29.06.17: Typostammtisch zu Besuch

Wir treffen uns diesen Monat zum fachlichen Austausch im kleinen Kreis, zum einfach Quatschen, Sachen zeigen, und unterhalten uns über Neues. Bringt also gern Projekte, digitale wie analoge Entwürfe oder typografische Fundstücke mit, die ihr zeigen und mit den anderen teilen möchtet. Wir freuen uns auf regen Austausch und einen geselligen Abend.

Diesen Monat dürfen wir im „Sonnenstudio“ in Kreuzberg zu Gast sein. In diesem Gemeinschaftsatelier arbeiten neben Entwicklern, Journalisten, Grafikdesignerinnen, Fotografen und Illustratorinnen auch die beiden Schriftgestalter Eike Dingler von Mauvetype und Sol Matas von Huerta Tipográfica.

Als Einleitung wird Sol ein paar Worte zum Studio und zur schwierigen aktuellen Situation der Lause10 sagen: Seit Ende letzten Jahres kämpfen gegen die akut drohende Verdrängung Mieterinnen, Gewerbetreibende, Werkstätten, Vereine, NGOs und Bürogemeinschaften, die dort seit teilweise 45 Jahren (!) ansässig sind.

Eine dieser Organisationen ist das gleich nebenan im Aufgang B liegende apabiz (antifaschistische pressearchiv und bildungszentrum berlin e.V.). Interessierte (größere Gruppen sind nicht möglich) des Berliner Typostammtisches sind herzlich eingeladen, sich zwischen 18 und 19 Uhr das Archiv anzusehen – meldet euch dort einfach direkt. Ein Besuch lohnt sich bestimmt.

Wann? Donnerstag, 29. Juni, 19 Uhr
Wo? Lausitzer Straße 10, Aufgang C, 3. Etage, 10999 Berlin-Kreuzberg
U-Bahn: U1 bis Görlitzer Bahnhof (Vorsicht, SEV!), U8 bis Kottbusser Tor oder Schönleinstraße
Bus: M29 bis Görlitzer Bahnhof oder Spreewaldplatz

Bis dahin,
euer Typostammtisch-Team


Diesen Monat möchten wir euch auf folgende typografische Leckerbissen hinweisen:

Neben den traditionell im Juli stattfindenden Werkschauen und Rundgängen in Potsdam, an der UdK, der HTW und in Weißensee empfehlen wir außerdem die Ausstellung „New Types – Drei Pioniere des hebräischen Grafik-Designs“ im Museum für Druckkunst Leipzig. Noch bis 2. Juli können im Kulturforum Berlin die 100 beste Plakate 16 bestaunt werden. Beim letzten Vortrag aus der Reihe „Materialität der Schriftlichkeit“ der Staatsbibliothek zu Berlin spricht Rainer Falk am 4. Juli über „Lieto fine: zur typographischen Gestaltung von Libretto-Drucken“, um Anmeldung wird gebeten (Eintritt frei). Vom 14. bi 16. Juli findet im Haus der Kulturen der Welt die „Miss Read“ statt.


Die Titelzeile wurde in der Pilot Light von Aleksandra Samuļenkova gesetzt, die vor kurzem bei Bold Monday erschien. Das Titelbild stammt von Sol Matas und zeigt ihren Arbeitsplatz im „Sonnenstudio“.

Nachbericht 66. Berliner Typostammtisch: Pecha Kucha

Erneut geht ein wundervoller Abend mit tollen Menschen zu Ende. Die letzten Gäste gehen, die Stühle werden zusammengeklappt und beiseite geräumt, die freundschaftliche Enge eines gemütlichen Wohnzimmers wandelt sich zurück in ein geräumiges Büro. Aufräumen, wischen, durchatmen.

An dieser Stelle wollen wir allen Sprechern und Sprecherinnen recht herzlich dafür danken, dass sie den Berliner Typostammtisch mit ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und ihrer Leidenschaft mitgestaltet haben.

Ein weiterer großer Dank gilt Luc(as) de Groot und seinen Leuten. Danke, dass wir erneut bei euch sein durften und dass ihr uns so sehr beim Auf- und Abbau geholfen habt.

Publikum Pecha Kucha, Foto von Olli Meier

 

Typobau

Sprecher: Prof. Rayan Abdullah, Foto von Sibylle Schlaich

Professor Rayan Abdullah begann den Berliner Typostammtisch mit der Vorstellung zahlreicher arabischer Schrift-Projekte, die in Leipzig und Berlin in Zusammenarbeit mit dem Büro Dalton Maag in London in den letzten Jahren entstanden sind. Er gab kurze Einblicke in die Schriften McDonalds Arabic, Transport Dubai Arabic, Cordale Arabic, Ubuntu Arabic, Barclaycard Co Arabic, Aktiv Grotesk Arabic und die gesamte Schriftfamilie der arabischen Nokia.

