Berliner Typostammtisch 06/08: Zusammenfassung

Ein seltenes Kontrastprogramm bot sich vergangenen Donnerstag den Gästen des Typostammtischs. Gelang es der deutschen Nationalmannschaft im ersten Teil des Abends die allgemeine Stimmung mit einer drittklassigen fußballerischen Darbietung [und damit kenne ich mich aus …] deutlich zu drücken, wusste der zweite Teil in Person von Judith Schalansky dafür umso mehr zu begeistern. Da ich selbst ein großer Fan der gebrochenen Schriften bin, bemühte ich mich seit langem bei Judith um diesen Vortrag. Sie gilt spätestens seit ihrer pink-schwarzen Liebeserklärung »Fraktur mon Amour« als Expertin auf diesem Gebiet. Seit einiger Zeit arbeitet sie intensiv und endlich in letzten Zügen an der erweiterten zweiten Auflage, die das Buch sogar noch einmal interessant für Besitzer der Erstausgabe machen sollen. Beste Gelegenheit also, mit dem lange erwarteten Vortrag »Totgesagte leben länger« den 9. Typostammtisch zu bereichern.

Fraktur mon AmourSo dauerte es nur wenige Augenblicke und die vorangegangenen 90 Minuten waren vergessen, die Anwesenden widmeten sich voll und ganz dem Zombie unter den Schriftengruppen. Judith berichtete, wie ein komplizierter Knochenbruch sie letztlich zu diesem Buchprojekt brachte, was seit der ersten Auflage vor zwei Jahren geschah und welche Rolle die Frakturschriften und ihre Anverwandten im heutigen Alltag spielen. Am Ende waren sich alle einig, einen kurzweiligen und instruktiven Vortrag gesehen zu haben und dass die schönste Nebensache der Welt mindestens einen starken [und verlässlicheren] Konkurrenten hat.

Die 2. Auflage »Fraktur mon Amour« ist in Kürze erhältlich. Bis dahin verweise ich sehr gern auf Judiths Matrosenroman »Blau steht dir nicht«, der bei den Kritikern von FAZ & Co. derzeit hoch im Kurs steht.

Für die Bilder bedanke ich mich diesmal herzlich bei Andreas Seidel [astype | German Type Foundry].

Berliner Typostammtisch 02/08: Zusammenfassung

Judith Schalansky, Jan Middendorp und Adam Twardoch lauschen den Vorträgen

… wie auch die anderen 42 Gäste

Die Liebe zur Schrift teilten am gestrigen Valentinstag sagenhafte 45 Personen beim Berliner Typostammtisch. Damit hat er mittlerweile einen Interessentenkreis erschlossen, der kaum vorstellbar war, als vor etwa eineinhalb Jahren die Idee zu dieser Veranstaltungsreihe reifte. So gesehen ist es vielleicht auch nicht so schlecht, wenn der Stammtisch nun zunächst für mindestens drei Monate pausiert und etwas verschnaufen kann.

Begrüßung durch Ivo

Vergleich von lateinischer und chinesischer Typografie

Nach den Vorträgen wurde viel über das Thema diskutiert

Den Hauptrahmen bildeten Andrea Schmidt und Roman Wilhelm, die den Abend unter dem Motto »Berlin-Hangzhou-Peking – Ein typografisches Experiment« gestalteten. Die Gäste waren sich in ihren durchweg positiven Meinungen zu den neuen Eindrücken und Erkenntnissen einig. Es war höchst interessant zu sehen, wie chinesische Studenten mit der lateinischen Typografie arbeiteten, Corporate Designs und Animationen erstellten und sich von ihrer riesigen Zeichenwelt in unser dagegen kümmerlich wirkendes Alphabet hinein dachten. Faszinierend, wie die Methoden der Herangehensweisen an bestimmte Aufgabenstellungen differieren.

Romans wissenschaftlich orientierter Ansatz zu den Unterschieden der beiden typografischen Welten schaffte ein Bewusstsein für ein unbekanntes aber sehr spannendes Terrain und offerierte ein enormes Potenzial weiterer Untersuchungen. Die Kombination beider Berichte empfand ich als sehr angenehm und inspirierend. Ich bedanke mich daher bei den Beiden noch einmal ganz herzlich im Namen aller Anwesenden für die tolle Vorbereitung und Durchführung.

