von 1793). Fraktur, Kanzlei und Kurrent werden dekonstruiert, wieder zusammengesetzt, geschrieben, verziert – und gipfeln in faszinierenden Gesamtkompositionen.

 

41

Folie aus dem Pecha Kucha von Andreas Frohloff

Die eindrucksvolle Zahl von 41 Praktikantinnen und Praktikanten brachte Andreas Frohloff auf die Idee, die „wunderbaren Mitarbeiter auf Zeit“ der letzten 12 Jahre des FonFont Type Departments in Form eines Pecha Kuchas zu würdigen. Um so schöner, dass einige der ehemaligen PraktikantInnen sowohl im Publikum (Georg, Ivo, Jens, Alex, Sven, Jan Steven, Benedikt, Norman, Inga, Gergő, Sophie) als auch als Sprecher (Olli, Viktor) auf diesem Typostammtisch vertreten waren.

 

FontDrop! – Schau in Deine Fonts

Folie aus dem Pecha Kucha von Viktor Nübel

Viktor Nübel (auch er einer der ehemaligen Praktikanten aus Andreas Frohloffs Team) zeigte uns seine Web-App „FontDrop!“, mit der die Inhalte von OTF, TTF und WOFF Dateien schnell und übersichtlich angezeigt werden – und wie es dazu kam!

Alles in allem ein sehr gelungener, vielfältiger Abend mit über 100 glücklichen Gästen, die sich noch weit nach den Vorträgen intensiv austauschten. Danke an euch alle für die rege Teilnahme!

11.05.17: Pecha-Kucha-Abend

Im Mai widmen wir uns wieder einem inzwischen schon traditionell gewordenen Typostammtisch-Format: dem Pecha-Kucha-Abend.

In exakt 6 Minuten und 40 Sekunden stellen uns diesmal 12 Vortragende Themen vor, die sie bewegen. Die inhaltliche Bandbreite reicht von Arabischer und Argentinischer Schriftkultur, typografischen Werkzeugen, Experimenten und Fundstücken bis hin zu Vergangenem und Zukünftigem – es wird auf jeden Fall für jeden Schriftliebhaber etwas dabei sein.

An dieser Stelle wollen wir uns von ganzem Herzen bei allen Vortragenden bedanken, die mit ihrer Erfahrung, ihrem Wissen und ihrer Leidenschaft den Abend bereichern.

Wir freuen uns schon sehr auf:

Wann? Am Donnerstag, den 11. Mai um 19 Uhr.
Wo? Bei LucasFonts, Eisenacher Straße 56, 10823 Berlin-Schöneberg

U-Bahn: Linie U7 bis Eisenacher Straße
S-Bahn: Linie S1 bis Julius-Leber-Brücke oder S1, S41, S42, S45, S46 bis S Schöneberg
Bus: M48, M85, 104, 187, N42 bis Albertstraße

Bis dahin,
euer Typostammtisch-Team


Diesen Monat möchten wir auf folgende typografische Leckerbissen hinweisen:

Nur noch bis zum 7. Mai findet im Museum „The Kennedys“ die Ausstellung Plakatkunst im Ersten Weltkrieg aus der Sammlung der San Antonia Public Library statt. Etwas länger, aber auch nur noch bis Ende Mai kann man THEHAUS bewundern, wo ein altes Finanzgebäude unweit des Zoologischen Gartens von über 100 Streetart-KünstlerInnen bespielt wird. Für alle Liebhaber des Risographen findet am 5. Mai ab 14 Uhr das Risofest in den Räumlichkeiten von Urbanspree statt. Am Tag nach dem Typostammtisch wird um 18 Uhr das Ergebnis des Projekts Archiv aus Schriften der Universität der Künste Berlin präsentiert.


Die Titelzeile wurde in der Diurnal Display von Nikola Djurek gesetzt, die bei Typotheque erhältlich ist. Das Titelbild zeigt Ziffern des variablen Schriftsystems Fit, das von David Jonathan Ross gestaltet wurde.

Nachbericht Typostammtisch #57: Localize it, Henning Krause

Die meisten Menschen wundern sich darüber, dass es wiederum andere Menschen gibt, die sich ausschließlich mit Schrift beschäftigen. Vermutlich wundern sich manche noch mehr, dass es sogar Menschen gibt, die Schriften produzieren – denn schließlich ist Schrift doch einfach da.