 

In Memoriam

Folie aus dem Pecha Kucha von Daria Petrova

Daria Petrova überraschte mit einer in der Schriftszene weniger befremdlichen Liebe, welche aber außerhalb des Typostammtisches vielleicht zu Augenrollen führen könnte. Sie sprach über die Rolle der Schrift in der Denkmalkultur – oder anders: viele schöne Fotos von Grabsteinen; mal ernüchternd pragmatische Lösungen, mal skurrile Individualanfertigungen. Folgenden Satz aus dem Pecha Kucha von Daria wollen wir unkommentiert wirken lassen: „Du lebst wie eine Systemschrift und du stirbst wie eine Systemschrift.“

 

Schriftmuster/Schriftproben

Sprecher: Felix Walser, Foto von Constanze Hein

Felix Walser ging auf seine kürzlich abgeschlossene Diplomarbeit ein (Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Fachklasse Schrift, Februar 2017), in der er mit Hilfe der Programmiersprache Python und der App Drawbot eine Sammlung experimenteller Schriftmuster automatisiert erstellte.

 

Ästhetisch Ökonomisch Überall

Sprecher: Florian Hardwig, Foto von Bernd Volmer

Florian Hardwig brachte uns sehr zum Lachen mit zahlreichen Fotos und ungewöhnlichen Lösungen für Umlaute, die über Ä, Ö und Ü weit hinausgingen – oder in die jeweiligen Buchstabenformen hineinragten. Mit seinem Überblick schuf er eine tolle Inspirationsquelle nicht nur für ungewöhnliche Umlaute.

 

Duftdrucker

Sprecher: Jürgen Siebert, Foto von Bernd Volmer

Unfassbar, aber wahr: Jürgen Siebert hat 1999 einen Artikel verfasst, der auf den 11. Mai 2017 datiert war, also genau auf den Tag, an dem der 66. Berliner Typostammtisch stattfinden sollte und er über sein Thema sprechen durfte – Duftdrucker für den Heimgebrauch. In einem fiktiven Zeitungsartikel beschreibt er genau diese neue Erfindung.
Wie kam es dazu? 1999 bat das Frankfurter Designbüro Xplicit fünfzig Freunde, für ihren Taschenkalender 2000 einen Blick in die Zukunft zu werfen. Jedem Teilnehmer wurde eine Jahreszahl zugeordnet. Jürgen bekam die 2017.

 

Classic French Stencil Lettering

Folie aus dem Pecha Kucha von Andreas Seidel

Andreas Seidel nahm uns mit auf eine typografische Reise durch die Normandie und Bretagne und gab Einblicke in Vorlieben für Mülleimer- oder Bootsbeschriftungen: Überall verfolgten ihn die offenbar landestypischen oder zumindest regional extrem beliebten Schablonenschriften.

 

Love and Peace Font: Moontype

Folie aus dem Pecha Kucha von Olli Meier

Mit seiner Schrift „Moontype“ startet Olli Meier den Versuch, mehr Liebe und Frieden zu verbreiten. Was wäre, wenn wir das Wort „Krieg“ gar nicht erst kennen würden? Schrifttechnisch kein Problem, zumindest nicht für Olli: Er hat seine Moontype so programmiert, dass sie das Wort Krieg quasi verweigert und automatisch durch „Frieden“ ersetzt. Und das in allen 24 Sprachen der (noch) 28 EU-Mitgliedsstaaten. Es gibt also quasi keinen Krieg mehr in Europa; und ausbrechen geht auch nicht: Das Wort „Brexit“ selber wird nämlich zerhackt.

Che

Sprecherin: Sol Matas, Foto von Marianna Paszkowska

Sol Matas zeigte uns die typografische Verbindung der Länder Deutschland und Argentinien anhand der Ligatur „ch“, die eine ausgesprochen große Wichtigkeit in der argentinischen Sprache hat (und wie ein deutsches „tsche“ ausgesprochen wird).

 

Am Korrektorat gespat

Folie aus dem Pecha Kucha von Sonja Knecht

Sonja Knecht hob den Zeigefinder auf eine wirklich sehr witzige und sympathische Art und zeigte uns, welche Wirkung Rechtschreibfehler haben. Finde den Fehler oder er findet dich! Vor allem da, wo man ihn gar nicht vermutet: in den eigenen Texten. Ob print, online oder handgeschrieben, ob Großkonzern oder Kiosk, der Teufel sitzt im Detail – manchmal im typografischen. Eine Hommage an der Texterin liebste Kollegen, die Korrektoren.