Vielen Dank an Ralf und Jens für die Bilder.

Berliner Typostammtisch 10/07: Zusammenfassung

Einfach großartig, oder?
Es war ein langer, aber keinesfalls langweiliger Abend, der 6. Berliner Typostammtisch. Bedanken durften sich die über 30 Gäste dafür bei Karl-Heinz Lange, der neben einem inhaltlich zweifelsfrei faszinierenden Vortrag mit Arbeiten aus seiner bisher 60 Jahre dauernden Tätigkeit als Gestalter und Schriftentwerfer durch seine fesselnde und sympathische Art bestach. Mit ihm bin ich aufgrund der Fülle der möglichen Themen verblieben, im kommenden Frühjahr eine oder mehrere der Fragestellungen aufzugreifen, die er am Ende seiner Ausführungen zu »Körper und Stimme leiht die Schrift dem stummen Gedanken – Meine Schrift-Arbeiten 1947 bis 2007« zur Aussprache stellte.

Vergleich einiger Satzschriften aus der Tradition der Kreiskonstruktion. Zu sehen ist unten die SUPER von Arno Drescher, die Karl-Heinz Lange für VEB Typoart erstellte.

Die großen Meister im vertieften Gespräch

Mehr möchte ich in diesem Zusammenhang ausnahmsweise nicht schreiben, sondern vielmehr auf einen Beitrag des japanischen Designmagazins Pingmag hinweisen. Im Vorfeld der Veranstaltung konnte ich der derzeit in Berlin lebenden amerikanischen Designerin Leslie Kuo den Kontakt zu Karl-Heinz Lange vermitteln. Leslie besuchte ihn und verfasste über ihn und vor allem die DDR-Schriftenschmiede VEB Typoart einen lesenswerten Artikel.

Vielen Dank an Andreas Seidel, Florian Hardwig und Jens Kutilek für die Bilder.

Berliner Typostammtisch 07/07: Zusammenfassung

Wir haben die 30er Marke gesprengt! Als wir den ersten Typostammtisch initiierten, hätte ich nicht wirklich gedacht, dass wir bereits beim fünften Mal derart viele Schriftinteressierte zu einem Treffen würden begeistern können. Obwohl einige Teilnehmer der ersten Stunde verhindert waren, fanden sich am vergangenen Freitag [ziemlich genau] 32 Teilnehmer im »Cum Laude« ein, um fachzusimpeln und den Vorträgen von Andreas Seidel und Florian Hardwig zu lauschen.

Nachdem Andreas auf umfassende Art und Weise die Lebensstationen Herbert Tannhaeusers Revue passieren ließ, gewährte uns Florian einen Blick in die Tiefen seiner Diplomarbeit, die er über weltweit eingesetzte Schulschriften schrieb. Einen herzlichen Dank noch einmal an die Beiden, das Feedback für die Vorträge fiel mal wieder einstimmig lobend aus.

Unter den Teilnehmern waren auch ein Enkel und Urenkel Tannhaeusers, die so detailliert auch noch nichts über das fachliche Wirken ihres Ahnen zu sehen und hören bekamen. Auch Karl-Heinz Lange, ein Schüler des ehemaligen künstlerischen Leiters des VEB Typoart, war wieder anwesend und wusste von außergewöhnlichen Arbeitsmethoden seines Lehrers zu berichten. Er wohnte der Entstehung der wohl besten Tannhaeuser- und Typoart-Schrift bei, der Typoart Garamond, und brachte ungekannte Details ein. Beim kommenden Typostammtisch – voraussichtlich Ende September – wird sich Herr Lange übrigens ebenfalls in die Liste der Referenten einreihen. Um den Vortrag abzustimmen, werde ich mich in Kürze mit ihm treffen. Auch das dürfte wieder ein Spannungsgarant sein. Selbst der aus Argentinien stammende und in den Niederlanden arbeitende Typedesigner Ramiro Espinoza folgte unserer Einladung auf Typophile, auch wenn er – wie er zugestand – nur etwa 20% verstand, erfreute er sich aber an den gezeigten Bildern und Einzelgesprächen. Gäste aus dem Ausland sind ein inspirierender Aspekt, den man als Veranstaltung in der Hauptstadt auch genießen darf.