Lokale Unterschiede in der Schreibweise von Buchstaben sind auch einfach da. Soweit kein Thema, wenn die entsprechenden regionalen Unterschiede ausschließlich mit Hand aufs Papier gebracht werden. Doch wie sieht es aus, wenn man einen Computer benutzen möchte? Was passiert, wenn dieser auch noch Zugang zum Internet hat und ich damit einen elektronischen Brief verfassen will? Was passiert, wenn ich eine Textdatei verschicke, die jemand tausende Kilometer weiter auf einem anderen Kontinent mit einer anderen Schrift öffnet? Wie verhält sich der Text in der Mail? Andere Region? Andere Spachen? Anderes Encoding?

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Stammtischbesucher Gunnar Bittersmann im Gespräch mit Henning Krause

Henning sprach hierbei nicht über die unterschiedliche Gestaltung von Buchstaben (das sei eine weitere Präsentation) – heute wolle er sich auf die Technik konzentrieren. Wer die Vorträge vom Amelie Bonet und Jan Charvát auf den TypoLabs verpasst hat, wird sich nun doppelt über die Zusammenfassung von Henning gefreut haben. In seinem Vortrag ist wunderbar deutlich geworden, dass er mit seinem Team die großartige Chance hat, „das richtige zu tun“, um es in seinen Worten zu sagen. Mit der Avenir Next will er mit seinem Team ein Belegexemplar entwickeln, wie in Zukunft mit lokalen Alternativen technisch umgegangen werden kann. Hierzu soll es ein Whitepaper geben, das nicht in den Tiefen Monotypes versteckt bleibt, sondern öffenltich gemacht werden und damit uns allen zugute kommen soll.

Besonders faszinierend fanden wir die enorme Energie und Leidenschaft, die – in Hennings Fall – hinter dem Thema steckt: Diverse berufliche und private Reisen. Gelder für regionale Spezialisten freigegeben. Linguisten befragen. Umfangreiche Recherchen, die dazu führen, dass in enger Zusammenarbeit mit dem Unicode-Konsortium bisherige regionale Standards überdacht und gegebenenfalls erweitert werden.

In der anschließenden Diskussion (die dieses Mal ausgesprochen lange und intensiv geführt wurde) ging es dann noch über die lokalen Gegebenheiten hinaus. Der Wechsel von alten Font-Standards, „combing marks“ und Unicode-Anträge kamen zur Sprache, ebenso Ängste und Notwendigkeiten im Zusammenhang mit den aktuellen Entwicklungen und neuen Standards, aber auch, wie wünschenswert eine gute Kommunikation zwischen Font- und Software-Herstellern wäre.

Vielen Dank an Henning Kause! Wir freuen uns auf die angekündigte Dokumentation, das Whitepaper von Monotype zum Thema Localisation.

26.05.16: Stammtisch-Stammtisch

TST-20160225-Sonja-Knecht-3-59836Wir haben zwar erst Mitte Mai, doch kann man schon jetzt mit Sicherheit sagen, dass dies so ziemlich der aufregendste Monat des Jahres ist.

Font Engineers, Typo-Techniker, Tool- und Software-Begeisterte aus aller Welt fanden sich erstmalig zu den TYPO Labs zusammen, um sich über den aktuellen Stand in Sachen Schriftproduktion auszutauschen. Hier traf sich alles was Rang und Namen hat in der technischen Entwicklung rund um Schriftgestaltung. Im direkten Anschluss öffneten sich die Türen der weltweit größten Konferenz für Typografie und Design: TYPO time! Inspiriert und motiviert durch die internationalen Besucher, durch zahlreiche Vorträge, Workshops und Abendveranstaltungen freuen wir uns nun auf den gemeinsamen Austausch im Café Bilderbuch: Was waren eure Highlights, was ist euch aufgefallen, was hat euch nicht gefallen?

Mit diesen Fragen kehren wir ein zweites Mal in diesem Jahr zurück zur Grundidee des Typostammtisches: mit netten Menschen sich fachlich austauschen. Wir treffen uns einfach zum Quatschen, Sachen zeigen, und unterhalten uns über Neues aus der Branche. Bernd Volmer bringt seinen Pen Plotter mit (nach seinem Pecha-Kucha-Vortrag „Mensch Maschine“ im März freuen wir uns sehr darüber, die Maschine in Aktion zu sehen). Thomas Maier schließt sich an und wird uns mit seiner Scriber-Sammlung beglücken. Wir freuen uns aber auch über alle spontan mitgebrachten Arbeiten, die noch im Prozess, vielleicht nur eine vage Idee oder vielleicht schon kurz vor der Fertigstellung sind. Bringt einfach mit, was ihr zeigen möchtet!