 

Mathematical Letters

Sprecherin: Petra Rüth, Foto von Sina

Petra Rüth machte einen Ausflug mit uns in die komplexe Welt von C.G. Roßberg und zu seinem Versuch, die Ästhetik von Buchstaben mit mathematischen Konstruktionen zu beschreiben (Systematische Anweisung zum Schön- und Geschwindschreiben von 1793). Fraktur, Kanzlei und Kurrent werden dekonstruiert, wieder zusammengesetzt, geschrieben, verziert – und gipfeln in faszinierenden Gesamtkompositionen.

 

41

Folie aus dem Pecha Kucha von Andreas Frohloff

Die eindrucksvolle Zahl von 41 Praktikantinnen und Praktikanten brachte Andreas Frohloff auf die Idee, die „wunderbaren Mitarbeiter auf Zeit“ der letzten 12 Jahre des FonFont Type Departments in Form eines Pecha Kuchas zu würdigen. Um so schöner, dass einige der ehemaligen PraktikantInnen sowohl im Publikum (Georg, Ivo, Jens, Alex, Sven, Jan Steven, Benedikt, Norman, Inga, Gergő, Sophie) als auch als Sprecher (Olli, Viktor) auf diesem Typostammtisch vertreten waren.

 

FontDrop! – Schau in Deine Fonts

Folie aus dem Pecha Kucha von Viktor Nübel

Viktor Nübel (auch er einer der ehemaligen Praktikanten aus Andreas Frohloffs Team) zeigte uns seine Web-App „FontDrop!“, mit der die Inhalte von OTF, TTF und WOFF Dateien schnell und übersichtlich angezeigt werden – und wie es dazu kam!

Alles in allem ein sehr gelungener, vielfältiger Abend mit über 100 glücklichen Gästen, die sich noch weit nach den Vorträgen intensiv austauschten. Danke an euch alle für die rege Teilnahme!

11.05.17: Pecha-Kucha-Abend

Im Mai widmen wir uns wieder einem inzwischen schon traditionell gewordenen Typostammtisch-Format: dem Pecha-Kucha-Abend.

In exakt 6 Minuten und 40 Sekunden stellen uns diesmal 12 Vortragende Themen vor, die sie bewegen. Die inhaltliche Bandbreite reicht von Arabischer und Argentinischer Schriftkultur, typografischen Werkzeugen, Experimenten und Fundstücken bis hin zu Vergangenem und Zukünftigem – es wird auf jeden Fall für jeden Schriftliebhaber etwas dabei sein.

An dieser Stelle wollen wir uns von ganzem Herzen bei allen Vortragenden bedanken, die mit ihrer Erfahrung, ihrem Wissen und ihrer Leidenschaft den Abend bereichern.

Wir freuen uns schon sehr auf:

Wann? Am Donnerstag, den 11. Mai um 19 Uhr.
Wo? Bei LucasFonts, Eisenacher Straße 56, 10823 Berlin-Schöneberg

U-Bahn: Linie U7 bis Eisenacher Straße
S-Bahn: Linie S1 bis Julius-Leber-Brücke oder S1, S41, S42, S45, S46 bis S Schöneberg
Bus: M48, M85, 104, 187, N42 bis Albertstraße

Bis dahin,
euer Typostammtisch-Team


Diesen Monat möchten wir auf folgende typografische Leckerbissen hinweisen:

Nur noch bis zum 7. Mai findet im Museum „The Kennedys“ die Ausstellung Plakatkunst im Ersten Weltkrieg aus der Sammlung der San Antonia Public Library statt. Etwas länger, aber auch nur noch bis Ende Mai kann man THEHAUS bewundern, wo ein altes Finanzgebäude unweit des Zoologischen Gartens von über 100 Streetart-KünstlerInnen bespielt wird. Für alle Liebhaber des Risographen findet am 5. Mai ab 14 Uhr das Risofest in den Räumlichkeiten von Urbanspree statt. Am Tag nach dem Typostammtisch wird um 18 Uhr das Ergebnis des Projekts Archiv aus Schriften der Universität der Künste Berlin präsentiert.


Die Titelzeile wurde in der Diurnal Display von Nikola Djurek gesetzt, die bei Typotheque erhältlich ist. Das Titelbild zeigt Ziffern des variablen Schriftsystems Fit, das von David Jonathan Ross gestaltet wurde.