Alles in allem war der Berliner Typostammtisch wieder eine Veranstaltung, die guten Anklang fand und deren Fortführung ich selbst kaum erwarten kann. Obwohl wir langsam aber sicher in organisatorische weil räumliche Bedrängnis kommen. Aber das werden wir schon meistern. Vielen Dank Allen, die sich die Zeit genommen haben. Vielen Dank auch dem Designbüro SpiekermannPartners, welches freundlicherweise den Beamer zur Verfügung stellte, sowie Henning Krause und Ralf Herrmann für die hier gezeigten Bilder [noch mehr Stammtischbilder von Ralf in bunt auf flickr] .

Berliner Typostammtisch 05/07: Zusammenfassung

Draußen die Sonne, drinnen die Schriftliebhaber. Fast 30 ihrer Art fanden sich gestern Abend im »Cum Laude« zusammen, um sich gemeinsam ihrem Lieblingsthema hinzugeben. Anstöße ergiebiger Diskussionen waren die beiden Vorträge der beiden Gäste Thomas Maier und Dan Reynolds. Thomas gewährte uns Einblicke in seine Promotion zur Technikgeschichte der Schriftherstellung, Dan sprach das erste Mal einen Vortrag in deutscher Sprache vor einem – wie er sagt – professionellen Publikum. Thema war seine »Bank Gothic Number 2«, die allerdings Morris Sans™ genannt werden möchte. Vielen Dank noch einmal den Beiden für den anregenden Input.

Neben den hier gezeigten Fotos hat auch der aus Weimar angereiste Ralf Herrmann ein paar Bilder geschossen, die er auf flickr veröffentlicht hat [Bild 1, Bild 2, Bild 3, Bild 4], ebenso Dans Freundin Anke [Bild 1, Bild 2, Bild 3]. Der nächste Typostammtisch wird aller Voraussicht nach im Juli stattfinden. Informationen gibt es selbstredend rechtzeitig hier und über die stetig wachsende E-Mailliste.

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Berliner Typostammtisch 02/07: Zusammenfassung

Der bisher geheimnisumwittertste Typostammtisch in seiner noch jungen Geschichte fand am Freitag in Berlin-Mitte statt. Geheimnisumwittert vor allem deshalb, weil zum Zeitpunkt der Einladung noch nicht der besondere Ort und das Thema des Vortrages bekannt waren. Der ehrenwerte Erik Spiekermann stellte seine heiligen Hallen von SpiekermannPartners in der Friedrichstraße zur Verfügung. Als Typograf ist er längst weltbekannt, seine Qualitäten als spendabler Gastgeber finden hingegen viel zu selten Beachtung. Wir finden, zu Unrecht. Vielen Dank daher noch einmal, Erik, im Namen aller Anwesenden für deine Gastfreundlichkeit.


Wieder einmal gut besucht war der erste Typostammtisch 2007

Keine vier Stunden nach der Einladung zum 3. Typostammtisch über die E-Mailliste trafen alle Anmeldungen für die – aufgrund der Örtlichkeit leider auf knapp 20 begrenzten – Plätze ein. Dies beweist ein ernstes Interesse an dieser kleinen Veranstaltungsreihe und freut uns natürlich ungemein. Den Vortrag hielt anlässlich der Veröffentlichung der »100 besten Schriften« Fontshops Jürgen Siebert, der mit spannenden Hintergrundinformationen aufwarten konnte und sich gern den interessierten Fragen der anwesenden Typofreunde stellte. Daraus entwickelten sich im Laufe des fast fünfstündigen Abends angeregte Konversationen und Diskussionen. Es war alles in allem wieder ein tolles Treffen mit netten Gästen, das sich durch eine gehörige Prise Gemütlichkeit auszeichnete. Die kommende Veranstaltung – voraussichtlich im April – wird wieder rechtzeitig über den Verteiler und diese kleine Website bekanntgegeben.