Wann? Am Donnerstag, den 26. Mai um 19 Uhr.
Wo? Im Café Bilderbuch, Akazienstraße 28, 10823 Berlin.
U-Bahn: Linie U7 bis Eisenacher Straße
S-Bahn: Linie S1 bis Julius-Leber-Brücke
Bus: M48/M85/106/187/204 bis Kaiser-Wilhelm-Platz

Bis dahin,
euer Typostammtisch-Team

In der nächsten Zeit finden unter anderem diese empfehlenswerten typografischen Veranstaltungen in und um Berlin statt:

Noch bis 3. Juni 2016 zeigt die ver.di MedienGalerie die Ausstellung Bleilettern aus Kreuzberg erobern die Welt, die sich mit der Geschichte der Berliner H. Bertold Schriftgießerei beschäftigt. Unter dem Titel Transformationen des Buchdrucks findet im Zentrallabor des Exzellenzclusters Bild Wissen Gestaltung am 9. und 10. Juni 2016 eine Konferenz statt. Beim dritten Walbaum-Wochenende in Weimar widmen sich an zwei Tagen Vorträge und Workshops dem Thema DDR-Alltagsschrift, mit dabei die Typostammgäste Fritz Grögel und Andreas Frohloff.

Die Titelzeile ist in der Azote von Thomas Jockin gesetzt, der in New York City den Type Thursday organisiert. Das Titelbild stammt von Sonja Knecht.

Nachbericht Typostammtisch #55: Schriften vom Fließband

Ellmer Stefan beim Typostammtisch Berlin

Letzten Donnerstag hatten wir die Ehre, dass Ellmer Stefan extra für unseren Berliner Typostammtisch aus Oslo angereist ist. Sein Vortrag „Typographiegeschichtliches Würgen“ bzw. „Type history’s gag reflex“ war eine sehr intelligente Komposition aus historischem Wissen, systematischem Gestalten und philosophischem Denken, gestützt durch eine angenehme Selbstironie.

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Ellmer Stefan (er nennt sich so herum) auf dem Typostammtisch Berlin, April 2016 (Photo Norman Posselt)
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Ellmer Stefan bannt das Typostammtisch-Publikum mit seinem intensiven Vortrag (Photo Norman Posselt)

Angelehnt an ästhetische Schriftvorbilder und Produktionsverfahren aus dem 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der beginnenden industriellen Revolution, produziert Ellmer Stefan Schriften im Wochentakt: enorm großzügige Produktivität, ein überzeugendes Gesamtkonzept mit tollen Ergebnissen und klugen Gedanken.

Sein Vortag war extrem erfrischend und motivierend; um es in Stefans Worten auszudrücken, es war mannigfaltig. Wir saßen noch lange zusammen und haben weiterdiskutiert. Gespannt verfolgen wir, wie sich sein Projekt im Laufe des Jahres weiterentwickeln wird und welche Erkenntnis/se er erfährt …

Großen Dank an Ellmer Stefan und an die vermutlich kleinste Type Foundry der Welt, die alles in allem in einen Rucksack passt, The Pyte Foundry.

Ellmer Stefan & The Pyte Foundry 3

Tipp: Verfolgt Ellmer Stefans wöchentliche Schrift-Veröffentlichungen auf Twitter und/oder seiner Website. Jeweils ab Erscheinen montags sind sie bis zum Ende der Woche kostenlos herunterzuladen – und dann nicht mehr erhältlich. Aktuell ist dort die 18. Veröffentlichung verfügbar, die passenderweise „Perdu“ heißt. Es gibt bereits leidenschaftliche Sammler wie Nick Sherman und Florian Hardwig … und es wird sicher nicht das letzte Mal sein, dass wir vom „Innovantiquarian Typopoet“ hören!

Ellmer Stefan & The Pyte Foundry 1
Ellmer Stefan kurz vor der Abreise im Garten bei LucasFonts, wo er für seinen Berlin-Besuch eine blumige Bleibe gefunden hatte (vielen Dank noch mal an Lucas für das Gästezimmer!).

Titelfoto und Beitragsbilder in Schwarzweiß stammen von Norman Posselt, die Gartenbilder von Sonja Knecht.