Nachbericht Typostammtisch #57: Localize it, Henning Krause

Die meisten Menschen wundern sich darüber, dass es wiederum andere Menschen gibt, die sich ausschließlich mit Schrift beschäftigen. Vermutlich wundern sich manche noch mehr, dass es sogar Menschen gibt, die Schriften produzieren – denn schließlich ist Schrift doch einfach da.

Lokale Unterschiede in der Schreibweise von Buchstaben sind auch einfach da. Soweit kein Thema, wenn die entsprechenden regionalen Unterschiede ausschließlich mit Hand aufs Papier gebracht werden. Doch wie sieht es aus, wenn man einen Computer benutzen möchte? Was passiert, wenn dieser auch noch Zugang zum Internet hat und ich damit einen elektronischen Brief verfassen will? Was passiert, wenn ich eine Textdatei verschicke, die jemand tausende Kilometer weiter auf einem anderen Kontinent mit einer anderen Schrift öffnet? Wie verhält sich der Text in der Mail? Andere Region? Andere Spachen? Anderes Encoding?

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Stammtischbesucher Gunnar Bittersmann im Gespräch mit Henning Krause

Henning sprach hierbei nicht über die unterschiedliche Gestaltung von Buchstaben (das sei eine weitere Präsentation) – heute wolle er sich auf die Technik konzentrieren. Wer die Vorträge vom Amelie Bonet und Jan Charvát auf den TypoLabs verpasst hat, wird sich nun doppelt über die Zusammenfassung von Henning gefreut haben. In seinem Vortrag ist wunderbar deutlich geworden, dass er mit seinem Team die großartige Chance hat, „das richtige zu tun“, um es in seinen Worten zu sagen. Mit der Avenir Next will er mit seinem Team ein Belegexemplar entwickeln, wie in Zukunft mit lokalen Alternativen technisch umgegangen werden kann. Hierzu soll es ein Whitepaper geben, das nicht in den Tiefen Monotypes versteckt bleibt, sondern öffenltich gemacht werden und damit uns allen zugute kommen soll.

Besonders faszinierend fanden wir die enorme Energie und Leidenschaft, die – in Hennings Fall – hinter dem Thema steckt: Diverse berufliche und private Reisen. Gelder für regionale Spezialisten freigegeben. Linguisten befragen. Umfangreiche Recherchen, die dazu führen, dass in enger Zusammenarbeit mit dem Unicode-Konsortium bisherige regionale Standards überdacht und gegebenenfalls erweitert werden.

In der anschließenden Diskussion (die dieses Mal ausgesprochen lange und intensiv geführt wurde) ging es dann noch über die lokalen Gegebenheiten hinaus. Der Wechsel von alten Font-Standards, „combing marks“ und Unicode-Anträge kamen zur Sprache, ebenso Ängste und Notwendigkeiten im Zusammenhang mit den aktuellen Entwicklungen und neuen Standards, aber auch, wie wünschenswert eine gute Kommunikation zwischen Font- und Software-Herstellern wäre.

Vielen Dank an Henning Kause! Wir freuen uns auf die angekündigte Dokumentation, das Whitepaper von Monotype zum Thema Localisation.

26.05.16: Stammtisch-Stammtisch

TST-20160225-Sonja-Knecht-3-59836Wir haben zwar erst Mitte Mai, doch kann man schon jetzt mit Sicherheit sagen, dass dies so ziemlich der aufregendste Monat des Jahres ist.

Font Engineers, Typo-Techniker, Tool- und Software-Begeisterte aus aller Welt fanden sich erstmalig zu den TYPO Labs zusammen, um sich über den aktuellen Stand in Sachen Schriftproduktion auszutauschen. Hier traf sich alles was Rang und Namen hat in der technischen Entwicklung rund um Schriftgestaltung. Im direkten Anschluss öffneten sich die Türen der weltweit größten Konferenz für Typografie und Design: TYPO time! Inspiriert und motiviert durch die internationalen Besucher, durch zahlreiche Vorträge, Workshops und Abendveranstaltungen freuen wir uns nun auf den gemeinsamen Austausch im Café Bilderbuch: Was waren eure Highlights, was ist euch aufgefallen, was hat euch nicht gefallen?

Mit diesen Fragen kehren wir ein zweites Mal in diesem Jahr zurück zur Grundidee des Typostammtisches: mit netten Menschen sich fachlich austauschen. Wir treffen uns einfach zum Quatschen, Sachen zeigen, und unterhalten uns über Neues aus der Branche. Bernd Volmer bringt seinen Pen Plotter mit (nach seinem Pecha-Kucha-Vortrag „Mensch Maschine“ im März freuen wir uns sehr darüber, die Maschine in Aktion zu sehen). Thomas Maier schließt sich an und wird uns mit seiner Scriber-Sammlung beglücken. Wir freuen uns aber auch über alle spontan mitgebrachten Arbeiten, die noch im Prozess, vielleicht nur eine vage Idee oder vielleicht schon kurz vor der Fertigstellung sind. Bringt einfach mit, was ihr zeigen möchtet!