Berliner Typostammtisch 11/06: Zusammenfassung

Sehr angenehmen und nachhaltig wirkend, so würde ich meine Empfindungen zum zweiten Berliner Typostammtisch am vergangenen Donnerstag beschreiben. Nette, diskussionsbegierige Gäste und zwei überaus spannende Vorträge ließen den Abend kurzweilig und inspirierend werden. Ich denke und hoffe, dass die anwesenden Typofreunde diesen Eindruck bestätigen können. Über den regen Zuspruch der Veranstaltung war ich sehr angetan. Alessio Leonardis Vortrag über »Sex & Type« war eine hervorragende Premiere für eine hoffentlich lange währende Tradition und bestätigte alle Erwartungen. Ich hätte nicht gedacht, dass man dieses Thema in solch unterhaltsamer Art und Weise bearbeiten kann.

Auch Jürgen Sieberts Ausführungen zum FontBook und der neuesten FSI-Publikation »Made with FontFont« zogen die anwesenden Gäste in ihren Bann. Dass einer der beiden Autoren des letztgenannten Buches Jan Middendorp ebenfalls Hintergrundinformationen dazu preisgeben konnte, machte die Sache natürlich noch würziger. Ich freue mich jetzt bereits auf den nächsten Typostammtisch im Januar. Für die visuellen Eindrücke habe ich auch ein paar Fotos geschossen, die größer erscheinen, wenn man sie anklickt:

Zu weiteren organisatorischen Dingen, wie zukünftige Termine, Vorträge und Örtlichkeiten werde ich in Kürze noch einen eigenen Info- und Diskussionsbeitrag veröffentlichen.

Berliner Typostammtisch 9/06 – Zusammenfassung


Ein kleiner Blick in die gut besuchte Runde (Foto H.Krause)

Das war er also, der erste Berliner Typostammtisch. 20 Schriftbegeisterte folgten unserem Vorschlag und trafen sich in geselliger Runde in der Nachbarschaft des ARD-Hauptstadtstudios. Illustre Gäste wie beispielsweise Erik Spiekermann, Jan Middendorp, Alessio Leonardi oder Henning Krause machten den Abend zu einem kurzweiligen Vergnügen für (hoffentlich) alle Beteiligten. Ralf Hermann von Typografie.info reiste sogar extra aus Weimar an und bekommt dafür das Silberne Lenkrad in Bronze 😉


Erik Spiekermann, das »FontFont-Hertzsprung-Russell-Diagramm« erklärend.

Die Buchstaben wurden an diesem Abend ausnahmsweise mal nicht geformt und angewendet, sondern in verbaler Form ausgetauscht, das aber dafür nicht zu knapp. Eine Meinungsumfrage zur Regelmäßigkeit des Stammtisches ergab für die zweimonatliche Variante einen leichten Stimmenvorsprung gegenüber der monatlichen und quartalsweisen. Außerdem wurde unter anderem von Oliver Adam angeregt, zukünftig kurze prägnante Vorträge bzw. Themen zu behandeln. Diesbezügliche Vorschläge wurden natürlich auch gleich eingebracht, von »Sex & Type« über »Vivat Kalligrafie – Wer schreibt, genießt zweimal«, »Packaging Design«, »Die Welt verbessern – braucht man Schrift dazu?« und »Alltagstypo, auf der Straße gefunden« reichten hierbei die ersten Angebote.


Alessio Leonardi, ich selbst sowie Jens Kutilek (Foto H.Krause)

Beim nächsten Mal werden wir auch einen Ort finden, in dem die Gäste nicht mehr so weit voneinander entfernt sitzen müssen. Im Zweifel können wir auch eine Art Zwangsrotationssystem einführen. 😉 Für eine Premiere lief der Abend aber aus meiner Sicht schon ganz gut. Ich habe mich sehr gefreut, viele Gesichter kennenzulernen, die ich bis dato nur aus Kommentaren in diversen Typoblogs und -foren kannte. Nach dem gestrigen Kennenlernen und Abklopfen bin ich sehr zuversichtlich, dass wir dem Ganzen einen schicken Anzug verpassen werden.


Ralf Hermann, Initiator von typografie.info, kam extra aus Weimar angereist (Foto H.Krause)


Christoph Koeberlin, geduldiger Kollege bei FSI und ständig-mir-die-guten-Typobücher-bei-ebay-Wegschnapper (Foto H.Krause)