Wann? Am Donnerstag, den 26. Mai um 19 Uhr.
Wo? Im Café Bilderbuch, Akazienstraße 28, 10823 Berlin.
U-Bahn: Linie U7 bis Eisenacher Straße
S-Bahn: Linie S1 bis Julius-Leber-Brücke
Bus: M48/M85/106/187/204 bis Kaiser-Wilhelm-Platz

Bis dahin,
euer Typostammtisch-Team

In der nächsten Zeit finden unter anderem diese empfehlenswerten typografischen Veranstaltungen in und um Berlin statt:

Noch bis 3. Juni 2016 zeigt die ver.di MedienGalerie die Ausstellung Bleilettern aus Kreuzberg erobern die Welt, die sich mit der Geschichte der Berliner H. Bertold Schriftgießerei beschäftigt. Unter dem Titel Transformationen des Buchdrucks findet im Zentrallabor des Exzellenzclusters Bild Wissen Gestaltung am 9. und 10. Juni 2016 eine Konferenz statt. Beim dritten Walbaum-Wochenende in Weimar widmen sich an zwei Tagen Vorträge und Workshops dem Thema DDR-Alltagsschrift, mit dabei die Typostammgäste Fritz Grögel und Andreas Frohloff.

Die Titelzeile ist in der Azote von Thomas Jockin gesetzt, der in New York City den Type Thursday organisiert. Das Titelbild stammt von Sonja Knecht.

Nachbericht Typostammtisch #55: Schriften vom Fließband

Ellmer Stefan beim Typostammtisch Berlin

Letzten Donnerstag hatten wir die Ehre, dass Ellmer Stefan extra für unseren Berliner Typostammtisch aus Oslo angereist ist. Sein Vortrag „Typographiegeschichtliches Würgen“ bzw. „Type history’s gag reflex“ war eine sehr intelligente Komposition aus historischem Wissen, systematischem Gestalten und philosophischem Denken, gestützt durch eine angenehme Selbstironie.

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Ellmer Stefan (er nennt sich so herum) auf dem Typostammtisch Berlin, April 2016 (Photo Norman Posselt)
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Ellmer Stefan bannt das Typostammtisch-Publikum mit seinem intensiven Vortrag (Photo Norman Posselt)

Angelehnt an ästhetische Schriftvorbilder und Produktionsverfahren aus dem 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der beginnenden industriellen Revolution, produziert Ellmer Stefan Schriften im Wochentakt: enorm großzügige Produktivität, ein überzeugendes Gesamtkonzept mit tollen Ergebnissen und klugen Gedanken.

Sein Vortag war extrem erfrischend und motivierend; um es in Stefans Worten auszudrücken, es war mannigfaltig. Wir saßen noch lange zusammen und haben weiterdiskutiert. Gespannt verfolgen wir, wie sich sein Projekt im Laufe des Jahres weiterentwickeln wird und welche Erkenntnis/se er erfährt …

Großen Dank an Ellmer Stefan und an die vermutlich kleinste Type Foundry der Welt, die alles in allem in einen Rucksack passt, The Pyte Foundry.

Ellmer Stefan & The Pyte Foundry 3

Tipp: Verfolgt Ellmer Stefans wöchentliche Schrift-Veröffentlichungen auf Twitter und/oder seiner Website. Jeweils ab Erscheinen montags sind sie bis zum Ende der Woche kostenlos herunterzuladen – und dann nicht mehr erhältlich. Aktuell ist dort die 18. Veröffentlichung verfügbar, die passenderweise „Perdu“ heißt. Es gibt bereits leidenschaftliche Sammler wie Nick Sherman und Florian Hardwig … und es wird sicher nicht das letzte Mal sein, dass wir vom „Innovantiquarian Typopoet“ hören!

Ellmer Stefan & The Pyte Foundry 1
Ellmer Stefan kurz vor der Abreise im Garten bei LucasFonts, wo er für seinen Berlin-Besuch eine blumige Bleibe gefunden hatte (vielen Dank noch mal an Lucas für das Gästezimmer!).

Titelfoto und Beitragsbilder in Schwarzweiß stammen von Norman Posselt, die Gartenbilder von Sonja Knecht.